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Telekom will mehr Kohle für letzte Meile

Der rosa Riese will die letzte Meile für 17 Euro vermieten. Die Wettbewerber und Kunden finden die Preisvorstellungen "aberwitzig".

18.02.2005, 16:01 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Am Mittwoch war alles noch so schön. Da jubelte der Chef der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) über den tollen Wettbewerb am Breitbandmarkt, und die T-Com kündigte fallende Preise an.
Ein echter Knaller?
Heute sieht das schon ganz anders aus. Erste Zweifel kommen auf, ob die Preisrevolution der Telefonsparte auch wirklich der große Knaller ist. Und der Breitbandwettbewerb ist den Bonnern wohl auch nicht ganz geheuer. Denn der Ex-Monopolist will es gerade den Mitbewerbern wieder schwerer machen: Die letzte Meile soll nahezu um die Hälfte teurer werden.
Das zumindest hat die Telekom gestern bei der RegTP beantragt. Es geht um die so genannte Teilnehmeranschlussleitung (TAL). Das sind die letzten Meter Kupferdraht, die bis in die Wohnung des Kunden reichen. Bisher vermietet die Telekom diese "letzte Meile" für 11,80 Euro vor allem an die regionale Konkurrenz. Das ist den Bonnern nun zu wenig, in Zukunft sollen es 17,40 Euro sein.
"Jenseits von Gut und Böse"
Erst am Mittwoch hatte RegTP-Chef Kurth gerade das Vorprodukt TAL als den Motor gesunden Wettbewerbs gelobt. Den will die Telekom jetzt wohl abwürgen. Kein Wunder, dass die Konkurrenz alles andere als begeistert ist. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärte der Geschäftsführer des Verbands der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM), Jürgen Grützner, die Vorstellungen der Telekom seien "jenseits von Gut und Böse."
"Das ist mehr, als die Endkunden der Telekom für den kompletten analogen Anschluss bezahlen, und damit eine rein strategische Forderung, um die in Wahrheit dringend notwendigen deutlichen Absenkungen zu verhindern," so Grützner heute. Andere Branchenvertreter sehen das ähnlich. "Der ehemalige Monopolist will den Wettbewerb ausbremsen", sagt der Präsident des Verbandes der City- und Regio-Carrier (BREKO), Peer Knauer. Auch bei der Tropolys Gruppe hält man eine Steigerung der Gebühren für einen Rückschlag. Die Forderung der Telekom sei aberwitzig und gehe an den Realitäten vorbei, so eine Tropolys-Sprecherin.
Die Branche ist sich einig: Für die Entwicklung des flächendeckenden Ausbaus von DSL sei die geforderte Preiserhöhung fatal. Nach seinem Jubel über die Erfolgsgeschichte TAL sieht man Regulierer Kurth in der Pflicht, ein klares Signal für den Wettbewerb zu setzen. Die Forderung: Eine deutliche Absenkung der Gebühren. Neidvoll geht der Blick ins Ausland. In Italien steht die letzte Meile den Wettbewerbern schon für 8,40 Euro offen. Erst, wenn die TAL auch hierzulande für "deutlich unter zehn Euro" zu haben sei, könnten die regionalen Anbieter ihre Netze weiter ausbauen, so Verbandschef Knauer.
Telekom: Es ist so teuer
Die Telekom verweist auf ihre Kosten. Mit der gleichen Forderung wie schon 2001 bzw. 2003 wolle man auch deutlich machen, dass die Kosten für die Bereitstellung der Leitung seit mehreren Jahren stabil bleiben. Als börsennotiertes Unternehmen müsse man anders rechnen als die Regulierungsbehörde derzeit in ihrem Kostenmodell vorsieht. Dass die Leitung für Endkunden effektiv günstiger sei als das Vorprodukt gehe aus der Mischkalkulation der Produkte hervor.
Ein Telekom-Sprecher lenkt den Blick zudem auf die unterschiedlichen Bereitstellungsgebühren in anderen Ländern. So koste in Frankreich die TAL zwar nur 10,50 Euro, dafür seien die Bereitstellungskosten mit "über 70 Euro" deutlich höher als hierzulande (knapp 48 Euro). Man müsse, so der Sprecher, immer das Gesamtpaket betrachten. Dabei vergisst der Telekom-Mann allerdings weitere Posten zum Gesamtpaket zu zählen: Umschaltgebühren werden den Wettbewerbern hierzulande genauso in Rechnung gestellt wie Kündigungsgebühren. Abgesehen davon, dass für den Regulierer bei der Ermittlung der TAL-Gebühr alleine die effektiven Kosten der Leistungserbringung maßgeblich sind.
Effektive Kosten zählen
Auch für DSL-Kunden ist das Thema von Bedeutung. Denn ein teures Vorprodukt TAL hat unmittelbare Auswirkungen auf das Angebot am Markt. Schon jetzt sind die Margen klein genug, und Preiserhöhungen kann sich bei den derzeitigen Marktbedingungen kein Anbieter leisten. Auch der DSL-Ausbau in dünner besiedelten Flächen dürfte zu solchen Konditionen für die meisten Anbieter nicht mehr machbar sein.
Und die RegTP? Die Behörde bestätigte akkurat den Eingang des Vorgangs, kündigte eine Entscheidung innerhalb der Zehnwochenfrist an und sagt ansonsten nichts dazu. Keiner der Beteiligten möchte der Behörde vorgreifen. Im Mai müssen die Preise stehen. Die Entscheidung der Regulierer Ende April darf also mit Spannung erwartet werden. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Telekom hoch pokert, um nachher doch als Verlierer dazustehen.

(Volker Briegleb)

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