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Trendwende: YouTube bald im Plus?

Möglicherweise ist YouTube auf dem Weg in die Gewinnzone, so Google-Chef Eric Schmidt. Neue Zahlen geben Anlass zu Hoffnung — ausgerechnet dank des "Schmuddelkindes" Internet-Werbung. Und Hoffnung hat Google auch nötig.

20.07.2009, 19:01 Uhr
Video© Thomas Pajot / Fotolia.com

Erst wurden sie verteufelt, jetzt fahren sie die Brötchen ein: Die einstigen Stiefkinder Bannerwerbung und Vorschalt-Anzeigen sorgen für entspannte Gesichter in der Google-Vorstandsetage. Denn sie sorgen laut "Financial Times Deutschland" (FTD) dafür, dass das Videoportal Youtube auf bestem Wege in die schwarzen Zahlen ist.
"Grundlegende Änderung"?
Google-Chef Eric Schmidt will in den letzten drei Monaten eine Trendwende in der finanziellen Entwicklung des Videoportals ausgemacht haben: Der Boss des YouTube-Mutterkonzerns spricht von einer "grundlegenden Änderung". Und die kann Google brauchen, denn selbst der Internet-Gigant bekommt die Flaute auf dem Werbemarkt empfindlich zu spüren. Als Zugpferd entwickelt sich offenbar gerade das ungeliebte Schmuddelkind Internetwerbung. Die frühere YouTube-Führung lehnte Maßnahmen wie Bannerwerbung und die den Videofilmen vorgeschalteten Pre-Roll Anzeigen ab. Begründung: Die Nutzer würden solche Maßnahmen nicht tolerieren.
Ergebnis: YouTube entwickelte sich zum wohl bekanntesten Videoportal, aber finanziell herrschte Katerstimmung. Die millionenfachen Abrufe verursachen ebenso Kosten wie die Copyright-Klagen wie die in Milliardenhöhe von Viacom. Werbekunden lassen sich auf Dauer nicht durch stürzende Bräute vor Kirchenaltären und Karaoke-singenden Jugendlichen begeistern. Sie erwarten eine konkrete Zielgruppe für ihre Werbeausgaben. Diese lässt sich durch professionellere Filme eher erreichen. Grund genug für die neuen YouTube-Eigner, sich nach den ersten flauen Werbezahlen verstärkt diesem Bereich zuzuwenden und parallel dazu auch massivere Werbeformen zuzulassen.
Als Google vor zwei Jahren YouTube für 1,65 Milliarden Dollar übernahm, galt dies als riskantes Geschäft. Dennoch hat der Suchmaschinenriese den Glauben an seinen neuen Goldesel offenbar nie ernsthaft in Frage gestellt. Auch heute ist sich Google-Finanzchef Patrick Pichette sicher, "in nicht allzu ferner Zukunft" werde YouTube Gewinn machen, sagte er gegenüber FTD.
Google-Umsatz stagniert
Intern mag dies jedoch anders gewesen sein. Denn auch im Kerngeschäft, der Suchwortvermarktung sind die Goldgräberzeiten vorbei. Der Umsatz von Google stagnierte im zweiten Quartal im Vergleich zu den ersten drei Monaten dieses Jahres. Erst kürzlich war YouTube für dieses Jahr ein Verlust von rund 470 Millionen US-Dollar vorhergesagt worden. Sollte das Portal also tatsächlich auf dem Weg in die Gewinnzone sein, wäre dies ein Hoffnungsstreifen an einem Werbe-Horizont, der sich selbst für einen Internet-Tanker wie Google verdunkelt hat.

(Dorothee Monreal)

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