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TV-Kabel ist kein Muss mehr: Anbieter rücken zusammen

Früher war die Fernsehwelt klar geregelt: Hier gab es die Sender, dort die Satelliten- und Kabelnetz-Betreiber. Die Vorabendserie fing um 19 Uhr an und geschaut wurde im Wohnzimmer. Mit Online-Videotheken und Smartphones ändert sich das rasant.

15.02.2014, 12:01 Uhr (Quelle: DPA)
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Es war ein geruhsames Geschäft, dem die Kabelfernseh-Anbieter früher nachgingen: Sie verlegten ihre Leitungen unter die Erde und speisten Fernsehsender ein. Als Monopolist in den meisten Regionen mussten sie sich gar nicht großartig anstrengen und konnten zudem satte Preise verlangen. Wer keine Satellitenschüssel auf dem Dach haben wollte und dennoch eine gewisse Senderauswahl haben wollte, kam an ihnen eigentlich nicht vorbei.

Kabelfernsehmarkt im Umbruch

Doch mit dem Aufkommen schneller Internet-Zugänge, mit Smartphones und Online-Videotheken ist es ungemütlicher geworden für die Anbieter. Die Kunden haben ungleich mehr Möglichkeiten, ihre Lieblingsserie oder den Blockbuster zu schauen. Sie müssen sich dabei nicht einmal mehr an vorgegebene Sendezeiten halten. Vor diesem Hintergrund geschieht auch der Zusammenschluss der zwei größten Kabelfernseh-Konzerne in den USA.

"Der Niedergang von Monopolen fängt da an, wo sie ihre Kunden für gegeben hinnehmen", sagt Jonathan Klein, der frühere Geschäftsführer des Nachrichtenkanals CNN, im Wirtschaftssender Bloomberg TV. Als Ausweg aus dem Dilemma wandelten sich die Kabelfernseh-Anbieter zu Produzenten von Inhalten, stellt er fest. "Das ist, was jeder versucht."

Konkurrenz von Netflix, Amazon und YouTube

Comcast macht es beispielhaft vor. Schon vor drei Jahren kaufte der Kabelfernseh-Koloss aus Philadelphia sich seine eigene Medienfirma: NBC Universal. Dazu gehören eine landesweite TV-Senderkette, das Hollywood-Studio Universal Pictures und sogar Vergnügungsparks. Nun will Comcast für 45,2 Milliarden Dollar den Kabelfernseh-Rivalen Time Warner Cable übernehmen. Zusammen kämen die zwei auf rund 30 Millionen Kunden. Zum Vergleich: Die erfolgreiche Online-Videothek Netflix berichtete zuletzt von 33 Millionen Nutzern alleine in den USA, Tendenz weiter steigend. Zeitgleich bewegt sich Googles Videoportal Youtube ein Stück weg von kurzen Clips und hin zu professionell produzierten Inhalten.

Die Kabelanbieter halten mit eigenen Streaming-Angeboten dagegen. Comcast ist über NBC Universal auch am Netflix-Rivalen Hulu beteiligt, der besonders bei TV-Serien stark ist. Netflix kontert mit Eigenproduktionen wie der Polit-Serie "House Of Cards" oder der Frauenknast-Serie "Orange Is The New Black". Einen ähnlichen Weg geht Amazon mit seinem Streaming-Angebot.

Netflix-, Amazon- oder Youtube-Nutzer müssen dabei nicht einmal mehr die Internetzugänge nutzen, die ihnen die Kabelfernsehanbieter oder die Telekomfirmen bereitstellen. Sie können Inhalte über ihr Smartphone oder ihren Tablet-Computer anschauen - entweder per Mobilfunk oder in öffentlichen WLAN-Netzen, die in den USA verbreiteter sind als in Deutschland. Einige Glückliche können sich auch in die superschnellen Glasfasernetze einklinken, die Google zunächst in Kansas und Austin aufgebaut hat.

(Jörg Schamberg)

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