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Telekom und Netzneutralität: Zahlen sollen die Anderen

Die Deutsche Telekom als Zugangsprovider und der Backbone-Betreiber Level 3 beschuldigen sich gegenseitig, für die Engpässe an den Peeringpunkten verantwortlich zu sein.

17.09.2014, 14:11 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Wenn das Video beim Abspielen mal wieder hakt, stellt sich folgende Frage: Wo ist eigentlich der Flaschenhals? Und: Löst die Netzneutralität das Problem oder wird es dadurch erst geschaffen? Auf eine Kritik des Backbone-Betreibers Level 3 antwortet die Deutsche Telekom mit ungewohnt scharfen Worten.

Level 3: Engpässe auf Seiten der Zugangsprovider

Level 3 hatte in einem Interview mit heise Netze das Peering-Problem angesprochen. An den Peering-Punkten haben sich die einzelnen Internet-Provider zusammengeschlossen - teils mit sehr unterschiedlichen Kapazitäten. Wenn dann ein Flaschenhals entsteht und alle Pakete gleichberechtigt nacheinander durchgelassen werden, stockt die Wiedergabe auf dem Rechner des Nutzers.

Heise Netze hatte festgestellt, dass es bei der Übergabe von Level 3 ins Netz der Telekom immer wieder zu solchen Verzögerungen kam. Level-3-Manager Mark Tylor sagte darauf heise Netze, dass einige große Internet-Provider in Europa nicht ausreichen Kapazitäten bereitstellen würden - ohne aber Namen zu nennen.

Telekom: Zahlen soll, wer die Daten liefert

Die ISPs wären sogar bereit, mehr Kapazitäten aufzuschalten, aber nur gegen Geld - mit Preisen, die fünf bis zehnmal über den marktüblichen Preisen liegen würden.

Telekom-Sprecher Philipp Blank hat nun gegenüber heise Netze Stellung genommen: "Wer deutlich mehr Datenvolumen ins Netz des Partners übergibt als andersrum, sollte auch mehr für den Ausbau der nötigen Kapazitäten zahlen. [...] Netzzusammenschaltung ist nie das Thema von nur einem Partner, sondern von beiden."

Qualitätsgarantien sollen zum Ausbau beitragen

Blank beklagt aber, dass die Netze nicht nur an den Zusammenschaltungspunkten ausgebaut werden müssten, sondern auch im Anschlussnetz zu den Kunden. Hier würde die Telekom besonders hohe Kosten tragen, da die Kabel unterirdisch verlegt würden.

Auch wenn Blank laut heise Netze an einem späteren Punkt betont, dass die Telekom für das freie und offene Internet stehe, in dem keiner diskriminiert werde, so bezieht er doch zum Thema Netzneutralität eine nicht ganz so eindeutige Stellung: "Die Inhalteanbieter müssen sich stärker am Ausbau beteiligen. Ein Weg dahin führt über zusätzlichen Service und Qualitätsgarantien." Diese Formulierung schließt eine bevorzugte Durchleitung von Daten gegen Bezahlung nicht aus.

Netzneutralität sei Privilegierung großer Konzerne

Große Internetunternehmen, so Blank weiter, hätten die Möglichkeit, die Qualität ihrer Dienste durch weltweite Serverparks zu verbessern, weil sie die Inhalte näher zu den Kunden bringen. Kleine Unternehmen hätten diese Möglichkeit nicht.

"Was als Netzneutralität verkauft wird, sei in Wahrheit die Privilegierung großer amerikanischer Internetkonzerne, und zwar zu Lasten von Start-ups", so Blank.

Die ersten Inhalteanbieter richten bereits direkte Peeringpunkte bei den Zugangsprovidern ein, um die Zahl der Flaschenhälse zu minimieren und diese auch noch unter Kontrolle zu haben.

(Peter Giesecke)

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