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Telekom-Skandal: Obermann hatte "Mut zur Lücke"

Lückenlose Aufklärung? Die sieht anders aus, findet das Bundeskriminalamt. Und so gerät auch Telekom-Chef René Obermann in den Strudel der Schnüffel-Affäre der Deutschen Telekom.

19.05.2009, 18:14 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

In der Telekom-Spitzelaffäre fordert die Deutsche Telekom Schadenersatz vom früheren Konzern-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel und Ex-Vorstandschef Kai-Uwe Ricke. Der ehemalige Monopolist will je eine Million Euro kassieren. Der Vorwurf: Zumwinkel und Ricke sollen bereits im Herbst 2005 gewusst haben, dass von der Telekom-Konzernsicherheit auf der Suche nach Informations-Lecks Verbindungsdaten im Mobilfunk gespeichert und illegal ausgewertet wurden.
Angst vor Zumwinkel?
Im Zuge der Ermittlungen kommen nun immer mehr Details ans Licht. So soll Telekom-Chef René Obermann dem "Handelsblatt" zufolge bei der internen Aufklärung des Schnüffel-Skandals nur halbherzig vorgegangen sein. Das wollen die Ermittler des Bundeskriminalamtes herausgefunden haben.
Möglicherweise saß dem Vorstandsvorsitzenden die Angst im Nacken: Indizien zufolge wollte er Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel schützen, hatte aber bereits eine umfangreiche Recherche angekündigt. So versuchte er wohl die Quadratur des Kreises: Einerseits Aufklärung, andererseits den Kollisionskurs mit Zumwinkel meiden. Heraus kam offenbar ein diffuses Disziplinarverfahren gegen den Mitarbeiter, der alles ins Rollen brachte: Klaus-Dieter Trzeschan.
Der Beamte sollte nach dem Stand der Ermittlungen im Jahre 2005 das Leck im Aufsichtsrat aufspüren, durch das offenbar interne Informationen an die Presse gelangten. Als Leiter einer Ermittlergruppe für Konzernsicherheit besorgte er Verbindungsdaten von Mobiltelefonen und übergab sie einer externen Firma zur Auswertung. Damit verstieß er gegen Datenschutz und Fernmeldegeheimnis.
Keine Fragen nach Auftraggeber
Als dies ans Tageslicht kam, versprach Obermann eine "lückenlose Aufklärung" der Vorgänge. Stattdessen blieb es offenbar bei einem Scheinverfahren, das Trzeschan den Pelz wusch, ohne ihn nass zu machen. Es endete mit einer ungewöhnlich milden Strafe - dem Verweis. So soll in dem Disziplinarverfahren beispielsweise nie festgestellt worden sein, wie viele und welche Telefonnummern genau ausgespäht und ob nur Daten verglichen oder sogar komplette Gespräche abgehört wurden. Auch die "Gretchenfrage" nach dem Auftraggeber Trzechans für die Schnüffeloperation wurde laut "Handesblatt" nie gestellt.
Eine Aktennotiz von Personalvorstand Thomas Sattelberger bringt hier erneut den Namen Zumwinkel ins Spiel. Der Aufsichtsratschef soll Obermann "besorgt und intensiv" aufgefordert haben, das Verfahren gegen den Beamten still und leise zu beenden, so das "Handelsblatt".
Klaus-Dieter Trzeschan ist der Zeitung zufolge nach vier Monaten Untersuchungshaft gegen eine Kaution von 45.000 Euro entlassen worden. Eine Aussage bleibt er offenbar bis heute schuldig. Zumwinkel, Ricke und Trzeschan müssen wohl angesichts der Ermittlungsergebnisse mit einer Anklage rechnen.

(Dorothee Monreal)

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