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Telekom will T-Mobile US nicht unter Wert verscherbeln

Es sollte ein Tag guter Geschäftszahlen werden für die Deutsche Telekom. Doch dann steht erneut die US-Tochter T-Mobile im Fokus. Wie geht es weiter? Gibt es Kaufangebote? Wie sind die Perspektiven?

07.08.2014, 18:01 Uhr (Quelle: DPA)
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Gebetsmühlenartig beantwortet Tim Höttges immer wieder die eine Frage nach der Zukunft von T-Mobile in den USA: "Aktuell liegt kein Kaufangebot auf dem Tisch, was Wertzuwächse verspricht". Und am Ende rutscht ihm dann doch der Name raus, den er eigentlich nicht erwähnen wollte: "Das Iliad-Angebot hat uns überrascht", sagt der Vorstandschef der Deutschen Telekom. Doch angesichts der Wachstumssprünge, die die einst so ungeliebte Tochter bei Kundenzahl, Umsatz und jetzt auch bei den Ergebnisse hinlegt, bügelt Höttges die Übernahmegelüste des französischen Unternehmens zumindest indirekt ab. Und Finanzvorstand Thomas Dannenfeldt sekundiert: "Wir haben ein exzellent laufendes US-Geschäft".

Wettbewerber Sprint hat sich zurückgezogen

Seit Monaten wird in der Mobilfunkbranche über die Zukunft des viertgrößten Mobilfunkbetreibers in den USA spekuliert. Der Wettbewerber Sprint, den der japanische Kommunikationskonzern Softbank vor einem Jahr mehrheitlich erworben hatte, sollte angeblich bereit gewesen sein, für T-Mobile 32 Milliarden US-Dollar (24 Milliarden Euro) auf den Tisch zu blättern. Zwar hat das Unternehmen seine Avancen nie offiziell bestätigt, doch gestern kam dann wohl das Aus.

Wegen der hohen Hürden, den Milliarden-Deal bei den Wettbewerbshütern durchzubekommen, machte Sprint nach Medieninformationen einen Rückzieher. Vor wenigen Jahren hatten die Aufseher bereits die geplante Übernahme von T-Mobile durch den Branchenriesen AT&T gestoppt, der damals 39 Milliarden US-Dollar geboten hatte. Durch eine Vertragsklausel hatte sich die Telekom das Scheitern der Übernahme von AT&T allerdings mit 3 Milliarden US-Dollar in bar und mit Funkfrequenzen in Milliardenhöhe versüßen lassen.

Kaufofferte für T-Mobile

Vor wenigen Tage hatte das 1999 von Xavier Niel gegründete Telekommunikationsunternehmen Iliad aus Paris überraschend eine Kaufofferte für T-Mobile vorgelegt. Ein Bietergefecht in den USA stehe bevor, titelten schon einige Gazetten. Die Telekom-Tochter bestätigte den Eingang des Angebots, machte aber keine weiteren Angaben dazu. Angeblich sind die Franzosen bereit, für einen Anteil von 56,6 Prozent eine Summe von 15 Milliarden US-Dollar auf den Tisch zu blättern. Darin sieht Höttges, der ausdrücklich noch einmal betonte, für wertschaffende Transaktionen offen zu sein, aber keine Perspektiven.

Ganz im Gegenteil: Kein Mobilfunkunternehmen in den USA legt derzeit ein solches Wachstum hin, wie die Telekom-Tochter. Mehr als 1,5 Millionen Kunden waren es allein im zweiten Quartal, wodurch die gesamte Bestand auf über 50,5 Millionen geschraubt wurde und T-Mobile dem Branchendritten Sprint immer dichter auf die Pelle rückt. T-Mobile und sein Top-Manager John Legere hätten einen hervorragenden Job gemacht, lobt der Telekom-Chef den US-Manager über den grünen Klee. Seit der Fusion mit dem regionalen Anbieter MetroPCS habe sich der Wert des Unternehmens verdoppelt, betont Höttges.

"David gegen Goliath"

Tatsächlich steht die Telekom nicht unter Zeitdruck und von außen will sich der Konzernchef schon gar nicht in die Karten sehen und sein Handeln diktieren lassen. "Es entstehen immer wieder neue Optionen", sagt Höttges, im M&A-Geschäft (Übernahmen und Fusionen) sei nichts vorhersehbar. Doch der Telekom-Chef weiß auch, dass es T-Mobile als kleinster von vier Anbietern auf dem US-Mobilfunkmarkt schwer hat.

So können die Riesen um AT&T und Verizon bei den anstehenden Auktionen um Frequenzen mit ihren Pfunden wuchern. Dabei geht es um den Aufbau von noch schnelleren Netzen, um Breitband und letztlich um Kunden. "Ich bin bekennender Netzinvestor", sagt Höttges über sich. Um Infrastruktur aus einer Kraft aufbauen zu können, müsse es aber Begünstigungen für die kleinen Anbieter geben. "Das ist meine klare Forderung aus dem fairen Wettbewerb eines Davids gegen Goliath".

USA sei ein Traummarkt

Und vielleicht hat Höttges auch noch die Worte des Mannes im Ohr, der den Einstieg ins US-Geschäft im Jahr 2000 zu verantworten hatte und sich dazu unlängst in einem dpa-Interview äußerte - Ron Sommer. Die Kritik, dass er der Telekom damals ein Riesenproblem aufgehalst habe, könne er bis heute nicht verstehen, sagte der Ex-Telekomchef. Die USA seien ein Traummarkt.

(Marcel Petritz)

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