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Tempo-Drosselung: Künftiger Telekom-Chef wirft Politik Populismus vor

Der designierte Telekom-Chef Timotheus Höttges hat der Politik im Streit um die Tempo-Drosselung Populismus vorgeworfen. Diese Reaktion habe man so nicht erwartet, sagte Höttges im Interview mit der "Rheinischen Post". Beim Thema Inklusivvolumen sicherte Höttges erneut zu, die Datenpakete ab 2016 den aktuellen Anforderungen anzupassen.

19.06.2013, 10:06 Uhr (Quelle: DPA)
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Im Streit um die Tempo-Drosselung beim Festnetz-Internet rudert die Telekom immer weiter zurück. "Wenn die neuen Regeln ab 2016 in Kraft treten, schauen wir uns genau an, welche Kunden was wollen und nutzen", erklärte der designierte Vorstandschef des Unternehmens, Timotheus Höttges, am Mittwoch in einem Interview mit der "Rheinischen Post".

Flexible Lösungen zugesichert

Mit Blick auf die geplante Volumenbegrenzung beim Datenverkehr sicherte Höttges flexible Lösungen zu. Für Wenignutzer werde es etwa "günstigere Tarife mit immer noch großzügigen Datenpaketen" geben. Ansonsten entscheide das aktuelle Marktumfeld: "Wenn der Durchschnittsnutzer dann wegen des Videobooms viel mehr Datenvolumen benötigt als aktuell, wird das Inklusiv-Volumen eben erhöht." Ohnehin würden künftig deutlich mehr Kunden schnellere Anschlüsse mit 50 oder 100 Megabit pro Sekunde buchen - "und die erhalten ja dann sowieso höhere Datenvolumen inklusive", so Höttges.

Anfang Mai hatte Telekom-CEO René Obermann in diesem Zusammenhang bereits angekündigt, dass es für Intensivnutzer weiterhin "echte" Flatrates ohne Begrenzung geben werde - gegen einen Aufpreis von bis zu 20 Euro monatlich.

"Kundenprotest war zu erwarten"

Den Protest von Netzgemeinde und Kunden nannte Höttges erwartbar. Nicht erwartet habe man allerdings "die widersprüchlich populistische Reaktion mancher Politiker." Diese forderten zwar, dass viele Milliarden in den Netzausbau investiert würden, ignorierten gleichzeitig aber, dass dafür auch eine entsprechende Refinanzierung notwendig sei. "Kein Unternehmen investiert mehr in Deutschland als wir mit jährlich 3,4 Milliarden Euro. Wir nehmen allein 6 Milliarden Euro in die Hand, um 24 Millionen Haushalten ein Übertragungstempo von bis zu 100 Megabit anzubieten", bekräftigte der künftige Telekom-Chef. "Wir sind der einzige Festnetzbetreiber, der bundesweit auch im ländlichen Raum seine Netze ausbaut."

Zur künftigen Zusammenarbeit mit Anbietern von Internet-Inhalten sagten Höttges und Obermann, dass die Telekom vor allem "Kooperationen gerade mit kleinen und innovativen Unternehmen" anstrebe: "Startups und ihre Ideen machen unser Angebot attraktiv", so Obermann. Großkundenrabatte für Internetgiganten wie Google oder YouTube werde es hingegen "ganz sicher nicht" geben.

(Christian Wolf)

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