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Uber profitiert von Taxifahrer-Protesten: Viele neue Kunden

Das Internet verändert auch das Taxigewerbe. Es öffnet den Weg für neue Anbieter, die mit neuen Beförderungs-Konzepten Konkurrenz machen. Den Taxifahrern platzt der Kragen, weil sie unfairen Wettbewerb sehen. Ihr europaweiter Protest bescherte ausgerechnet dem App-Anbieter Uber viele neue Kunden.

12.06.2014, 08:01 Uhr (Quelle: DPA)
Handy Telefonat© Yuri Arcurs / Fotolia.com

Zehntausende Taxifahrer haben in europäischen Großstädten gegen neue Konkurrenz aus dem Internet protestiert. Sie beteiligten sich am Mittwoch an Streiks oder Blockade-Aktionen, unter anderem in London, Paris und Madrid. In Berlin machten nach Polizeiangaben 450 Fahrer bei einer Sternfahrt zum Olympiastadion mit. Der Protest richtete sich gegen Unternehmen wie Uber aus den USA, die über Handy-Apps Fahrer vermitteln. Dies unterlaufe die Regeln der Branche, kritisiert das Taxigewerbe.

Europaweiter Protest der Taxifahrer

In Paris blockierten 500 Taxifahrer kurzzeitig den Verkehr an den internationalen Flughäfen Charles de Gaulle und Orly. In Madrid streikten fast alle Taxifahrer den ganzen Tag. Auch am Flughafen war kein einziges Taxi aufzutreiben. In London blockierten Tausende der berühmten Taxis die Straßen um den Trafalgar Square im Stadtzentrum. Viele der "Cabbies" drückten minutenlang die Hupe.

Nach Angaben von Uber trieben die Proteste neue Kunden in die Arme des Fahrdienstes. "Wir arbeiten rund um die Uhr", sagte Europachef Pierre-Dimitri Gore-Coty am Abend dem Wirtschaftssender Bloomberg TV. Quer durch Europa habe es sechs bis achtmal mehr neue Kunden als gewöhnlich gegeben, in Barcelona seien es sogar elfmal mehr gewesen.

Uber öffnet Plattform für Londoner Taxi-Fahrer

Zugleich machte Uber eine Versöhnungsgeste: Zum Start der Proteste wurde die Plattform überraschend auch für offizielle Londoner Taxi-Fahrer geöffnet. Uber will sie unter anderem mit einer Gebühr von fünf Prozent locken.

Taxifahrer in Deutschland stören sich vor allem an Angeboten wie Uber und Wundercar, die private Wagen mit Fahrern vermitteln. "Die Taxifahrer gehen auf die Straße, weil hier eine rechtswidrige Form der Beförderung stattfindet und das den Wettbewerb verzerrt", sagte Michael Müller vom Deutschen Taxi- und Mietwagenverband in Berlin. Private Fahrer seien oft nicht für die Beförderung versichert, absolvierten keine regelmäßigen Gesundheitschecks, ihre Ausbildung und der technische Zustand des Autos würden nicht geprüft.

Das Unternehmen Uber wies das zurück. Man biete eine zusätzliche Möglichkeit zur Fortbewegung an, sagte Patrick Studener, der für die Expansion des Dienstes in Europa zuständig ist. Auch die Uber-Fahrer müssten verschiedene Überprüfungen durchlaufen, bevor sie für die App zugelassen werden. Führerschein, Versicherung und polizeiliches Führungszeugnis würden geprüft. Das Unternehmen vermittelt in Berlin, München und Frankfurt/Main auch Chauffeure mit schwarzen Mietwagen.

Unterschiedliche Regeln für Taxis und Mietwagen

Taxi- und Mietwagenunternehmer brauchen in Deutschland eine Genehmigung der kommunalen Behörden. Für sie gelten dann aber unterschiedliche Regeln. Taxis zum Beispiel müssen zu festgesetzten Tarifen arbeiten und dürfen Aufträge nicht ohne weiteres ablehnen. Dafür dürfen Chauffeure mit ihren Mietwagen nicht auf der Straße nach Kunden suchen. Sobald Privatleute gegen Geld Fahrten anbieten und dabei mehr bekommen als den Ausgleich der eigenen Kosten, brauchen auch sie nach Einschätzung von Juristen und Behörden eine Genehmigung.

Taxifahrer kritisieren auch, dass zum Beispiel die Behörden in Berlin nicht gegen die neuen Anbieter vorgehen. In Hamburg wurde Wundercar - ein Dienst, über den man mit Privatleuten für ein "Trinkgeld" mitfahren kann - von der Wirtschaftsbehörde gestoppt. Gründer und Geschäftsführer Gunnar Froh sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" aber, das Angebot solle am Donnerstag auf ganz Deutschland ausgeweitet werden.

EU-Kommissarin will neuen Anbietern eine Chance geben

Die EU-Kommissarin für digitale Medien, Neelie Kroes, setzte sich am Mittwoch dafür ein, den neuen Anbietern eine Chance zu geben. Beide Seiten in dem Konflikt sollten sich an einen Tisch setzen.

Protestfahrten mit kleineren Verkehrsbehinderungen gab es unter anderem auch in Hamburg, Barcelona und einigen italienischen Städten. Die Auswirkungen in der deutschen Hauptstadt blieben ebenfalls gering.

(Jörg Schamberg)

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