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Triple Play sorgt für Verwirrung

Die Branche der Kabelnetzbetreiber hat sich zu einer Jahrestagung in Frankfurt getroffen und über die Zukunft der Kabel-TV-Netze gesprochen. onlinekosten.de war mit vor Ort und fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

23.02.2007, 15:01 Uhr
DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Eine Umfrage mit 1.000 Internet-Nutzern brachte Ungewöhnliches an den Tag: Trotz Affinität zu dem World Wide Web kennen die meisten weder TV, Telefon und Internet aus einer Hand noch das Internet-Fernsehen. Knapp 70 Prozent der Teilnehmer können mit IPTV überhaupt nichts anfangen, sogar gut 78 Prozent kennen Triple-Play nicht. Das Konsumentenwissen in Deutschland muss offensichtlich erst noch durch Anbietermaßnahmen entwickelt werden - möglicherweise über Jahre hinweg. Das sagte Torsten Gerpott von der Universität Duisburg Essen auf der Euroforum Jahrestagung "Die Zukunft der Kabel-TV-Netze" in Frankfurt/Main.
Für viele Kunden, die mit Triple-Play etwas verbinden können, sind diese Angebote Alternativen zu Einzelpaketen verschiedener Provider. Immerhin 48 Prozent zeigten Interesse an gebündelten Angeboten, die aus einer Hand geliefert werden. Der ausschlaggebende Faktor für den Kauf von Triple-Play-Paketen ist der Preisvorteil. 62 Prozent der Befragten gaben an, gegenüber dem Paket-Einzelkauf einen günstigeren Preis zu erwarten.
Kabelanschlüsse rückläufig
Ebenfalls interessant ist ein Blick auf den deutschen Kabel-TV-Markt. "Marktforscher prognostizieren, dass die Zahl der Kabelhaushalte in Deutschland in den kommenden vier Jahren um mehr als eine Million sinken wird", sagt Gerpott. Im Gegenzug steige der TV-Konsum über Satellitenangebote und die terrestrische Verbreitung von TV-Signalen (DVB-T) an. Dennoch sei bei den Kabelnetzbetreibern nicht mit einem Rückgang des Umsatzes zu rechnen. Im Gegenteil: Der Umsatz soll dieses Jahr sogar leicht zulegen. Deutlichen Nachholbedarf hat Deutschland bei der Einführung der digitalen TV-Haushalte. Anders ausgedrückt: Der Großteil der Fernsehzuschauer setzt auf analoge Angebote. Von 33 Millionen TV-Haushalten in Deutschland nutzten Ende 2006 nur 8,5 Millionen den digitalen TV-Empfang. Prozentual aufgeteilt, setzten davon 51 Prozent auf ein digitales Satellitensignal und 25 Prozent auf ein digitales Kabelangebot.
DVB-T legt deutlich zu
Gestiegen ist die Verbreitung vom digitalen Antennenfernsehen DVB-T. Setzen Anfang 2006 nur 14 Prozent der Digital-Kunden auf DVB-T, waren es Ende 2006 schon 24 Prozent. Der Erfolg von DVB-T ist dabei leicht zu erklären: Waren auf dem bisherigen analogen Verbreitungsweg nur wenige Programme über eine Zimmerantenne zu empfangen, sind es über DVB-T deutlich mehr. Bild- und Tonqualität sind darüber hinaus wesentlich besser.
Pay-TV: Erfolg oder Misserfolg?
Ein Kernthema auf dem Euroforum-Kongress war auch die Frage, welchen Erfolg Pay-TV zukünftig haben wird. Durch die Problematik, dass neben GEZ- und möglicherweise anfallender Kabel-Grundgebühr bereits viel Geld für den TV-Empfang bezahlt werden muss, haben es Pay-TV-Sender in Deutschland schwer. Trotzdem gehen Marktforscher davon aus, dass der Umsatz der Pay-TV-Sender bis 2010 beziehungsweise 2012 insgesamt deutlich steigen wird. Gerpott glaubt, dass darin auch Chancen für Kabel-Netzbetreiber liegen, die schon heute Programmpakete aus verschiedenen Pay-TV-Programmen bündeln. Angesichts der Tatsache, dass immer mehr DSL-Provider auf dem Markt mit IPTV-Produkten locken, wurde auf der Euroforum Jahrestagung darüber hinaus die Frage diskutiert, in wie weit DSL das Geschäft der Kabelnetzbetreiber gefährden kann.
Keine Angst vor DSL-Anbietern
Für Peter Charissé, Geschäftsführer des Verbandes Privater Kabelnetzbetreiber, sind die Kabelnetzbetreiber die Angreifer am Markt. "Die Anbieter haben nichts zu verlieren", lautet seine Einschätzung. Sowohl der günstige Preis, als auch das einfache Handling würden für das Kabel und gegen IPTV-Angebote sprechen. "Wir müssen uns nicht verstecken. Allerdings glaube ich nicht, dass die Aktivitäten der DSL-Anbieter darauf hinauslaufen uns aus unserem Kerngeschäft zu verdrängen", sagt er. Letztlich sei IPTV keine Gefährdung für das Kabel TV. Das Basis-TV-Geschäft sei aufgrund der niedrigen Preise eine Welt für sich.
In ein ähnliches Horn bläst auch Ralf Heublein, der Geschäftsführer des Deutschen Kabelverbandes. Kabelnetze seien gemessen an den Preisen sehr wettbewerbsfähig. Zudem habe es bisher keine Frage auf die Antwort gegeben, was IPTV könne, was Kabelnetze nicht können. Außerdem zeigte er sich kämpferisch: Es müsse auch die Frage gestellt werden, wie die DSL-Anbieter mit Kabel-Breitband-Angeboten unter Druck gesetzt werden könnten. Kabel-Kunden müsse klar gemacht werden, was das TV-Kabel inzwischen alles könne. Der Gedanke, im Kabel-Fernsehen gibt es nur TV-Programme, ist in der Tat Schnee von gestern.

(Hayo Lücke)

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