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"Tu' nichts Böses": Add-on gegen Google(+)-Suche

Mit einer Browser-Erweiterung protestieren verschiedene Software-Entwickler von Facebook, Twitter und MySpace gegen die kürzlich eingeführte personalisierte Google-Suche. Diese bevorzuge Google+ einseitig und sei nicht neutral.

24.01.2012, 16:16 Uhr (Quelle: DPA)
Google© Google

Die vor wenigen Wochen eingeführte personalisierte Google-Suche "Search, plus Your World" hat Netz-Rivalen wie Twitter auf die Palme gebracht. Diese werfen Google vor, Ergebnisse aus dem Online-Netzwerk Google+ einseitig zu bevorzugen - und schlagen nun zurück. Ein Team aus Softwareentwicklern von Facebook, Twitter und MySpace hat ein Programm geschrieben, das auf Knopfdruck die bisherige Reihenfolge der Suchergebnisse wiederherstellen soll.

Browser-Erweiterung verändert Trefferliste

In einem Seitenhieb auf das informelle Google-Motto nannten sie die unter www.focusontheuser.org erhältliche Erweiterung "Don't be evil" ("Tu' nichts Böses"). Das JavaScript-Programm funktioniert als Browser-Add-on und lässt sich über ein Bookmark aktivieren, das in der Favoriten-Leiste abgelegt werden muss. Entwickelt wurde die Erweiterung unter Führung des Facebook-Produktchefs Blake Ross, berichtet Suchmaschinen-Kenner John Battelle auf seinem Blog. Damit ist das JavaScript-Programm zwar keine offizielle Facebook-Aktion - aber mit hoher Wahrscheinlichkeit eine, die von dem Unternehmen zumindest toleriert wird.

Deutliche Unterstützung erfährt die Aktion unter anderem auch von Danny Sullivan, Chefredakteur des Fachblogs "Search Engine Land". In einem mit zahlreichen Beispielen illustrierten Beitrag legt der Experte ausführlich dar, welche Änderungen sich durch "Search, plus Your World" in der Trefferliste unter google.com ergeben. Der geänderte Suchalgorithmus bevorzuge Googles eigene Dienste beziehungsweise Google+ in einer bisher nie dagewesenen Art und Weise, kritisiert Sullivan. Das könne erhebliche Unterschiede bringen. Suche man bei der amerikanischen Google-Version etwa nach "Cars" werde in der Seitenleiste in beiden Fällen ein Ferrari-Profil angezeigt - einmal bei Google+ mit 6.500 Abonnenten, im anderen Fall bei Facebook mit 5,6 Millionen Nutzern.


"Alle Informationen stammen von Google selbst"

Mit der Browser-Erweiterung sollen daher Treffer aus anderen Online-Diensten wieder nach oben gebracht werden, die von der Suchmaschine zu Gunsten von Google+ unterdrückt würden, teilten die Entwickler mit. Der Hack setzt gleich an mehreren Stellen an. Zum einen werden in vielen Fällen Treffer aus Twitter oder Facebook wieder höher eingeordnet als Fundstellen bei Google+. Auch die automatischen Vorschläge beim Eintippen von Suchbegriffen werden ausgeweitet. Zudem wird eine zusätzliche - bisher vor allem in den USA sichtbare - Seitenleiste mit Inhalten von Google+ mit Profilen aus anderen Diensten ergänzt. "Alle Informationen in dieser Demonstration kommen von Google selbst", betonten die Entwickler. "Und alle Gewichtungsentscheidungen wurden von Googles eigenen Algorithmen berechnet." Man habe zeigen wollen, wie viel besser für die Nutzer die "soziale Suche" sein könnte, wenn Google auf alle von der Suchmaschine erfassten Informationen zurückgreifen würde.

Für rechtliche Probleme könnte dabei allerdings sorgen, dass bei der Aktion auch das Google-Logo modifiziert wird: Die typischen bunten Buchstaben werden von dem Zusatz "so wie es sein sollte" umrahmt. Eine Reaktion von Google steht noch aus. Amerikanische Branchenbeobachter sehen Google in einem inneren Konflikt zwischen der unparteiischen Anzeige der Suchergebnisse, die die Suchmaschine in den vergangenen Jahren weltweit zur unangefochtenen Nummer eins gemacht hat - und dem Druck, den Facebook-Rivalen Google+ erfolgreich zu machen. Nach Informationen des "Wall Street Journal" nehmen US-Kartellwächter die neue personifizierte Google-Suche bereits genauer unter die Lupe.

(Christian Wolf)

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