Eingeschränkter Wettbewerb

Übernahme von Unitymedia: BREKO warnt vor Folgen für Verbraucher

Genehmigt die EU-Kommission den Kauf von Unitymedia durch Vodafone, so habe dies nach Ansicht des Glasfaserverbandes BREKO weitreichende, negative Folgen für den Fernseh- und Telekommunikationsmarkt in Deutschland.

Unitymedia Hauptsitz KölnHängt an der Zentrale von Unitymedia in Köln bald das Vodafone-Logo?© Unitymedia GmbH

Bonn/Berlin – Noch haben die EU-Wettbewerbswächter in Brüssel kein grünes Licht für die Übernahme des Kabelnetzbetreibers Unitymedia durch Vodafone gegeben. Der Glasfaserverband BREKO warnte am Mittwoch dennoch eindringlich vor einer erheblichen Einschränkung des Wettbewerbs. Eine Fusion der beiden Kabelanbieter würde nach Ansicht des BREKO nicht nur negative Folgen für den Fernsehmarkt, sondern auch für den flächendeckenden Glasfaserausbau in Deutschland haben. Letztendlich bekämen Bürger und Unternehmen die negativen Auswirkungen zu spüren.

Vodafone erhält stärkere Verhandlungsposition

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verfügt in den drei Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg über eigene Kabelnetze. Vodafone Deutschland (Kabelinternet von Vodafone) Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können.
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besitzt dank der 2013 erfolgten Übernahme von Kabel Deutschland Kabelnetze in den übrigen 13 Bundesländern.

Welche Folgen der Verkauf der Unitymedia-Kabelnetze an Vodafone auf die künftige Marktsituation haben könnte, hat der BREKO analysiert. Demnach läge der Marktanteil von Vodafone bei Verträgen mit der Wohnungswirtschaft zur Versorgung von Endkunden künftig bei rund 75 Prozent. Vodafone könnte dadurch über eine deutlich stärkere Verhandlungsposition verfügen. In den meisten Fällen würde dies auch ein Monopol im Bereich Kabel-Internet bedeuten. Die Wohnungswirtschaft könne aufgrund von vielfach vorhandenen Exklusivitätsvereinbarungen meist keine weiteren Verträge etwa mit regionalen Glasfaseranbietern abschließen.

Weniger Wettbewerb: Duopol von Telekom und Vodafone

In Nordrhein-Westfalen, Hessen und Nordrhein-Westfalen entfiele zudem künftig der Wettbewerb zwischen Vodafone und Unitymedia. Vodafone bietet dort bislang allerdings nur DSL und VDSL an. In vielen Gebieten würde Vodafone durch den Zusammenschluss künftig aber auf einen Marktanteil von weit über 50 Prozent kommen.

Es entstehe durch den Milliardendeal außerdem ein Duopol von Deutscher Telekom und Vodafone. Beide Anbieter würden bundesweit einen Marktanteil von rund 70 Prozent am deutschen TK-Markt halten. Der BREKO sieht die Gefahr, dass die Intensität des Wettbewerbs dadurch sinke. Der Verband erwartet etwa eine deutliche Verringerung der Investitionen in den Netzausbau. Das habe sich etwa auch bei der Übernahme von Kabel Deutschland durch Vodafone gezeigt. Die Investitionen pro Kunden seien erheblich gesunken.

Kaum noch Potential für FTTB/FTTH-Ausbau

Schwarz sieht der BREKO zudem für den FTTB/FTTH-Ausbau in den Gebieten, die von den beiden Riesen dominiert werden. Für reine Glasfaseranbieter würde kaum mehr Potential verbleiben, wenn mehr als 70 Prozent der Kunden an Kupfer- oder Kabelnetze gebunden seien. Die lokal und regional tätigen alternativen Netzbetreiber in Deutschland stellten rund 82 Prozent der aktuell verfügbaren reinen Glasfaseranschlüsse. In der Zukunft sei der Glasfaserausbau durch solche mittelständische Unternehmen gefährdet.

Vodafone würde nur noch bestehendes Kabelnetz optimieren

Vodafone und Telekom würden bei Erreichen eines Duopols laut BREKO "auf absehbare Zeit kein Interesse an einem Ausbau von (reinen) Glasfasernetzen haben". Vodafone werde vor allem in die Optimierung der bestehenden Kabelnetze investieren. Auch die Telekom werde ihre vorhandenen Kupfernetze beispielsweise durch Einsatz von Vectoring und Super-Vectoring so lange wie möglich nutzen. Der Glasfaserverband erwartet eine friedliche Ko-Existenz von Telekom und Vodafone. Beide Unternehmen würden sich den Markt aufteilen. In den für Breitband-Internet ausgebauten Kabelgebieten würde für einen eigenwirtschaftlich realisierten und rentablen Glasfaserausbau kein Raum mehr sein. Auf Jahre würden diese Regionen zur "Glasfaser-Diaspora".

BREKO: EU-Kommission muss Unitymedia-Übernahme untersagen

"Weitere Verzögerungen beim Glasfaserausbau können wir uns aber nicht mehr leisten, zumal diesen zurzeit nahezu ausschließlich die alternativen Netzbetreiber in Deutschland vorantreiben", betont BREKO-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers. Der BREKO fordert die EU-Kommission daher auf, die geplante Übernahme zu untersagen. "Denn Zusammenschlüsse, durch die wirksamer Wettbewerb erheblich behindert würde, sind mit geltendem Recht nicht zu vereinbaren", so Albers.

Jörg Schamberg

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