News

Test: GMX, Web.de und Co auf dem Prüfstand

Elf kostenlose und sieben kostenpflichtige E-Mail-Anbieter wurden von den Warentest-Experten getestet. Keiner der 18 Anbieter erhielt die Note "gut", Testsieger wurde Google Mail.

25.06.2009, 16:01 Uhr
Internet© Anterovium / Fotolia.com

Die E-Mail dominiert weiter die Online-Kommunikation. Laut einer Studie des Branchenverbandes BITKOM versenden 85 Prozent der Internet-Nutzer ab 14 Jahren elektronische Nachrichten. Im Internet haben sich etliche kostenlose und kostenpflichtige Messaging-Dienste etabliert. Die Stiftung Warentest nahm 18 Mail-Services genauer unter die Lupe und testete sie für die Juli-Ausgabe der Zeitschrift "test". Das Ergebnis ist für die meisten Anbieter der elektronischen Post nicht sonderlich schmeichelhaft. Wie der Test zeigte, haben Gratis-Dienste durchaus ihre Vorteile.
Kein Dienst mit "gut" bewertet
Stiftung Warentest richtete jeweils drei Testpostfächer ein, der Testzeitraum erstreckte sich von Februar bis Mai diesen Jahres. Bewertet wurden die Handhabung, der Schutz der Daten sowie die Transparenz des Dienstes auch in den Verträgen und allgemeinen Geschäftsbedingungen.
Getestet wurden elf kostenlose E-Mail-Dienste:

  • Google Mail
  • Arcor Pia basic
  • freenet Mail Basic
  • GMX FreeMail
  • Yahoo! Mail
  • directBox free
  • T-Online eMail Basic
  • Web.De FreeMail
  • AOL eMail
  • Windows Live Hotmail
  • 1email.eu Standard.
Außerdem prüfte Stiftung Warentest sieben kostenpflichtige Angebote, für die im Monat Gebühren zwischen 1,25 und fünf Euro berechnet werden:
  • GMX TopMail
  • Arcor Pia plus
  • freenet Mail Power
  • Yahoo! Mail Plus
  • directBox pro
  • Web.de Club
  • 1email.eu Profi.
1email.eu ist klares Schlusslicht im Test
Mit keinem der Anbieter waren die Tester auf ganzer Breite zufrieden. Keiner der Dienste wurde daher mit der Note gut bewertet. Vier kostenlose und fünf kostenpflichtige Mail-Services erhielten die Note befriedigend. Sechs der kostenlosen Varianten bekamen das Qualitätsurteil ausreichend, der Bezahldienst Web.de Club wurde ebenfalls nur als ausreichend angesehen. Hier wurde etwa der Virenschutz und die Transparenz der Verträge bemängelt. Stiftung Warentest vergab an die Gratis- sowie die Premiumvariante des Anbieters 1email.eu sogar jeweils ein mangelhaft. Bei dem Bezahlangebot für 3,99 Euro monatlich verlangte dieser Mailprovider etwa einen ganzen Jahresbeitrag per Vorkasse, der Support war über eine Web.de-Mailadresse erreichbar.
Zum Testsieger kürten die Warentest-Experten Google Mail mit einer Note von 2,7 (befriedigend). Auf den Plätzen zwei und drei folgten die ebenfalls kostenlosen Angebote von Arcor Pia basic mit 3,0 und freenet Mail Basic mit einer Bewertung von 3,1.
Google Mail wird Testsieger
Der Vorteil des Mail-Dienstes aus dem Hause des Suchmaschinenkonzerns Google: Mit 7,3 Gigabyte wird sehr viel Speicherplatz geboten und die Größe von Anhängen kann bis zu 20 Megabyte (MB) betragen. Nicht alle Dienste kommen mit solch großen, angehängten Dateien zurecht. Insbesondere bei AOL email und Windows Live Hotmail verlief die Datenübertragung in solchen Fällen nur sehr schleppend. Bei einigen Anbietern wie directBox, Web.de FreeMail und 1email.eu sind standardmäßig nur Anhänge von zwei bis vier MB möglich. Als bester kostenpflichtiger E-Mail Dienst ging GMX TopMail mit einer Note von 2,8 aus dem Test hervor. Insbesondere die Handhabung beim Einrichten und Abmelden sowie beim Versenden und Empfangen von Mails konnte hier überzeugen.
Werbemails überfluten die Postfächer bei den meisten Anbietern
Fast keiner der Maildienste schützt vor nervigem Spam. Die Anzahl der Werbemails war laut Stiftung Warentest je nach Anbieter jedoch unterschiedlich. Mussten die Tester bei GMX FreeMail und Web.de mit einer Flut von unerwünschten E-Mails kämpfen, fanden sich bei Yahoo Mail Plus während des Testraums keinerlei Werbemails. Auch der Maildienst von Arcor, Pia basic, ließ nur wenig Werbung in das Postfach hinein.
Nicht verschwiegen werden dürfe nach Angaben der Tester, dass der Testsieger Google Mail die elektronischen Nachrichten auf werberelevante Keywords scannt und dann entsprechende Werbung anzeigt. Stiftung Warentest rät Google Mail über ein separates Mailprogramm wie Mozilla Thunderbird oder Microsoft Outlook zu nutzen, so wird die Werbung nicht angezeigt. Beim Eintreffen von E-Mails in den Posteingang überprüfen die Dienste die elektronische Post zunächst auf mögliche Infizierungen mit Viren. Probleme mit dem Virenschutz gab es hier nur bei zwei der getesteten Anbieter. Bei T-Online eMail Basic bleiben zwei Virenmails über Wochen unerkannt, auch 1email.eu hatte Schwierigkeiten mit der Virenerkennung.
Kritik an AGB
Allzu locker nahmen es etliche der Mail-Provider mit den allgemeinen Geschäftsbedingungen. Mängel wie eine Vielzahl unzulässiger Klauseln brachte einigen Anbietern sogar eine Abwertung des Ergebnisses. Betroffen waren etwa Windows Live Hotmail, Web.de Club und Yahoo! Mail.
Fazit: Kostenlose Anbieter nutzen
Stiftung Warentest empfiehlt aufrund der Testergebnisse Google Mail und Arcor Pia Basic als "funktional und sicher". Sie seien eine bessere Wahl als kostenpflichtige Produkte wie etwa GMX TopMail für 4,99 Euro im Monat. Nur wer unbedingt auf Zusatzfeatures wie Frei-SMS oder das Senden und Empfangen großer Dateianhänge angewiesen ist, sollte einen gebührenpflichtigen Mail-Dienst in Anspruch nehmen.

(Jörg Schamberg)

Kommentieren Forum
Zum Seitenanfang