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Telekom will Umstieg auf VoIP erzwingen: Droht tausenden Kunden die Kündigung?

Laut diversen Medienberichten droht die Deutsche Telekom angeblich erneut tausenden Kunden mit einer Kündigung ihres Anschlusses, wenn keine Umstellung auf IP-Technik erfolgt.

13.01.2015, 14:31 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Aufregung bei etlichen Kunden der Deutschen Telekom: Laut diversen Medienberichten will der Bonner Konzern derzeit angeblich mehreren tausend Kunden ihren Telefonanschluss kündigen, falls sie nicht einem neuen Vertrag zur Umstellung ihres Anschlusses auf IP-Technologie zustimmen. Bereits im vergangenen September hatten wir über die von der Telekom forcierte Umstellung auf IP-Anschlüsse und drohende Kündigungen berichtet. Aufgrund des Protests zahlreicher Kunden und des breiten Medienechos lenkte der Telekommunikationsanbieter zunächst ein. Bis auf wenige Ausnahmen sollten vor 2017 keine Kündigungen bei ADSL-Anschlüssen mehr ausgesprochen werden. Andere Anschlüsse wie VDSL oder ISDN werden dagegen aktuell aber offenbar weiter umgestellt. Sowohl in Berlin (Bericht des Berliner "Tagesspiegel") als auch in München (Münchener "Merkur" und "Münchener Abendzeitung") soll es zahlreiche Fälle geben, in denen Kunden angeblich eine Kündigung ihres Telefonanschlusses innerhalb von vier Wochen angekündigt werde.

Anschluss-Modernisierung oder Kündigung

Das Ziel der Telekom: Bis 2018 soll das gesamte Festnetz des Unternehmens inklusive aller Telefonanschlüsse auf VoIP umgestellt sein. Für die Kunden soll dies vor allem Vorteile bringen, allerdings haben sie keine große Wahl.

Der "Tagesspiegel" berichtet über den Fall eines Berliner Telekom-Kunden, dessen Anschluss noch im Januar umgestellt werden soll. Er habe einen Besuch eines Telekom-Mitarbeiters erhalten, der ihn auf die dringend erforderliche Modernisierung des Anschlusses hinwies. Bereits vor dem Besuch sei der Kunde schriftlich zum Abschluss eines neuen Vertrags aufgefordert worden. Bei einer Weigerung würde sein Telefonanschluss stillgelegt und der bestehende Vertrag gekündigt.

Telekom verweist auf mehrstufigen, mehrmonatigen Prozess vor einer Kündigung

In München wurde laut Münchener "Merkur" einem Kunden der Telekom-Anschluss gekündigt, weil er nicht von ISDN auf VoIP umsteigen wollte. Doch die Telekom verteidigt sich und verweist auf üblicherweise vier Kontaktversuche innerhalb von vier Monaten vor einer Anschlusskündigung. "Wir haben einen mehrstufigen Prozess aufgesetzt, in dem wir die Kunden auf die Umstellung hinweisen und erst im letzten Schritt erfolgt eine Kündigung", so ein Telekom-Sprecher gegenüber der Zeitung.

Das IT-Portal golem.de zitiert eine Telekom-Sprecherin: "Es gibt keinen Zwang zum Umstieg, wir machen unseren Kunden ein gutes Angebot". Ein neuer Vertrag sei bei der technischen Umstellung aus rechtlichen Gründen erforderlich. Die Umstellung auf IP erfolge schrittweise.

Bereits fünf Millionen IP-Anschlüsse

Inzwischen nutzen laut Telekom bereits rund fünf Millionen Menschen Anschlüsse auf IP-Basis. Mehrere Ausfälle der IP-Telefonie im vergangenen Herbst dürften bei den Kunden allerdings nicht für mehr Zutrauen in die neue Technik gesorgt haben. Die Ursachen für die Ausfälle seien aber behoben worden. Erste Politiker sind inzwischen alarmiert. Der selbst von der Kündigungsaktion betroffene bayerische Landtagsabgeordnete Florian von Brunn (SPD) kritisiert laut "Münchener Abendblatt": "Die Hauruck-Aktion überfordert viele Kunden, zum Beispiel ältere Menschen, komplett." Er fordert daher: "Die Telekom muss massenhafte Kündigungen von Telefon- und Internetanschlüssen stoppen!". Zudem sieht der Politiker auch Sicherheitsbedenken, wenn beispielsweise Hausnotrufe bei einem Stromausfall nicht über IP-Anschlüsse nutzbar sind. Hierfür gebe es aber laut Telekom Lösungen: Notrufgeräte seien beispielsweise mit einem GSM-Modul erweiterbar, so dass ein Alarm im Notfall auch per Mobilfunk gesendet werden kann.

Update vom 14. Januar, 13:20 Uhr: Ausführliche Stellungnahme der Telekom

Eine Telekom-Sprecherin nahm auf Anfrage unserer Redaktion ausführlich Stellung zum Thema 'Umstellung auf IP-Technik', die wir in einem weiteren Artikel veröffentlicht haben: "Umstellung auf IP: Telekom schreibt 300.000 Kunden bis Ende 2016 an".

(Jörg Schamberg)

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