News

Umstellung auf IP: Telekom schreibt 300.000 Kunden bis Ende 2016 an

Die Telekom will ihr Festnetz bis 2018 komplett auf IP-Technik umstellen. Wer nicht wechseln will, muss mit der Kündigung seines Anschlusses rechnen. Onlinekosten.de hakte bei dem Bonner Konzern nach - die Telekom antwortete uns ausführlich.

14.01.2015, 13:10 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Die von der Telekom bis 2018 geplante Umstellung der Festnetzanschlüsse auf IP-Technik sorgt für Unruhe bei den Kunden. Bereits im vergangenen Herbst hatte die Deutsche Telekom erste Kunden vor die Wahl gestellt: Entweder entscheiden sie sich für den Abschluss eines neuen Vertrages und die Umstellung auf IP oder die Telekom kündigt ihren Anschluss. Nachdem diverse Medien in den vergangenen Tagen über aktuelle Kündigungsfälle berichtet hatten, hat auch unsere Redaktion das Thema noch einmal aufgegriffen. Das Interesse unserer Leser war groß, auch in unserem Forum wird die Umstellung diskutiert. Da offenbar bei etlichen Kunden noch viele Fragen rund um den Umstellungsprozess offen sind, haben wir bei der Telekom nachgefragt. Die Presseabteilung des Bonner Konzerns antwortete uns ausführlich.

Umstieg auf IP macht Netz zukunftssicher

"Wir brauchen den Umstieg auf IP. Die bisher eingesetzte Technik und die Vielzahl von Plattformen, die historisch gewachsen sind, werden den Ansprüchen einer digitalen Gesellschaft in zunehmendem Maße nicht mehr gerecht", erklärte eine Telekom-Sprecherin. Schrittweise werde daher das gesamte Netz und somit auch alle Dienste (Telefon, Fernsehen und Internet) zukünftig auf dem "einheitlichen Internet Protokoll und somit zukunftssicher laufen".

Ein weiterer Grund für die Umstellung: In absehbarer Zeit werde es für die Telekom zunehmend schwerer, Ersatzteile für die herkömmliche Technik zu erhalten. Die Hersteller würden ihre Produktpalette ebenfalls auf IP-Technik umstellen.


Bis Ende 2016 werden 300.000 Kunden angeschrieben

Die Telekom nennt gegenüber onlinekosten.de konkrete Zahlen zu den noch vor 2018 umzustellenden Kunden: "Bis Ende 2016 schreiben wir 300.00 Kunden bundesweit in mehreren Wellen an – darunter auch VDSL-Kunden. Die Umstellung aller Kunden erfolgt bis 2018." Aus rechtlichen Gründen sei für die Umstellung der Abschluss eines neuen Vertrages erforderlich. Die Kunden würden von der Telekom entsprechend beraten, welcher Vertrag am besten zu den Anforderungen passe.

Kunden sind in folgenden Fällen von einem Wechsel auf IP betroffen:

  • wenn sie in einem der 53 größten Städte in Deutschland (Berlin, Köln, Hamburg etc.) wohnen
  • sie von der Telekom Internet und Telefonie oder Internet, Telefonie und TV beziehen
  • sie einen Vertrag haben, der PSTN/ISDN-Bestandteile hat
  • oder deren Vertrag in viereinhalb Monaten ausläuft.
Bereits seit zwei Jahren werden ausschließlich IP-Produkte vermarktet. Neuverträge oder Wechsel gibt es nur noch in der IP-Variante.

Kunden haben viereinhalb Monate Zeit, über den Umstieg nachzudenken

Der Prozess zum Vertragswechsel sei mehrstufig angelegt und bereits in der Vergangenheit bei anderen Umstellungen erprobt. "Wir gestalten den Wechsel für den Kunden so einfach und transparent wie möglich", erläutert die Telekom-Sprecherin. "Die Anschreiben erfolgen in mehreren Wellen. Es erhalten nur die Kunden ein Schreiben, wo wir den Vertrag in der derzeitigen Form nicht fortführen können und nicht mehr aufrecht erhalten können." Die Telekom betont: "Es gibt keinen 'Zwang' zum Umstieg. Wir machen unseren Kunden ein gutes Angebot." Der Kunde habe viereinhalb Monate Zeit, über das Angebot nachzudenken. Reagiere der Kunde nicht rechtzeitig, wird er noch einmal telefonisch, schriftlich oder von Serviceberatern im Direktvertrieb angesprochen. Nach Angaben der Telekom hätten auch Verbraucherzentralen eingeräumt, dass "hier alles mit rechten Dingen zu geht".

Der Großteil der betroffenen Kunden würde sich für die Umstellung entscheiden: "Bis auf wenige Ausnahmen gehen sie den Schritt mit uns und wechseln ins IP-Netz. Damit werden wir den Kunden neben höheren Geschwindigkeiten mehr Service und Dienste bieten können", erläutert die Telekom-Sprecherin. Das IP-Netz biete erhebliche Vorteile. Die Leitung sei "nicht nur für das Telefonieren reserviert", sondern ermögliche auch die Nutzung von Internet-Daten, TV-Programmen und anderen Diensten über das IP-Netz. Die Zahl der bereits auf IP umgestellten Kunden liege derzeit bei über 5 Millionen. Wöchentlich sollen aktuell rund 60.000 weitere Kunden hinzukommen.

Telekom: Allermeiste Kunden haben "überhaupt kein Problem mit der Umstellung"

Basierend auf den Erfahrungen mit den ersten Umstellungswellen erklärt die Telekom, dass die "allermeisten Kunden überhaupt kein Problem mit der Umstellung haben". Den Kunden sei bewusst, dass die Technik sich wandele und deshalb von Zeit zu Zeit ein Umstieg erforderlich sei. Zudem ließe sich "in der Regel durch den Umstieg sogar Geld sparen, weil alte Verträge im Telekommunikationsbereich fast immer teurer sind als neue Verträge".

Ob IP-Produkte der Telekom bereits vor Ort verfügbar sind, könnten Kunden online im Telekom-Kundencenter erfahren. Über die kostenfreie Kunden-Hotline könnten sich Kunden zudem über die Nutzung der Vectoring-Technik informieren, die VDSL-Anschlüsse auf bis zu 100 Mbit/s beschleunigen kann. Auf der Telekom-Homepage lasse sich zudem der VDSL-Ausbaustatus prüfen.

Wie sieht es hinsichtlich der für IP erforderlichen Hardware aus? "Viele Kunden haben den passenden Router schon heute zu Hause", erklärt die Sprecherin des Bonner Konzerns. Die Router Speedport W 723V, W 724V oder Speedport W 921V lassen sich nach Telekom-Angaben auch für die IP-Telefonie nutzen. Wichtig: Nach Angaben der Telekom können Kunden "auch Router anderer Hersteller verwenden, die für den neuen IP-Anschluss geeignet sind". Der volle Leistungsumfang bei der IP-Telefonie könne mit den Telefonie-Endgeräten Speedphone 100, 500, 700 und 701 erreicht werden. Allerdings sind inzwischen ohnehin die meisten aktuellen Telefone bereits fit für die IP-Telefonie.

Keine Kündigung bei reinen Telefonanschlüssen - Kosten für Umstieg auf IP?

Wie sieht es nun hinsichtlich der aktuellen Verträge der Kunden aus? Hier erklärt die Telekom: "Entschließt sich der Kunde bis zum Vertragsende nicht, auf ein Nachfolgeprodukt zu wechseln, kann der alte Anschluss nicht mehr genutzt werden." Allerdings gilt das offenbar nicht für alle Anschlüsse: "Eine Ausnahme bilden die reinen Telefonanschlüsse (kein Internet oder TV)". Diese Anschlüsse würden überwiegend von älteren Menschen genutzt, die nur telefonieren. In diesen Fällen würde die "Schaltung über die Vermittlungsstelle" vorgenommen. "Diese Kunden werden nicht angeschrieben und bemerken auch nichts von der technischen Umstellung", so die Sprecherin.

Im Forum von onlinekosten.de wiesen Leser auch auf die Kosten für den Umstieg hin. Hierzu bemerkt die Telekom: "Der Kunde wird für seine heutigen Leistungen wie Telefon, Internet und Fernsehen in der Regel keinen Cent mehr bezahlen. Uns ist es wichtig, dass möglichst alle Kunden in das neue Netz wechseln können, ohne dass ihnen zusätzliche Kosten entstehen." Die Telekom versuche, "den Wechsel so angenehm wie möglich zu gestalten". Wer lediglich einen Telefonanschluss nutzt, müsse in der Regel gar nichts machen, da der Anschluss in der Vermittlungsstelle umgeschaltet werde. Als Kosten führt die Telekom einen eventuell erforderlichen neuen Router auf. Entsprechende Router könnten Telekom-Kunden für 4,94 Euro monatlich mieten. Alternativ stehe ihnen auch der Kauf eines Routers der Telekom oder eines anderen Herstellers offen.

(Jörg Schamberg)

Kommentieren Forum
Zum Seitenanfang