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UMTS bleibt vorerst nur ein Mitläufer

Nicht nur in Deutschland erreichen die Mobilfunker die erhofften Kundenzahlen. Die Branche rätselt über die Zukunft.

12.02.2005, 11:46 Uhr
SMS schreiben© Andres Rodriguez / Fotolia.com

Wie wir bereits gesten berichteten, läuft sich die dritte Mobilfunkgeneration (UMTS) auch nach jahrelangen Verzögerungen nur allmählich warm. Bei der viertägigen Branchenmesse 3GSM World Congress, die am Montag in Cannes beginnt, werden rund 30.000 Manager und Ingenieure die jüngsten Neuerungen aus der Welt des UMTS-Standards feiern - und gleichzeitig weiter über Gewinn bringenden Anwendungen für die teure Technik brüten.
Deutschland hinkt hinterher
Das Weihnachtsgeschäft hat dem so genannten Universal Mobile Telecommunications System, ein wenig auf die Sprünge geholfen, selbst wenn die vor Jahren erwartete "Revolution" noch auf sich warten lässt: Vier Millionen UMTS-Abonnenten verzeichnet das Brancheninstitut Idate zuletzt in 17 europäischen Staaten, wobei Großbritannien und Italien im Vergleich zu Deutschland und Frankreich deutlich die Nase vorn haben.
Insgesamt setzt die Mobilfunk-Branche zwar weiter auf solides Wachstum - Idate rechnet mit sieben Prozent Zuwachs in diesem Jahr und weiteren Fünf-Prozent-Schritten bis 2008; dabei wird UMTS aber auf absehbare Zeit nicht die treibende Kraft, sondern eher ein Mitläufer sein. Viele Handy-Nutzer, von denen es seit dem vergangenen Jahr weltweit mehr als eine Milliarde gibt, sind mit einfachen Zusatzfunktionen wie SMS-Kurzmitteillungen zufrieden, die sich schon mit den herkömmlichen GSM-Netzen realisieren lassen.
Die Umstellung auf die weit leistungsfähigere dritte Generation werde "sanft" vonstatten gehen, sind sich die Mobilfunk-Experten inzwischen einig. In Cannes wird dann auch die Frage im Mittelpunkt stehen, wie dem Handy-Datenturbo etwas mehr Schub im Markt verliehen werden kann. Branchen-Primus Nokia etwa will neben einem neuen Endgerät seine Strategie für die Übertragung von Musik durch das mobile Netz vorstellen. Auch Konkurrenten wie Motorola, SonyEricsson und Siemens stellen weiter die schier unbegrenzten Möglichkeiten in den Vordergrund, über UMTS die Verschmelzung der Datenwelten voranzutreiben: Neben Musik lassen sich mit der schnellen Technik auch Fotos, Spiele oder Videos abrufen. Doch welche dieser Anwendungen tatsächlich zum Kassenschlager wird, dürfte auch in Cannes kaum beantwortet werden.
So nehmen sich die Marktdaten für den einstigen Hoffnungsträger UMTS eher bescheiden aus. Unter den Handy-Nutzern sind selbst im UMTS-Spitzenland Großbritannien nur 2,7 Prozent und in Italien 2,5 Prozent auf die neue Technik umgestiegen. Marktführender Anbieter in Europa ist der Mischkonzern Hutchison mit 3,3 Millionen Abonnenten.
Deutsche Mobilfunker schweigen
Die Mobilfunkkonzerne in Deutschland sind eher abgeschlagen. Nach der Versteigerung der sechs deutschen UMTS-Lizenzen im August 2000 für insgesamt 51 Milliarden Euro wurde der Start, der ursprünglich schon ab 2002 geplant war, immer wieder verschoben. Als erstes kam Vodafone dann vor genau einem Jahr mit einer UMTS-Datenkarte für Laptops auf den Markt.
Nach und nach tauchten auch die ersten Handys in den Läden auf. Im Weihnachtsgeschäft wurde erstmals mächtig die Werbetrommel gerührt, doch der Erfolg nimmt sich eher bescheiden aus. Vodafone vermeldete etwa lediglich gut 100.000 UMTS-Nutzer, was sich bei insgesamt 27 Millionen Kunden der Nummer zwei auf dem deutschen Mobilfunkmarkt nicht gerade berauschend ausnimmt. Die anderen Anbieter T-Mobile, O2 und e-plus schweigen lieber gleich über genaue Zahlen.
Zukunftsgedanken
Während die meisten Nutzer auch angesichts schwer vermittelbarer Preismodelle noch zögern, ob sie in die UMTS-Welt einsteigen, tritt die Branche die Flucht in noch schnellere Technik an. So soll die Generation 3+ mit dem HSDPA-Standard die Übertragungsgeschwindigkeit von 384 Kilobit pro Sekunde auf bis zu drei Megabit erhöhen. Das bedeutet zunächst neue Investitionen, obgleich UMTS bis heute noch keinem Anbieter auch nur einen einzigen Euro Gewinn eingebracht hat.

(Hayo Lücke)

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