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Teuflisches Smartphone - ZDF-Thriller "App" mit zweitem Bildschirm

Die ARD hatte beim "Quizduell" etwas Pech mit der App zur Sendung. Jetzt versucht das ZDF Smartphone, Tablet und Fernsehen zu verbinden. Technisch sollte da wohl nichts schiefgehen.

26.05.2014, 08:01 Uhr (Quelle: DPA)
SMS schreiben© Andres Rodriguez / Fotolia.com

Das Angebot ist verführerisch: "Iris" stellt sich vor und bietet Hilfe an und Antworten auf alle Fragen. Doch nachdem Anna (Hannah Hoekstra) die App auf das Smartphone geladen hat, beginnt der Alptraum. Immer stärker wird "Iris" Teil von Annas Leben, ahnt die Wünsche der Studentin, sagt Entscheidungen voraus. "Iris", eine Applikation für alle Fälle: Die Realität lässt grüßen. Mit dem niederländischen Thriller "App" (Regie: Bobby Boermans) spürt das ZDF an diesem Montag (26. Mai, 22.15 Uhr) den Möglichkeiten der neuen Online-Welt nach. Die Zuschauer können am virtuellen Grusel aktiv teilnehmen.

Film per Smartphone aus weiterer Perspektive

Dass etwas nicht stimmt, dämmert Anna, als auf ihrem Handy ein Revolver aufblitzt. Bald wird sie die Waffe real erleben. Dann tauchen auf dem Display intime Videoclips ihrer Freundin Sophie (Isis Cabolet) auf, ein Professor wird geoutet, ein Mord vorausgesagt. Soll Anna den Warnungen von "Iris" folgen oder ihr Handy wegwerfen, um nicht weiter in den Strudel der Internet-Verschwörung zu geraten?

Während sich auf dem Bildschirm der Plot um "Iris" und ihre Hintermänner nach den Regeln des Fernsehens entwickelt, kann der Zuschauer über sein Smartphone oder Tablet die Geschichte hinter der Geschichte mitverfolgen. Zeitungsartikel, SMS-Dialoge, Filmsequenzen und alternative Kameraeinstellungen tauchen immer wieder auf und beleuchten das Geschehen aus einer weiteren Perspektive.

Eigene App zum Film "App"

Mit dem "zweiten Bildschirm" greift das ZDF eine wachsende Gewohnheit unter Zuschauern auf. Ob bei der Werbung, einer langweiligen Casting-Show oder wenn es sonst öde wird im Fernsehen: Während das Gerät läuft, posten immer mehr Nutzer Kommentare auf Twitter, googeln nach Zusatzinformationen zu einer Sendung, schreiben Mails oder spielen sonst mit ihren Smartphones. In diesem Fall ist die Anwendung Teil des dramaturgischen Konzepts.

Wer die App zu "App" nutzen will, muss sich die Anwendung vorher auf Apples "App Store" oder Googles "Play Store" herunterladen. Mit dem Beginn des Films muss die Anwendung gestartet werden. Über das Smartphone-Mikrofon entschlüsselt die Applikation dann den Filmton und synchronisiert sich dabei mit dem TV-Geschehen.

Damit auch alles reibungslos läuft, befinden sich alle Daten lokal auf dem Endgerät. Somit ist die Applikation unabhängig etwa vor einer langsamen Internetverbindung oder einem überlasteten Server - Pannen wie beim "Quizduell" sind damit wohl ausgeschlossen. Die App kann man auch im Flugzeugmodus nutzen, dann kann auch kein Fremder das Geschehen im Wohnzimmer mithören.

Abgleich von Film und App ist arbeitsintensiv

Mit dem Verfahren betritt das ZDF Neuland. Die von einer niederländischen Firma entwickelte App ist für den Zuschauer eine elegante Lösung, TV-Bilder und Smartphone zu verbinden, sagt Frank Baloch, der verantwortliche ZDF-Redakteur. Doch App und Film abzugleichen, sei heute noch zu arbeitsintensiv, um dauerhaft TV-Sendungen damit zu begleiten. Für eine "smarte Koppelung" werde es noch eine ganze Zeit dauern.

"App" ist Teil eines ZDF-Programmschwerpunkts, nach dem Thriller folgt um 23.45 Uhr der US-Spielfilm "Blindes Vertrauen" mit Clive Owen und Catherine Keener. Am Dienstag (20.15 Uhr) und Mittwoch (22.15 Uhr) vertieft das ZDF das Thema Überwachung mit der zweiteiligen Dokumentation "Verschwörung gegen die Freiheit" über die NSA-Aktivitäten, IT-Sicherheit und Spähprogramme.

(Jörg Schamberg)

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