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Twitter-Account des russischen Regierungschefs gehackt: "Ich trete zurück"

Ungewöhnlich kremlkritische Inhalte wurden über den Twitter-Zugang des russischen Ministerpräsidenten Dmitri Medwedew verbreitet. Hacker hatten den Twitter-Account geknackt.

14.08.2014, 10:02 Uhr (Quelle: DPA)
Internet© Victoria / Fotolia.com

Hacker haben im Kurznachrichtendienst Twitter den Zugang des russischen Regierungschefs Dmitri Medwedew geknackt. Die dort veröffentlichten Nachrichten stammten nicht von dem Ministerpräsidenten und seien unzutreffend, teilte die Regierung in Moskau am Donnerstag mit. Bereits nach kurzer Zeit wurden sie wieder entfernt. Medwedew ist anders als Kremlchef Wladimir Putin ein leidenschaftlicher Nutzer von sozialen Netzwerken im Internet.

Hacker verbreiten kremlkritische Inhalte

Dem Twitter-Account von Medwedew folgen zweieinhalb Millionen Menschen. Unklar war zunächst, wer hinter der Attacke stand. Verantwortlich sein könnten für den Hacker-Angriff die Gründer des seit Ende Juli gesperrten Portals Shaltay Boltay, wie der Radiosender Echo Moskwy berichtete. Die anonymen Regierungskritiker hatten auf der Enthüllungsplattform kompromittierendes Material über Staatsfunktionäre veröffentlicht.

Die Nachrichten hatten kremlkritische Inhalte. Medien berichteten, dass auch russische Geheimdienste den Account geknackt haben könnten, um Medwedew bloßzustellen. In der Vergangenheit hatte es wiederholt Spekulationen um einen möglichen Rücktritt des Regierungschefs gegeben. Ultrakonservative werfen Medwedew eine zu liberale Haltung vor.

Hacker-Angriff als Vorwand zur weiteren Einschränkung des Internets?

Zu lesen war dort auf Russisch unter anderem: "Ich trete zurück!" und "Ich wollte schon immer sagen. Wowa! Du hast nicht Recht!" Wowa ist die Kurzform des russischen Vornamens von Wladimir. Oft wird Kremlchef Wladimir Putin im Volksmund Wowa genannt. Zu lesen war auch: "Die russischen Bürger sollten nicht leiden müssen, nur weil die Führung des Landes Probleme mit dem gesunden Menschenverstand hat." In anderen Einträgen stand, dass Medwedew "freier Fotograf" werden wolle, ein Anhänger des Kremlkritikers Alexej Nawalny sei und dass die im März annektierte Schwarzmeerhalbinsel Krim nicht zu Russland gehöre.

Putin-Sprecher Dmitri Peskow sagte, der Fall zeige, dass die Informationssicherheit gewährleistet werden müsse. Kommentatoren befürchten, dass solch ein Hacker-Angriff auch genutzt werden könnte, um die Freiheit im Internet in Russland weiter einzuschränken. Im größten Land der Erde sind mehrere regierungskritische Webseiten gesperrt.

(Jörg Schamberg)

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