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Telekom stellt sich neu auf: Aktionäre für Integration

Eine breite Mehrheit der Telekom-Aktionäre stimmte auf der Hauptversammlung in Hannover der Integration von Festnetz und Mobilfunk zu. Eine neue Marke soll es nicht geben.

19.11.2009, 18:22 Uhr (Quelle: DPA)
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Die Deutsche Telekom stellt ihr Deutschlandgeschäft auf neue Füße: Am Donnerstag segneten die Aktionäre des Bonner Konzerns die geplante Verschmelzung von Mobilfunk und Festnetz in der Heimat ab. Von der Zusammenlegung erhofft sich die Telekom höhere Umsätze und eine engere Kundenbindung. Es ist der dritte groß angelegte Konzernumbau unter Telekom-Chef René Obermann. Gleichzeitig kündigte der Ex-Monopolist die Übernahme des Webhosters Strato an.
Mehrheit für Integration
Mit einer breiten Mehrheit stimmten die Anteilseigner am Donnerstag auf einer außerordentlichen Hauptversammlung für die Integration. "Wir stärken damit den Kundenservice, wir sichern Arbeitsplätze und wir erschließen Potenzial für zusätzlichen Umsatz und für Kostensynergien", hatte Obermann zuvor in der TUI Arena in Hannover geworben. Die Eintragung der neuen Telekom Deutschland GmbH ins Handelsregister ist für das erste Halbjahr 2010 vorgesehen.
Kritik am Vorstand
Aktionärsvertreter bezeichneten den Schritt als längst überfällig. Sie nutzten die Gelegenheit und sparten wie üblich nicht mit Kritik am Vorstand. Vor allem der Aktienkurs hat den Anteilseignern in den vergangenen Jahren wenig Freude gemacht. "Können sie die T-Aktie aus dem Tal der Tränen holen?", fragte ein Aktionär. Die Titel dümpeln schon lange unter ihrem Ausgabepreis beim Börsengang Ende der 90er Jahre. Nach einem positiven Start verlor die T-Aktie am Donnerstag wieder einmal mehr als ein Prozent.
Seit Jahren kämpfen die Telekomkonzerne weltweit mit Umsatzrückgängen insbesondere im klassischen Sprachgeschäft. Vor allem in Deutschland müht sich die Telekom um eine Stabilisierung der Erträge. Dabei beherrscht sie als Ex-Monopolist noch große Teile des Marktes für sich. Die Verschmelzung von Festnetz und Mobilfunk soll nun helfen. Kunden mit Mobilfunk- und Festnetzvertrag bei einem Anbieter kündigten ihre Verträge deutlich seltener, sagte Obermann, außerdem brächten sie erfahrungsgemäß deutlich mehr Umsatz. Mittelfristig erwartet der Konzern eine Umsatzsteigerung von 1,3 Milliarden Euro. Auf der Ergebnisseite rechnet die Telekom dabei mit einem positiven Beitrag von 600 Millionen Euro pro Jahr. "Das gesamte Niveau der Synergien wird Mitte 2015 erreicht", kündigte Finanzchef Timotheus Höttges an. Ein Drittel davon seien Kosteneinsparungen unter anderem bei IT-Systemen, der Rest sei auf die erwartete Umsatzsteigerung zurückzuführen.
Keine neue Marke
Eine neue Marke will die Telekom für ihren Auftritt in Deutschland nicht entwerfen. "Das 'T' als übergeordnetes Markenzeichen wird aber an Bedeutung gewinnen", sagte Obermann. Die neue Deutschland- Gesellschaft wird rund 85.000 Mitarbeiter haben und rund 27 Millionen Festnetz- sowie 39 Millionen Mobilfunkanschlüsse betreuen. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete der Bereich einen Umsatz von 26 Milliarden Euro, rund 40 Prozent der gesamten Erlöse des Konzerns.
Strato-Übernahme für 275 Millionen Euro
Einen weiteren kleinen Beitrag für ihr Deutschland-Geschäft erhofft sich die Telekom von der Übernahme des Webhosters Strato. Der Bonner Konzern hatte am Donnerstag für 275 Millionen Euro den Zuschlag für den Anbieter von Webseiten und Online-Shoplösungen erhalten. Strato erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 78 Millionen Euro bei einem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 35 Millionen Euro. Vom ersten Tag an soll die Übernahme den Gewinn der Telekom treiben. Verkäufer Freenet wiederum senkt mit dem Geld aus Bonn seine Schulden.

(Jörg Schamberg)

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