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Überraschende Wende im Mannesmann-Prozess

Die Staatsanwaltschaft erklärte sich am Freitag mit einem Antrag der Verteidiger auf Einstellung des Verfahrens einverstanden. Im Gegenzug sollen die Angeklagten insgesamt 5,8 Millionen Euro Geldauflagen zahlen.

24.11.2006, 19:27 Uhr
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Der Düsseldorfer Mannesmann-Prozess gegen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und fünf Mitangeklagte steht vor dem Ende: Die Staatsanwaltschaft erklärte sich am Freitag mit einem Antrag der Verteidiger auf Einstellung des Verfahrens einverstanden. Im Gegenzug sollen die Angeklagten insgesamt 5,8 Millionen Euro Geldauflagen zahlen, davon allein Ackermann 3,2 Millionen. Ackermann und die übrigen Beschuldigten wären in diesem Fall nicht vorbestraft. Der 58-Jährige kündigte im Gerichtssaal an, er werde das Geld "aus eigener Tasche" zahlen. Das Düsseldorfer Landgericht will kommende Woche über eine Einstellung des spektakulären Prozesses entscheiden.
Überraschend und doch absehbar
Über eine Einstellung des Untreue-Verfahrens gegen Geldauflagen war bereits im Vorfeld spekuliert worden, nachdem der Bundesgerichtshof Ende vergangenen Jahres die Freisprüche für alle Angeklagten aus einem ersten Strafprozess aufgehoben hatte. Die Staatsanwaltschaft hob bei der Verhandlung am Freitag hervor, eine Verfahrenseinstellung gegen alle Beschuldigten sei "kein Handel mit der Gerechtigkeit", sondern entspreche der Rechtslage und sei damit "sachgerecht". Weder die "mögliche Schwere der Schuld noch das öffentliche Interesse" stünden einem solchen Vorgehen entgegen.
Ausdrücklich verwiesen die Strafverfolger darauf, dass der Prozess um Millionenprämien bei Mannesmann im Zuge der Übernahme durch Vodafone "in der Öffentlichkeit zu einer breiten Diskussion über die Angemessenheit von Sonderzahlungen an Manager" geführt habe. Auch in Unternehmenskreisen habe das Verfahren "ein ausgeprägtes Problembewusstsein" hervorgerufen. Zugleich unterstrich die Staatsanwaltschaft, die sechs Angeklagten hätten in ihrem Berufsleben "Beachtliches geleistet" und seien zudem erstmals mit derartigen Tatvorwürfen konfrontiert worden.
Auch Esser muss zahlen
Nach dem Willen der Ankläger soll Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser mit 1,5 Millionen Euro die zweithöchste Summe zahlen. Der einstige Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk soll eine Million Euro zahlen, Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel 60.000 Euro, Ex-Konzernbetriebsratschef Jürgen Ladberg 12.500 Euro und der frühere Direktionsmitarbeiter Dietmar Droste 30.000 Euro. Das Geld soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft zu 60 Prozent in die Staatskasse fließen und der Rest an gemeinnützige Einrichtungen.
Ackermann steht im Mittelpunkt des spektakulären Strafverfahrens, das seit dem 26. Oktober in Düsseldorf neu aufgerollt wird. In dem Prozess geht es um die Rechtmäßigkeit von Prämien und Abfindungen in Höhe von 57 Millionen Euro, die nach der Mannesmann-Übernahme Anfang 2000 an amtierende und frühere Konzernmanager geflossen waren. In einem ersten Verfahren waren die Angeklagten im Juli 2004 freigesprochen worden. Der Bundesgerichtshof hob diese Urteile jedoch Ende 2005 auf und verwies den Fall an eine andere Kammer des Düsseldorfer Gerichts zurück.

(Hayo Lücke)

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