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Telekom verliert über 500.000 Festnetzanschlüsse

Im zweiten Quartal musste die Telekom verglichen mit dem Vorjahr einen deutlich niedrigeren Gewinn verzeichnen. Die Zahl der DSL-Neukunden legte hingegen deutlich zu.

09.08.2007, 09:41 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Der Deutschen Telekom hat der scharfe Wettbewerb auf dem deutschen Markt im zweiten Geschäftsquartal dieses Jahres einmal mehr stark zugesetzt. Der Konzern musste im Vergleich zum Vorjahr nicht nur einen deutliches Minus beim Konzerngewinn hinnehmen, sondern auch mehr als eine halbe Million Kunden zu Wettbewerbern ziehen lassen. Eigentlich nur im Auslandsgeschäft und im Vertrieb schneller DSL-Zugänge gibt es Grund zur Freude.
Insgesamt konnte die Deutsche Telekom im zweiten Quartal 15,58 Milliarden Euro umsetzen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal entspricht das einem Plus von 2,9 Prozent. Getrieben war dieser Anstieg durch Umsatzsteigerungen im Ausland, wo die Telekom verglichen mit dem zweiten Quartal 2006 von 6,99 Milliarden Euro auf 7,95 Milliarden Euro zulegen konnte. In Deutschland hingegen fiel der Umsatz im gleichen Zeitraum von 8,14 Milliarden Euro auf 7,62 Milliarden Euro.
Nur Mobilfunk wächst
Während der Umsatz im Mobilfunkgeschäft verglichen mit dem Vorjahr um zehn Prozent anstieg, fiel er im Breitband- und Festnetzgeschäft um 7,4 Prozent. Ein spürbarer Umsatzanstieg im Ausland konnte die Umsatzverluste in Deutschland nicht ausgleichen. Ebenfalls rückläufig entwickelte sich der Umsatz im Geschäftskundenbereich.
Das bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) konnte zwar um 1,8 Prozent auf 4,90 Milliarden Euro erhöht werden, unter dem Strich fiel der Gewinn aber deutlich in den Keller. Machte die Telekom im zweiten Quartal 2006 noch ein Plus von 1,02 Milliarden Euro, waren es ein Jahr später nur noch 608 Millionen – mehr als 40 Prozent weniger.
Für Telekom-Chef René Obermann sind die Zahlen aber kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. "Die wichtigste Botschaft zum ersten Halbjahr lautet: wir liegen im Plan, unsere Finanzziele für 2007 zu erreichen." Ebenfalls wenig Freude dürfte der Telekom ein Blick auf die eigenen Kundenzahlen bereiten. Insbesondere das Festnetzgeschäft ist und bleibt das große Sorgenkind des ehemaligen Monopolisten in Deutschland. Der scharfe Wettbewerb sorgt bei klassischen Schmalbandanschlüssen weiter für herbe Kundenverluste.
Weniger Schmalbandkunden
Insgesamt verlor die Telekom im zweiten Quartal des Jahres 576.000 Schmalbandanschlüsse. Davon entfielen auf das Geschäft in Deutschland allein 516.000, von denen wiederum 117.000 ISDN-Anschlüsse waren. Dass viele der verlorenen Kunden zu Wettbewerbern wie Versatel oder Arcor wechseln zeigen 330.000 neu vermietete Teilnehmeranschlussleitungen (TAL) im zweiten Quartal. Viele Festnetzkündigungen sind aber auch damit verbunden, dass Kunden nur noch über das Internet oder mit dem Handy telefonieren möchten.
Insgesamt verlor die Telekom innerhalb der vergangenen zwölf Monate 2,36 Millionen Schmalbandanschlüsse, in Deutschland waren es allein 2,15 Millionen. Konzernweit waren Ende Juni 37,73 Millionen Schmalbandanschlüsse in Betrieb, in Deutschland waren es 32,09 Millionen. Telekom-Chef René Obermann machte einmal mehr deutlich, dass der Rückgang der Anschlüsse im Festnetz "regulatorisch gewollt" sei. Die Marktregulierung in Deutschland falle deutlich zu Ungunsten der Telekom aus, sagte Obermann. "Wir werden aber weiter um jeden Kunden kämpfen". Nach seinen Worten entwickeln sich insbesondere die Call & Surf-Komplettpakete zu einem Zugpferd. Insgesamt seien 7,4 Millionen T-Home-Komplettpakete bestehend aus Festnetz- und Breitbandanschluss in Betrieb, so Obermann.
Breitband legt zu
Deutlich zulegen konnte die Telekom im zweiten Quartal hingegen in der Vermarktung schneller Breitbandzugänge. Insgesamt wurden 555.000 neue DSL-Anschlüsse geschaltet. In Deutschland waren es allein 448.000. Für die Telekom ist in diesem Zusammenhang besonders erfreulich, dass 373.000 Breitband-Anschlüsse in Eigenregie angeschlossen wurden. Das entspricht nach Telekom-Angaben einem Marktanteil von 42 Prozent. Nur 75.000 DSL-Anschlüsse entfielen auf das Resale-Geschäft.
Insgesamt konnte die Deutsche Telekom Ende Juni auf 12,95 Millionen Breitband-Anschlüsse blicken. Das sind 3,14 Millionen mehr als ein Jahr zuvor. In Deutschland sind davon 11,51 Millionen Anschlüsse in Betrieb, von denen 8,01 Millionen in Eigenregie betrieben werden.

(Hayo Lücke)

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