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Telekom-Strategie 2.0: Taumelnder Riese ohne Vision

Mitte März soll das Telekom-Vorstandspapier "Strategie 2.0" die Zukunftspläne des Unternehmens präsentieren. Nach Informationen des "Handelsblatt" halten sich Überraschungen aber in Grenzen. Es gäbe nur wenig Antworten auf die kommenden Herausforderungen.

24.02.2010, 13:01 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

"Konservativ und visionslos" – so bezeichneten nach Informationen des "Handelsblatt" führende Manager bereits vorab das neue Telekom-Strategiepapier "Strategie 2.0" von Konzernchef Rene Obermann. Es liefere keine Antworten darüber, wie das Unternehmen zukünftig wachsen wolle. Offiziell veröffentlicht werden soll der Ende 2009 angekündigte Fünf-Punkte-Plan aber erst Mitte März. Sein Ziel: Leitlinien und Lösungen für die wachsenden Herausforderungen in der Branche.

Konzentration auf klassische Geschäftsfelder

Laut "Handelsblatt" setzt die Telekom weiterhin primär auf ihre klassischen Geschäftsfelder. In Ländern, in denen das Unternehmen lediglich mit eigenem Mobilfunknetz vertreten ist, sollen bestehende Kapazitäten weiter ausgebaut werden. "Obermann glaubt fest daran, dass er mit dem mobilen Internet die Umsätze steigern kann", so ungenannte Führungskräfte gegenüber der Zeitung. Wichtigster Auslandsmarkt dieser Art sind die USA. Zuletzt musste die Telekom-Tochter T-Mobile USA dort jedoch massive Verluste und zahlreiche Kündigungen von Kunden hinnehmen. Als einer der Hauptgründe gilt trotz milliardenschwerer Investitionen die unzureichende Netzabdeckung. In der Folge musste die Gewinnprognose des Gesamtkonzerns gesenkt werden und Spekulationen über einen Börsengang der US-Tochter machten die Runde. Auch eine Ausgliederung des wichtigen Nordamerika-Geschäfts wird für möglich gehalten, allerdings dürfte ein Komplettverkauf damit vorerst vom Tisch sein. Im ebenfalls schwierigen Mobilfunkmarkt Großbritannien setzt die Telekom auf ein Kooperationsmodell: in der kommenden Woche soll die Fusion von T-Mobile UK mit der französischen Orange vollzogen werden.


Im Märkten, die sowohl im Festnetz- als auch Mobilfunkbereich abgedeckt werden, zielt Obermann auf die zeitnahe Zusammenführung beider Sparten. Im Zentrum stehen dabei nach "Handelsblatt"-Angaben konvergente Endgeräte und Produkte, die man per Handy, PC oder Fernsehen nutzen kann. Im Geschäftsbereich wollen sich die Bonner mit T-Systems auf "vernetztes Arbeiten mit eigenen Lösungen für verschmolzene IT- und Telekommunikationsanwendungen" konzentrieren. Ebenfalls geplant sind weitere Zukäufe nach dem Vorbild der Strato-Übernahme und "Innovationen", um sich von den Wettbewerbern abzuheben.

Auch der zügige Ausbau der Breitbandnetze mit Blick auf den Gigabit-Bereich soll vor diesem Hintergrund weiter vorangetrieben werden. Druck kommt hier insbesondere von den Kabelanbietern, die bereits heute mit bis zu 120 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) höhere Bandbreiten anbieten, als die Telekom mit ihrer auf wenige Ballungsräume beschränkten T-Home VDSL-Verfügbarkeit (maximal 50 Mbit/s). Jüngst forderte Obermann eine Regulierung der Kabelnetze, da ein Zugriff auf die Datenleitungen der Kabelgesellschaften für Wettbewerber bisher nicht möglich sei.

Glasfaserausbau in den Häuser als Ausweg?

Einen möglichen Ausweg für die Telekom bietet der eigene Ausbau schneller Glasfaserverbindungen – etwa bis in die Häuser der Endkunden (Fibre to the Home). Ein solcher Weg ist allerdings mit hohen Investitionskosten verbunden und nach Meinung von Experten nicht großflächig durchführbar. "Die Telekom hat die Wahl zwischen Pest und Cholera", so ein Analyst laut "Handelsblatt". "Entweder sie schont ihren Free Cash-Flow und lässt die Kabelkonzerne erstarken, oder sie investiert massiv und riskiert ihre Barmittel." Wahrscheinlicher sind Zwischenwege - etwa Kooperationen auf regionaler und kommunaler Ebene. Ein zweiter Wachstumsmarkt geht zudem bisher fast vollständig an den Bonnern vorbei. So investiert die Telekom zwar sowohl im Festnetz- als auch Mobilfunkbereich in schnellere Datenleitungen, ist allerdings an den damit umgesetzten Milliardensummen kaum beteiligt. Die meisten Profite machen Google, Apple und Co. - ein Problem, das die Konkurrenz ebenfalls moniert.


In Zukunft sollen daher auch beim "Rosa Riesen" kostenpflichtige Internetdienste stärker in den Fokus rücken. Insgesamt bleibt das Strategiepapier aber in den bisher bekannten Bahnen. "Da steht nichts komplett Neues drin, sondern es ist eine Überarbeitung dessen, was sich in den vergangenen drei Jahren bewährt hat", zitiert die Wirtschaftszeitung einen Telekom-Sprecher. Ob sich damit auch zukünftig wichtige Impulse setzen lassen, bleibt somit noch abzuwarten.

(Christian Wolf)

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