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Telekom-Panne: Kundendaten landeten im Ausland

Hunderttausende Daten von Kunden sind laut "Spiegel" teils mit Angabe von Kontoverbindungen im Ausland gelandet. Türkische Call-Center manipulierten Aufträge und kassierten illegale Provisionen in Millionenhöhe.

14.10.2009, 10:59 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Sind Kundendaten bei der Deutschen Telekom noch sicher? Diese Frage werden sich immer mehr Kunden stellen. Nach zahlreichen Datenpannen in der jüngsten Vergangenheit, kämpft der ehemalige Monopolist um Vertrauen. Erst im April hatte die Telekom ein Bündel von Maßnahmen beschlossen, um unter anderem gegen unseriöse Vertriebspartner vorzugehen. Erstmals wurde im Frühjahr ein Datenschutzbericht vorgelegt und ein Vorstandsressort für den Datenschutz eingerichtet. Doch der "Spiegel" berichtet nun über eine neue Datenpanne, bei der hunderttausende Kundendaten - oft inklusive Bankdaten - im Ausland gelandet seien.
Illegale Provisionen kassiert
Über ein Netz von Vertriebspartnern und vor allem türkischen Call-Centern hätten sich Strukturen etabliert, die kriminelles Verhalten fördern. Kundendaten seien in großer Zahl aus dem Telekom-System entwendet und manipuliert worden. So hätten etwa Call-Center-Mitarbeiter angeblich im Auftrag der Telekom-Kunden neue Verträge verkauft. Diese Aufträge wurden bei der Telekom eingereicht und dafür illegale Provisionen in Millionenhöhe kassiert. Laut "Spiegel" betrug der Schaden teilweise pro Call-Center mehr als 100.000 Euro pro Tag. Ob und in welchem Umfang dabei tatsächlich Daten von den Vertriebspartnern und Subunternehmen verwendet wurden, stehe derzeit nicht fest, sagte ein Telekom-Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.
Strafanzeigen und Verhaftungen
Die nun bekannt gewordene Datenpanne ist allerdings schon lange bekannt, denn bereits im Februar hatte sie Strafanzeige erstattet. Inzwischen seien nach Hausdurchsuchungen bereits mehrere Beschuldigte verhaftet worden. Erst Anfang Oktober ging die Telekom gegen vier unseriöse Vertriebspartner vor. In einem Fall hatte der Konzern die Zusammenarbeit beendet, zudem wurden Abmahnungen erteilt und Provisionen zurückgefordert. Laut Konzern sind die Schwachstellen inzwischen behoben und die Sicherheitsvorkehrungen seien erhöht worden. "Wir müssen deshalb branchenweit dafür sorgen, dass betrügerische Vertriebsmethoden vom Markt verschwinden", so Manfred Balz, Datenschutz-Vorstand der Telekom.
Update: Auch der "Stern" berichtet über Panne
Auch das Nachrichtenmagazin "Stern" berichtet in seiner aktuellen Ausgabe über die Datenpanne. Demnach ermittelt die Bonner Staatsanwaltschaft seit Anfang des Jahres gegen einen Ring von Datenhändlern und Callcenter-Betreibern. Millionen Datensätze seien sichergestellt worden, die meisten davon von Telekom-Kunden. Der Konzern sei aber trotz der Hinweise Ende vergangenen Jahres monatelang nicht eingeschritten. Die Bonner Staatsanwaltschaft war am Mittwoch zunächst nicht zu erreichen.

(Jörg Schamberg)

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