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Telekom: Schwere Vorwürfe gegen T-Mobile USA

In einem Brief an Telekom-Chef René Obermann prangern 26 US-Abgeordnete die Diskriminierung von Angestellten der US-Tochter T-Mobile USA an, schreibt das "manager magazin". Demnach werden ihnen vorsätzlich wichtige Arbeitnehmerrechte verweigert.

05.05.2010, 10:16 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Erst vor wenigen Tagen stimmte René Obermann die weltweit rund 260.000 Beschäftigten der Deutschen Telekom auf wirtschaftlich schwierige Zeiten ein. Offenbar dürfen sich Mitarbeiter der T-Mobile USA dabei besonders angesprochen fühlen. Laut "manager magazin" haben sich 26 hochrangige Mitglieder des US-Kongresses in einem Brief an den Telekom-Chef über fragwürdige Arbeitsbedingungen bei der US-Mobilfunktochter beschwert. Angeblich würden die dortigen Mitarbeiter gegenüber ihren deutschen Kollegen grob benachteiligt.

Gewerkschafter unter Druck

Demnach behindere T-Mobile USA eine gewerkschaftliche Organisation der Angestellten und versuche entsprechende Bemühungen gezielt durch Einschüchterungspraktiken zu unterdrücken. Nach einem Bericht der Initiative American Rights at Work mit dem Titel "Maßstäbe senken oder Maßstäbe setzen. Arbeitspraktiken der Deutschen Telekom in den USA" vom Dezember letzten Jahres verlange das US-Management von seinen Mitarbeitern etwa, jegliche Aktivitäten mit gewerkschaftlichem Bezug an die Führungsspitze zu melden. Auch seien private Sicherheitskräfte eingesetzt worden, um Versammlungen aufzulösen. Innerhalb des Konzern herrsche eine Doppelmoral, was die Behandlung von Angestellten angehe. Richtlinien, die in Deutschland gelten würden, seien in den USA außer Kraft gesetzt.

Vorwürfe seit Monaten bekannt

Nach Angaben des Wirtschaftsblattes sind die Vorwürfe in der Bonner Zentrale bereits seit Monaten bekannt. So bereitet die US-Gewerkschaft Communications Workers of America (CWA) derzeit eine offizielle Beschwerde bei der OECD vor. Geändert hat sich dennoch offenbar bislang nichts. Daher fordern die Abgeordneten den Telekom-Chef mit Nachdruck dazu auf, "in den Beziehungen zu den Mitarbeitern Gleichheit zwischen der Deutschen Telekom in Deutschland und T-Mobile USA herzustellen". Den Beschäftigten müsse es erlaubt sein, ihre Rechte auf Organisations- und Verhandlungsfreiheit auszuüben. Zudem erbitten sie weitere Informationen über jüngste Schritte, die Obermann in der Sache eingeleitet hat.

Die Telekom sieht sich hingegen zu Unrecht an den Pranger gestellt. In einer Stellungnahme sagte ein Sprecher dem "manager magazin", man sei keineswegs gewerkschaftsfeindlich. Es sei selbstverständlich, dass es in verschiedenen Ländern auch unterschiedliche Rechte und Regelungen gebe. Die US-Beschäftigten könnten sich zudem jederzeit in einer Gewerkschaft organisieren, wenn sie wollten. "In jedem Land behandeln wir unsere Mitarbeiter fair und gerecht", so die Bonner. Lediglich das Firmengelände von T-Mobile USA dürften Gewerkschaftsvertreter nicht betreten, sondern nur außerhalb für ihre Interessen werben.

(Christian Wolf)

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