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Thüringen: Kaum Wahlkampf mit Twitter und Co.

Am 30. August wählt Thüringen einen neuen Landtag. Bis dahin ist Wahlkampf - allerdings meist ohne den Einsatz neuer Kommunikationsformen wie Twitter und Co.

30.03.2009, 16:47 Uhr (Quelle: DPA)
Internet© arquiplay77 / Fotolia.com

Vor dem anstehenden Wahlmarathon stürzen sich die Thüringer Parteien ins Internet. Vor allem junge Wählerschichten sollen im Netz angesprochen werden. Allerdings bereitet es den Wahlkämpfern deutliche Schwierigkeiten, das Angebot an technischen Innovationen effektiv für sich zu nutzen.
Klare Botschaft notwendig
"Für den Internet-Wahlkampf ist eine klare Botschaft nötig", sagt der Politologe Markus Lang. Der Jenaer Wissenschaftler hat den US-Wahlkampf analysiert und beobachtet die Strategien der deutschen Parteien im Internet. "Gerade junge Leute suchen über das Internet Wege, sich unkompliziert zu engagieren, ohne einer Partei beitreten zu müssen." Vor allem die bürgerlichen Parteien haben dabei das Problem, dass ihre Spitzenleute nicht so recht zum neuen Medium passen. "Im Internet kann ich meine Positionen nicht mit Schlips und im Anzug vertreten, das wirkt zu steif", so Lang. Zudem werden die Möglichkeiten des Internets von einigen Parteien unterschätzt und zu wenig genutzt. "Die CDU bietet auf ihrer Homepage eher Informationen als Teilhabe, während SPD und Grüne im Netz stärker auf die Einmischung ihrer Wähler setzen", erklärt der Forscher von der Friedrich-Schiller-Universität.
Parteien im (Wahl-)Kampf mit dem Internet
Dialog und Partizipation heißen die Zauberwörter, mit denen die Thüringer Grünen in den Internet-Wahlkampf ziehen. Sie profitieren von ihren überwiegend jungen, internet-erfahrenen Parteimitgliedern und Wählern. Die Wahlkampfseite ist multimedial und mit Plattformen wie StudiVZ und Facebook vernetzt. Insgesamt zielen die Grünen mit ihrer Kampagne auf Erstwähler. Der Online-Auftritt der Thüringer SPD lebt vor allem von ihrem Vorsitzenden Matschie, der den amerikanischen Wahlkampf verfolgt und auch darüber gebloggt hat. Matschie "twittert" auch mit seinen Anhängern - damit sie stets wissen, was er tut und was er denkt.
Bei der Linken ist der Internetauftritt auch vom Spitzenkandidaten Bodo Ramelow geprägt. Die Partei sieht darin allerdings kaum mehr als eine Spielerei. "Größere Wirkung als der Internet-Wahlkampf erzielt der Stand in der Fußgängerzone", ist Landesgeschäftsführerin Kathrin Christ überzeugt. Die CDU wiegelt ebenfalls ab. "Eine Hysterie im Internet wie um Barack Obama wird in Thüringen nicht ausbrechen", sagt Landesgeschäftsführer Andreas Minschke. Bisher bietet die CDU-Homepage an Multimedia-Elementen mäßig unterhaltsame Videos von Reden und CDU-Veranstaltungen. In den kommenden Wochen soll sie allerdings runderneuert werden. Auch bei der FDP ist eine gewisse Distanz zu Internet und Twitter zu spüren. "Zu unserem Spitzenkandidaten Uwe Barth passt die Duz-Ebene des Internets nicht so wie zu jüngeren Politikern", so Generalsekretär Patrick Kurth.
Das ist dem Angebot auch noch deutlich anzumerken - und nicht nur seinem. Bis zu einem professionellen virtuellen Wahlkampf ist es noch ein langer Weg, denn der ungezwungene Zugang zu Twitter, Weblogs und Videoclips fehlt in Thüringen weitgehend.

(Christian Wolf)

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