Pilotprojekt

Telekom nutzt erstmals Glasfasernetz von Deutsche Glasfaser

Premiere für die Deutsche Telekom: Der Konzern nutzt im Rahmen eines Pilotprojekt erstmals das Glasfasernetz des Anbieters Deutsche Glasfaser. Noch 2020 will die Telekom vor Ort eigene Produkte über das Glasfasernetz anbieten.

Jörg Schamberg, 22.01.2020, 11:32 Uhr
Deutsche Glasfaser Deutsche TelekomDeutsche Glasfaser-Geschäftsführer Uwe Nickl und Telekom Deutschland-Chef Dirk Wössner haben eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet.© Deutsche Telekom AG

Die Deutsche Telekom setzt beim Glasfaserausbau verstärkt auf Kooperationen. Mitte Januar hatte der Bonner Konzern zusammen mit EWE das Gemeinschaftsunternehmen Glasfaser Nordwest gegründet, um im Nordwesten Deutschlands die Erschließung mit Glasfaser voranzutreiben. Am Mittwoch kündigte die Telekom nun an, dass sie das offene Netz des Glasfaseranbieters Deutsche Glasfaser nutzen wird. Eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichneten Telekom-Deutschland-Chef Dirk Wössner und Deutsche Glasfaser-Geschäftsführer Uwe Nickl.

Glasfaser-Pilotprojekt in Lüdinghausen

Erstmals nutzen die Telekom und Deutsche Glasfaser damit im Rahmen einer Glasfaserkooperation ein Glasfasernetz gemeinsam. Der Start erfolgt in einem Pilotprojekt im nordrhein-westfälischen Lüdinghausen im Kreis Coesfeld. Dort stellt Deutsche Glasfaser ihre bestehende Glasfaserinfrastruktur der Telekom zur Nutzung zur Verfügung. Das Pilotprojekt umfasse sowohl private Haushalte als auch Gewerbegebiete. Noch 2020 will die Telekom Kunden in Lüdinghausen Glasfaserprodukte anbieten.

Telekom kann ihre Produkte über das Glasfasernetz von Deutsche Glasfaser anbieten

Die Zusammenarbeit bietet Endkunden damit ein erweitertes Angebot vor Ort. Die Telekom kann Glasfaser vom Glasfaserhauptverteiler bis in das Haus des Kunden nutzen und darüber ihr komplettes Produktangebot anbieten. Haushalte im Ausbaugebiet von Deutsche Glasfaser in Lüdinghausen, die noch keinen FTTH-Glasfaseranschluss besitzen, sollen ebenfalls auf Telekom-Angebote zugreifen. Deutsche Glasfaser will diese Hausanschlüsse dann bei Bedarf mit Glasfaser nachrüsten.

In Lüdinghausen hat Deutsche Glasfaser bereits über 9.000 Glasfaseranschlüsse realisiert. Angeschlossene Haushalte können bei Buchung eines entsprechenden Tarifs mit Gigabit-Geschwindigkeit im Internet surfen. Die Tarifauswahl für die Haushalte werde durch Angebote der Telekom nun größer. Ob die Telekom und Deutsche Glasfaser auch in anderen Kommunen kooperieren, werde von den Erfahrungen in Lüdinghausen abhängen.

Telekom Deutschland-Chef: Glasfaserausbau gelingt nur mit vereinten Kräften

"Die heutige Vereinbarung ist ein wichtiger Schritt zur Beschleunigung des FTTH Glasfaserausbaus. Zwei der wichtigsten Glasfaserausbauer Deutschlands kooperieren zum Wohl des Endkunden, denn dieser profitiert nun von einem wesentlich breiteren Angebot auf einer Infrastruktur", sagt Uwe Nickl von Deutsche Glasfaser. Ende 2020 will das Unternehmen bundesweit knapp eine Millionen Glasfaserkundenanschlüsse ermöglichen. Deutsche Glasfaser setze standardmäßig auf Open Access: "So können wir Wettbewerb und Auswahl für den Endkunden auch ohne doppelte Verlegung von Glasfasernetzen erreichen", so Nickl weiter.

Telekom Deutschland-Chef Wössner betont: "Der Glasfaserausbau gelingt in Deutschland nur mit vereinten Kräften. Wir wollen nun mit der Deutschen Glasfaser ganz konkret daran arbeiten, die unterschiedlichen Welten hinsichtlich Technologie und Prozesse in Einklang zu bringen. Es geht uns jetzt vor allem darum, praktische Erfahrungen zu sammeln, um Open Access mit klaren und diskriminierungsfreien Standards zum Leben zu erwecken." Die Telekom kooperiere bereits erfolgreich mit einigen Stadtnetzbetreibern.

Positive Reaktionen von VATM und BREKO

Die Branchenverbände VATM und BREKO begrüßen die neue Kooperation der beiden Anbieter. "Wir freuen uns, dass die Telekom schon kurz nach der Freigabe des Joint Ventures Glasfaser Nordwest nun auch im Rahmen einer direkten Kooperation ihre Bereitschaft zum Wholebuy auch bei echten Gasfaseranschlüssen unter Beweis stellen kann", kommentiert VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner. Kooperationen im Rahmen von Open Access seien besser als ein strategischer Überbau mit alter Vectoring-Technologie oder gar ein doppelter Glasfaserausbau.

"Das ist eine Win-Win-Konstellation für alle Beteiligten und ein weiteres starkes Signal dafür, dass der Glasfaserausbau richtig Fahrt aufnimmt. Die Kunden haben auf diese Weise die Auswahl zwischen verschiedenen Anbietern, und der Ausbau von zukunftssicheren Glasfaseranschlüssen bis in die Gebäude und Wohnungen wird durch die stärkere Nutzung bereits gebauter Glasfasernetze weiter vorangetrieben", bewertet BREKO-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers die vereinbarte Kooperation der Telekom mit Deutsche Glasfaser. Auch der BREKO spricht sich klar für Open Access statt "volkswirtschaftlich unsinnigem Doppelausbau" aus. Den weiteren Glasfaserausbau in diesem Jahr sieht Albers positiv: "2020 wird ein echtes Glasfaserjahr. Es geht jetzt Schlag auf Schlag, und wir werden in diesem Jahr zusätzlich zu den bereits bekannten Kooperationen eine Vielzahl weiterer partnerschaftlicher Ausbauprojekte und einen deutlichen Schub beim Glasfaserausbau sehen."

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