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Telekom-Mitarbeiter stimmen für Streik

Update: Der Deutschen Telekom AG steht der erste große Streik bevor. Die Mitarbeiter haben mit großer Mehrheit für einen Streik gestimmt. Die Folgen werden ab morgen auch bei Privatkunden und Kunden anderer DSL-Anbieter spürbar sein.

10.05.2007, 13:36 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Das Ergebnis ist eindeutig. Die Telekom-Mitarbeiter haben mit großer Mehrheit für einen Streik gestimmt. Bei der Urabstimmung sprachen sich 96,5 Prozent der Beschäftigten für die Arbeitsniederlegung aus, wie Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder am Donnerstag in Bonn mitteilte. Erforderlich wären 75 Prozent gewesen. Damit steht der Telekom ab dem morgigen Freitag der erste große Streik seit der Privatisierung des Unternehmens vor zwölf Jahren ins Haus.
Hohe Wahlbeteiligung
Zu der Abstimmung waren die gewerkschaftlich organisierten Mitglieder unter jenen rund 50.000 Service-Mitarbeitern der Telekom aufgerufen, die ausgegliedert werden sollen. Die Telekom plant, diese Mitarbeiter für weniger Geld länger arbeiten zu lassen. Von 22.114 aufgerufenen Gewerkschaftsmitgliedern hätten bei der Urabstimmung 21.951 gültige Stimmen abgegeben, sagte Schröder. Dies entspreche einer Wahlbeteiligung von 93 Prozent. Von den gültigen Stimmen hätten 21.175 für einen Streik votiert.
Zwar betont die Gewerkschaft Verdi, die Privatkunden schonen zu wollen. Dennoch müssen sich die Verbraucher auf Geduldsproben einstellen. Betroffen sind zunächst nur die Call Center, der technische Kundendienst sowie die Kabelnetze aus der Festnetzsparte T-Com. Aus dieser Sparte sollen die rund 50.000 Mitarbeiter ausgelagert werden und dann weniger verdienen. Weil der Druck hier am größten ist, sollen die Streiks vor allem Geschäftskunden treffen. Banken, Versicherungen und Mittelständler müssen also damit rechnen, dass neue Anlagen nicht installiert und Probleme nicht behoben werden. Indirekt könnte das auch zu Problemen bei den Kunden dieser Unternehmen führen, etwa wenn ein Defekt bei einer Bank nicht rechtzeitig behoben wird.
Privatkunden warten länger
Auch wenn die Telekom mit den Beamten und Nicht-Streikenden versucht, den Betrieb aufrecht zu erhalten: Die Kunden werden es auf jeden Fall merken, wenn sie bei der Hotline ewig in der Warteschleife hängen, der Techniker, der den neuen DSL-Anschluss installieren soll, doch nicht kommt, oder die Störung im Kabelnetz nicht so schnell beseitigt wird. Mobilfunkkunden und Besucher der T-Punkte dürften von den Streiks nichts mitbekommen, denn diese Bereiche gehören nicht zur betroffenen Festnetzsparte.
Weil fast alle Wettbewerber auf die Leitungen der Telekom - speziell die "letzte Meile" vom Verteiler zum Haus - angewiesen sind, könnten auch Kunden betroffen sein, die einen Vertrag mit Arcor, Versatel, Netcologne oder Hansenet haben. Denn bei einer Störung sind sie auf die Service-Techniker der Telekom angewiesen. Ein Streik könnte auch Kunden treffen, die einen DSL-Anschluss bei einem der Wettbewerber bestellt haben. Denn auch hier muss ein Telekom-Techniker die Leitung freischalten.
40.000 Beamte dürfen nicht streiken
Die betroffene Festnetzsparte beschäftigt rund 80.000 der insgesamt 160.000 Telekom-Mitarbeiter in Deutschland. Der frühere Staatskonzern kann hier jedoch auf rund 40.000 Beamte zählen, die nicht streiken dürfen. Zum anderen sind nur rund 70 Prozent der Beschäftigten bei Verdi organisiert. Nicht-Gewerkschafter dürften zwar die Arbeit niederlegen, bekommen aber für die Zeit keinen Lohn, während die Verdi-Mitglieder aus der Streikkasse Geld erhalten. Bei Engpässen will die Telekom auch Aufträge an Externe vergeben.

(Denise Bergfeld)

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