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Tschüss T-Com: VoIP per "nacktem" DSL oder Kabel

Endlich haben die Regulierer grünes Licht für entbündeltes DSL gegeben. Freie Bahn für neue Paketangebote, die den klassischen Telefonanschluss vergessen machen.

26.10.2006, 10:01 Uhr
Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Im September ist der Traum von so manchem Internet-Surfer wahr geworden: die Bundesnetzagentur gab grünes Licht für entbündeltes DSL. Während die Kopplung von Telefonanschluss und DSL bislang als wesentliches Hindernis für VoIP galt, ist die Bahn nun frei für neue Paketangebote aus Breitband-Anschlüssen und Internet-Telefonie, die den klassischen Telefonanschluss vergessen machen.
Entbündelung pusht VoIP
Längst sind es nicht mehr nur QSC und Broadnet, die "nacktes DSL" anbieten können. Seit die Bundesnetzagentur im September entschieden hat, dass die T-Com Wettbewerbern einen entbündelten Breitbandanschluss gewähren muss, präsentieren immer mehr Unternehmen Komplettpakete mit DSL und VoIP als Alternative zum klassischen T-Anschluss. Hinzu kommen die TV-Kabelnetzbetreiber, die ihre Netze zu Multimedia-Datenautobahnen ausbauen und so ebenfalls Kommunikation unabhängig vom "Rosa Riesen" über "DSL Kabel" bieten können. Wir haben die Angebote der Provider verglichen.
Die Klassiker
Bereits ein Klassiker am Markt ist das Angebot von QSC: hier kann sich der Kunde sein Kommunikations-Paket individuell zusammenstellen. Im Tarif Q-DSL home stehen zwei Bandbreiten zur Auswahl: die Variante "2.560" bietet bis zu 2.048 Kilobit pro Sekunde (kbit/s) Downstream und 512 kbit/s Upstream zum Preis von 39 Euro. Wesentlicher Vorteil ist hier die so genannte Bandbreitenoption, mit der ein Mal täglich die Geschwindigkeit in drei Stufen geändert werden kann.
Wenigtelefonierern bietet QSC den VoIP-Tarif IPfonie privat, wahlweise mit minuten- oder sekundengenauer Taktung. Telefonate ins deutsche Festnetz werden hier mit Preisen zwischen 0,90 und 2,00 Cent pro Minute abgerechnet. Die Mobilfunknetze sind ab 15,90 Cent pro Minute erreichbar. Vieltelefonierern bieten die Kölner eine VoIP-Flatrate ins deutsche Festnetz für 9,99 Euro im Monat. Je nach Verfügbarkeit erhalten Kunden bis zu vier geografische oder 032-Rufnummern oder bestehende Nummern werden zu QSC portiert. So können auch bis zu vier Gespräche parallel geführt werden, so weit die Bandbreite dies hergibt. Für ein Telefonat rechnet QSC etwa mit 128 kbit/s. Mit "Fax-to-E-Mail" können auch Faxe empfangen werden. Jedoch können keine Notrufe abgesetzt werden, 0900-Servicerufnummern können hingegen erreicht werden. Ähnlich sieht das Angebot dataVoIP@home von Broadnet aus: hier kostet der ADSL-Zugang mit 2.048 kbit/s Downstream und 512 kbit/s Upstream 39,99 Euro im Monat, der VoIP-Anschluss ist inklusive. Der Minutenpreis wird im Inland sekundengenau getaktet und beträgt für Gespräche ins deutsche Festnetz 1,00 Cent, die nationalen Mobilfunknetze sind für 19,00 Cent erreichbar. Allerdings gibt es bei Broadnet keine Telefonie-Flatrate für Privatkunden. Unternehmensangaben zufolge besteht dazu augenblicklich auch keine Planung.
Auch bei diesem Angebot sind bis zu vier Rufnummern inklusive. Broadnet vergibt auf Wunsch neue Telefonnummern oder portiert bestehende Nummern des Kunden. Bundesweit sollen die Ortsnetze zu 90 Prozent verfügbar sein. Der Versand von Faxen ist hier nicht möglich, auch Fax-to-E-Mail steht Privatkunden nicht zur Verfügung. Notrufe können bei Broadnet abgesetzt werden, 0900-Nummern sind jedoch nicht freigegeben. Broadnet rechnet für ein Telefonat mit 80 kbit/s, die in beide Richtungen zur Verfügung stehen müssen. Damit sind bis zu vier simultane VoIP-Verbindungen möglich, die restliche Bandbreite wird für Internet freigehalten.
Die Neuen
Einer von den Neuen, die sich am Markt mit entbündelten Komplettpaketen tummeln, ist Tiscali. Hier stehen insgesamt vier verschiedene Kombinationen aus DSL und VoIP zur Auswahl, davon zwei als Internet-Volumentarife. Tiscali Surf&Talk Smart bietet hingegen einen DSL-Anschluss mit Flatrate und VoIP-Telefonanschluss für 34,90 Euro im Monat. Die maximale Geschwindigkeit beträgt 8.192 kbit/s Downstream und 640 kbit/s Upstream, wobei immer die höchstmögliche Geschwindigkeit geschaltet wird. Der Telefonanschluss ist bei diesem Angebot ebenfalls mit bis zu vier Ortsnetznummern im Paketpreis inklusive. Auf Wunsch können auch bis zu zehn bestehende Nummern zu Tiscali portiert werden. Allerdings sind nur zwei parallele Verbindungen möglich.
Die Verbindungspreise werden minutengenau getaktet. Telefonate ins deutsche Festnetz kosten 2,50 Cent pro Minute, das inländische Mobilfunknetz kann für 22,90 Cent pro Minute angerufen werden. Wer viel ins Festnetz telefoniert, dem bietet sich das Paket Surf&Talk Complete an. Darin ist dann zum Monatspreis von 39,90 Euro auch eine Telefon-Flatrate für Telefonate ins deutsche Festnetz enthalten. Tiscali unterstützt auch die Notruferreichbarkeit. Die 0900-Servicenummern hingegen sind nicht erreichbar. Faxe werden bei Tiscali per E-Mail übertragen. Auch bei freenet gibt es mittlerweile Komplettpakete, seit die Hamburger eine Partnerschaft mit QSC eingegangen sind. Die Angebote unterscheiden sich jedoch von denen der Kölner: Vom Provider in Giftgrün gibt es drei verschiedene Paketvarianten mit jeweils vier Geschwindigkeitsstufen.
Eines der Pakete bringt lediglich einen DSL-Volumentarif mit. Die beiden anderen unterscheiden sich hingegen, wie bei Tiscali, durch den Telefontarif. In der Variante "Telefon + DSLflat" gibt es den DSL-Anschluss 3.000 mit 3.072 kbit/s Downstream und 384 kbit/s Upstream, eine DSL-Flatrate sowie einen Volumen-basierten Telefontarif für 34,90 Euro monatlich. Telefonate ins deutsche Festnetz werden mit Minutenpreisen zwischen 1,90 und 2,90 Cent, je nach Tageszeit, in Rechnung gestellt, die inländischen Mobilfunknetze sind für 19,90 Cent pro Minute erreichbar, bei minutengenauer Abrechnung.
Wer hingegen einen Pauschaltarif für Telefonate bevorzugt, dem bietet sich mit der "Telefonflat + DSLflat" die entsprechende Alternative. Für 44,85 Euro im Monat sind hier nicht nur die Telefonate ins deutsche Festnetz inklusive, sondern auch in die Festnetze von Österreich, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Spanien und Dänemark.
Ansonsten sind die Bedingungen bei beiden Paketen identisch: Nutzer erhalten drei Rufnummern aus ihrem jeweiligen Ortsnetz, wobei alle Vorwahlen verfügbar sein sollen. Es können gleichzeitig zwei Telefonleitungen genutzt werden. Zudem besteht die Möglichkeit, bestehende Rufnummern zu portieren. Notrufnummern sind über freenet erreichbar, 0900-Servicenummern hingegen nicht. Pro Gespräch rechnet freenet einen Traffic von 90 kbit/s. Die Übertragung von Faxen soll dank der FRITZ!Box Fon WLAN 7170 SL ebenfalls problemlos möglich sein. Auch Notrufnummern sind hier erreichbar.
Die Fernsehtechniker
Auch die Kabelnetzbetreiber bieten ihren Kunden mittlerweile Komplettpakete aus Highspeed-Internet und Telefonie an. Voraussetzung ist hier grundsätzlich ein vorhandener TV-Kabelanschluss des jeweiligen Anbieters, die Verfügbarkeit ist also regional begrenzt. Bei allen Angeboten erhalten Kunden auf Wunsch geografische Rufnummern oder können bestehende Festnetznummern zum Anbieter portieren. Wesentlicher Pluspunkt der Lösungen der TV-Kabelnetzbetreiber: der Telefonanschluss wird bei allen Anbietern zusätzlich zum Internet-Anschluss geschaltet. So belasten die anfallenden Sprachdaten nicht die verfügbare Bandbreite zum surfen. Bei Kabel Deutschland gibt es vier verschiedene Angebote mit unterschiedlichen Internet-Geschwindigkeiten. Die Variante mit 2.200 kbit/s Downstream und 220 kbit/s Upstream gibt es wahlweise mit oder ohne Telefonie-Flatrate. Das "Paket Comfort" rechnet Gespräche volumenabhängig ab und kostet 29,90 Euro im Monat. Telefonate ins deutsche Festnetz kosten 1,50 Cent pro Minute, das nationale Mobilfunknetz ist für 23,00 Cent pro Minute erreichbar, bei minutengenauer Abrechnung. Beim "Paket Comfort+" sind hingegen für 39,90 Euro monatlich alle Verbindungen ins deutsche Festnetz bereits inklusive.
Alle Pakete sind bei Kabel Deutschland mit zwei Rufnummern und zwei Leitungen erhältlich. Gegen eine zusätzliche Gebühr können auch bis zu sechs Rufnummern auf die zwei Leitungen geschaltet werden. Unternehmensangaben zufolge ist die Nutzung analoger Faxgeräte weiter möglich. Notrufnummern sind ebenfalls weiterhin erreichbar. Die 0900-Rufnummerngasse ist Standard-mäßig gesperrt, kann aber für einmalig 9,90 Euro frei geschaltet werden.
Bis zu 20.000 kbit/s
Kabel BW hingegen bietet eine größere Vielfalt an verfügbaren Internet-Geschwindigkeiten, von 100 kbit/s bis zu 20.000 kbit/s. Bei "Kabel Internet 2.000" erhält der Nutzer eine Anbindung mit 2.000 kbit/s Downstream und 200 kbit/s Upstream sowie zwei Telefonleitungen inklusive für monatlich 24,90 Euro. Für jede der Telefonleitungen ist eine Rufnummer inklusive. Zusätzlich sind Portierungen möglich.
Telefonate ins deutsche Festnetz werden mit Preisen zwischen 1,00 und 4,70 Cent pro Minute in Rechnung gestellt, die inländischen Handynetze sind für 19,70 Cent pro Minute erreichbar. Die erste Minute wird dabei voll berechnet, danach geht es sekundengenau weiter. Optional kann die Telefon-Flat für monatlich 9,90 Euro pro Rufnummer hinzu gebucht werden. Notrufnummern und 0900-Servicenummern sind erreichbar und auch Faxe können genutzt werden.
Telefonie-Flatrate als Standard
Zu guter Letzt wären da noch ish und iesy, die beide zur Unity Media gehören und identische Angebote für ihre jeweiligen Regionen in Nordrhein-westfalen und Hessen liefern. Hier stehen zwei Kombipakete mit Internet und Telefon zur Auswahl, beide mit Telefonflatrate, aber unterschiedlichen Übertragungs-Geschwindigkeiten. Bei "2play net.fon" ist für 35 Euro monatlich ein Internet-Anschluss mit 2.048 kbit/s Downstream und 256 kbit/s Upstream mit Flatrate inklusive. Ein Telefonanschluss mit einer Leitung und Flatrate für Telefonate ins deutsche Festnetz ist ebenfalls mit dabei, für 5 Euro extra im Monat gibt es eine weitere Leitung, inklusive Flatrate, hinzu.
So fallen bei diesem Angebot von ish und iesy standardmäßig keine Gesprächskosten für Verbindungen ins deutsche Festnetz an, die deutschen Mobilfunknetze sind für 23,90 Cent pro Minute erreichbar, bei minutengenauer Abrechnung. Pro Anschluss erhalten Kunden eine geografische Rufnummer oder können ihre bestehende Festnetznummer portieren. Notrufnummern und auch 0900-Nummern sind erreichbar. Auch hier können analoge Faxgeräte weiterhin verwendet werden. Die Vielfalt der Angebote zeigt: Komplettangebote werden bei den Providern immer beliebter. Um es dem Kunden so einfach wie möglich zu machen, soll alles Benötigte im Paket an den Surfer gebracht werden. Bei Vertragslaufzeiten von mindestens einem Jahr ist es jedoch angebracht, die Angebote anhand der eigenen Nutzungsgewohnheiten genau zu prüfen. Dabei gilt vor allem zu klären, wie viele Telefonleitungen und Rufnummern benötigt werden. Auch bei den Minutenpreisen und Taktungen gibt es entscheidende Unterschiede.
Angebote im Überblick
Wer seinen bisherigen Festnetzanschluss komplett ersetzen will und nicht immer ein Handy griffbereit hat, sollte auf die Erreichbarkeit der Notrufnummern bestehen. Nutzer, die viele Faxe empfangen oder versenden, könnten mit Fax über VoIP Schwierigkeiten bekommen, da die Fax-Übertragung für das klassische Telefonnetz optimiert ist. Ist der Telefonanschluss bisher nur ein notwendiges, aber kaum genutztes Übel gewesen, lohnt sich eine Telefonie-Flatrate kaum. Um Ihnen die Entscheidung einfacher zu machen, haben wir die wichtigsten Kriterien der Angebote in einer Übersicht zusammengefasst:

(Aleksandra Leon)

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