News

Twitter-Marathon der Berliner Polizei: Ein Kamel statt Mord und Totschlag

Von Freitagmittag bis Mitternacht twitterten 15 Polizisten aus zwei Wachen in Berlin über alle Einsätze - darunter ein entflohenes Kamel. Die Berliner Polizei nutzt den Live-Ticker auf Twitter einerseits als Imagekampagne, andererseits auch weil sie Nachwuchs sucht.

13.12.2014, 00:07 Uhr (Quelle: DPA)
Netzwerk© TheSupe87 / Fotolia.com

Streitende Pärchen, renitente Rentner und: "Ein Kamel im Friedrichshain unterwegs." Das alles kann zum Alltag eines Berliner Polizisten gehören. Wer sich dafür interessiert, konnte am Freitag reichlich Kurioses und teils Tragisches detailliert beim Kurznachrichtendienst Twitter nachlesen. 15 Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen lieferten zwölf Stunden Live-Ticker von den Einsätzen zweier Polizeiwachen in Berlin-Mitte und Kreuzberg.

Verwirrte Person und randalierender Opa mit Gehstock

Das hatte - zumindest bis zum Freitagnachmittag - ziemlich wenig mit Mord und Totschlag zu tun. Unterhaltsam, aber wenig spannend klangen die meisten Aufgaben, die die Polizisten in der Hauptstadt bei kaltem Schmuddelwetter bewältigen mussten. 15.12 Uhr: "Jetzt geht's zu einer verwirrten Person." Oder um 14.54: "Mit Blaulicht weiter zu einem randalierenden Opa mit Gehstock."

Für die Aktion, die die Berliner Polizei schon zum zweiten Mal machte, nimmt die Behörde einigen Aufwand in Kauf. Doch warum eigentlich? "Für uns ist das zum einen eine Art Imagekampagne", sagte Polizeisprecher Stefan Redlich. "Wir möchten einfach gerne darstellen, was die Polizei jeden Tag leistet und was wir für die Bürger in dieser Stadt tun."

Der zweite Grund: Die Berliner Polizei sucht dringend Nachwuchs. "Wir wollen über diesen Kanal, über soziale Medien vor allem junge Menschen ansprechen. Ihnen zeigen, wie unglaublich vielfältig unser Beruf ist", erzählt Redlich. Bereits im Juni hatte die Polizei in einer deutschlandweit neuen Aktion 24 Stunden alle Einsätze, die über die Notrufzentrale abgewickelt wurden, getwittert. Mit hervorragender Resonanz, wie der Polizeisprecher sagt. Auf 450 Ausbildungsplätze hätten sich 10.000 junge Menschen beworben.

Polizei gibt auch Hinweise für die Bürger

Doch die Polizei nutzt die Aktion auch für Hinweise für den findigen Bürger. "Finger weg vom Hütchenspiel", heißt es beispielsweise um 15.33 Uhr. Auch Tipps zum Taschendiebstahl und zu abhandengekommenen Bankkarten verbreiten die Beamten über den Twitterkanal. Der Leser weiß auch, mit wem er es zu tun hat. Fotos der Mitarbeiter - vor dem Weihnachtsbaum - werden ebenfalls veröffentlicht.

Mehrfach müssen die Polizisten zu "lautstark streitenden Pärchen" ausrücken. Die Kollegen hätten schlichten können, hieß es. Und das Kamel in Friedrichshain? Das junge Fohlen war aus einem Zirkus ausgebüxt und schnell wieder eingefangen. Die Polizisten posierten noch mit dem Tier für ein Foto - und teilten es natürlich bei Twitter.

(Jörg Schamberg)

Kommentieren Forum
Zum Seitenanfang