US-Präsident vs. Online-Händler

Trump nimmt Amazon ins Visier

US-Präsident Donald Trump hat Amazon per Twitter scharf kritisiert. Der Online-Händler verdränge Tausende Einzelhändler. Hintergrund der Attacke dürfte aber vor allem eine persönliche Fehde mit Amazon-Chef Bezos sein, der privat Eigentümer der Zeitung "Washington Post" ist.

Amazon-Chef Jeff BezosAmazon-Chef Bezos gilt nicht als Freund von US-Präsident Donald Trump.© Amazon.com, Inc.

Washington - US-Präsident Donald Trump hat in einem für US-Republikaner ungewöhnlichen Schritt zu einem öffentlichen Rundumschlag gegen den Handelsriesen Amazon ausgeholt. "Sie zahlen wenig oder gar keine Steuern an Bundesstaaten und Kommunen und sie benutzen unser Postsystem als ihren Botenjungen", schrieb Trump am Donnerstag auf Twitter.

Amazons Aktienkurs bricht ein

Die republikanische Partei, für die Trump ins Weiße Haus eingezogen ist, steht normalerweise für einen wirtschaftsfreundlichen Kurs mit möglichst geringer Steuerlast für Unternehmen. Allein die Gerüchte über ein mögliches Vorgehen Trumps gegen Amazon hatten den Börsenwert des Online-Händlers am Vortag zeitweise um 53 Milliarden Dollar einbrechen lassen. Nach einer kurzen Erholung gingen die Amazon-Papiere am Donnerstag erneut auf Talfahrt.

Allerdings hatten die Aktien anderer Tech-Unternehmen zur Wochenmitte ebenfalls einen schweren Stand. Auch Facebook hatte nach dem Bekanntwerden des Skandals um Cambridge Analytica erheblich Federn lassen müssen.

Trump: Persönliche Fehde mit Amazon-Chef Jeff Bezos

Amazons Praktiken ließen den Vereinigten Staaten enorme wirtschaftliche Schäden entstehen, schrieb der Präsident. Viele Tausend Einzelhändler würden aus dem Geschäft gedrängt. US-Medien werteten die Breitseite gegen Amazon auch als Teil einer persönlichen Fehde Trumps mit Konzernchef Jeff Bezos. Dieser ist auch Inhaber der Trump-kritischen Zeitung "Washington Post".

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, hatte am Vortag erklärt, die Trump-Regierung erwäge hinsichtlich Amazon keinen politischen Kurswechsel. Allerdings strebe der Präsident an, gleiche Bedingungen für alle Wettbewerber zu schaffen.

"Washington Post" ist Trump ein Dorn im Auge

Trump hatte Amazon bereits im Wahlkampf wiederholt kritisiert und mit einer "Internetsteuer" gedroht. Die "Washington Post" sei lediglich ein Vehikel, mit deren Verlusten Bezos die Gewinne von Amazon klein halte, um Steuern zu sparen, hatte Trump im Dezember 2015 erklärt. Somit fungiere die Zeitung als "Steuerschlupfloch". Im vergangenen Jahr stellte Trump die Frage: "Wird die Fake-News 'Washington Post' als Lobbyismus-Waffe gegen den Kongress benutzt, um die Politiker davon abzuhalten, sich das Steuer-Monopol von Amazon anzusehen?"

Nach Expertenansicht haben Amazon und andere Online-Händler einen riesigen Einfluss auf den Einzelhandel in den USA. Studien gehen davon aus, dass in diesem Jahr 8.000 Läden schließen müssen. Zuletzt hatte der Spielzeug- und Kinderausstattungs-Händler Toys R Us Insolvenz anmelden müssen und 800 Filialen geschlossen - Amazon ist ein direkter Wettbewerber.

Jörg Schamberg / Quelle: DPA

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