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Telekom: Konkurrenten zu viel für Daten berechnet

Die Bundesnetzagentur hat von der Telekom erhobene Gebühren für die Überlassung von Anschlussdaten an Telefonauskunftsdienste als "deutlich überhöht" eingeschätzt. Laut "Die Welt" darf die Telekom nicht mehr als 1,65 Millionen Euro in Rechnung stellen.

28.09.2010, 11:39 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Erneuter Ärger für die Deutsche Telekom. Erst Mitte September waren Korruptionsermittlungen gegen Telekom-Chef René Obermann und weitere Manager des Unternehmens bekanntgeworden. Nun sorgt ein Beschluss der Bundesnetzagentur laut einem Bericht der Online-Ausgabe der Tageszeitung "Die Welt" für einen weiteren Rückschlag für den Bonner Konzern.

Nur knapp zwei Millionen Euro für Anschlussdaten

Die Telekom darf ihren Konkurrenten nicht mehr als 1,65 Millionen Euro für die Überlassung von Anschlussdaten für die Telefonauskunft berechnen. Dies gehe aus einem aktuellen Beschluss der Regulierungsbehörde hervor. Die Telekom ist zur Weitergabe der Anschlussdaten an Wettbewerber wie Telegate verpflichtet, damit diese sie für ihre Auskunftdienste verwenden können. Die Bundesnetzagentur reguliert seit 2005 die dafür vom ehemaligen Monopolisten erhobenen Gebühren. Das Bundesverwaltungsgericht hatte auf Klage der Deutschen Telekom die Regulierungsentscheidung der Netzagentur jedoch wieder aufgehoben. Der führende deutsche Telekommunikationskonzern berechnete die Kosten für die Überlassung der Anschlussdaten daraufhin selbst: Laut Schätzungen von Branchenkennern sollen die Gebühren zwischen elf und 30 Millionen Euro liegen.

Streit um Gebühren beschäftigt die Justiz

Telekom-Wettbewerber wie Telegate, QSC und Vodafone sahen die Preisfestlegung als zu hoch an und beschwerten sich bei der Bundesnetzagentur. Die Grundsatzentscheidung der Bonner Regulierungsbehörde stuft die von der Telekom angesetzten Kosten als deutlich überhöht ein. Gegen den aktuellen Beschluss der Regulierungsbehörde kann der magentafarbene Konzern vor dem Kölner Verwaltungsgericht klagen. Telegate verlange für Zahlungen in den letzten Jahren mehr als 100 Millionen Euro von der Telekom zurück, das Oberlandesgericht Düsseldorf muss abschließend über die schon länger andauernden Streitigkeiten zwischen Telekom und Telegate entscheiden. Telegate-Chef Andreas Albath sieht die Entscheidung der Bundesnetzagentur als "Rückenwind" für sein Unternehmen. Etliche Unternehmen hätten die Gebühren laut "Welt" gar nicht gezahlt, sie wurden bereits von der Telekom verklagt.

"Die Telekom hat bisher mehr als zehn Mal mehr Geld für die Daten verlangt, als ihr eigentlich zusteht", so VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner. Die Preise für Auskunftsdienste könnten nun nach Angaben des VATM stabil bleiben. Ohne das Einschreiten der Bundesnetzagentur sei eine Anhebung der Gebühren für Telefonauskunftsdienste unausweichlich gewesen.

(Jörg Schamberg)

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