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Telekom killt Nutzer-Tracking per Canvas Fingerprinting

Die neue Tracking-Methode Canvas Fingerprinting wird offenbar auf vielen Websites eingesetzt - in Deutschland vom Vermarkter Ligatus verbreitet. Die Telekom grenzt sich nun ab.

24.07.2014, 18:15 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Weil immer mehr Internetnutzer vergleichsweise harmlose Cookies ausschalten, suchen die Vermarkter nach Alternativen. Das Problem: Diese neuen Methoden machen es dem Internetnutzer fast unmöglich, selbst zu entscheiden, ob er dem Browser erlaubt, diese zu speichern. Denn bei Fingerprint-Tracking wird die Identität auf einem Server des Werbeanbieters gespeichert. Canvas Fingerprinting ermöglicht es sogar, den Nutzer eindeutig zu identifizieren.

Werbebanner schleust Code ein

Forscher der Universitäten Princeton und Leuven haben nun herausgefunden (Studie), dass diese Art der elektronischen Fußfessel im Mai 2014 zumindest auf 5.542 der 100.000 Top-Websites nachwiesen wurden - von WhiteHouse.gov bis YouPorn.com. Aber auch onlinekosten.de findet sich darunter - ohne dass wir davon wussten.

Wir haben uns auf die Suche gemacht, wie Canvas Fingerprinting auf onlinekosten.de eingesetzt werden konnte. Wir hatten den notwendigen Java-Code jedenfalls nicht eingebaut. Als einzige Möglichkeit kam der Vermarkter Ligatus in Frage, der auf onlinekosten.de beispielsweise für Festnetz-Angebote der Deutschen Telekom wirbt - allerdings nicht im großen Stil.

Der Code wurde zusammen mit einem Werbebanner, der von einem Ligatus-Adserver stammt, auf unserer Website eingebunden. Tatsächlich wird Ligatus in der Studie der beiden Universitäten als Betreiber eines Canvas-Fingerprinting-Servers genannt, der am zweithäufigsten aufgespürt wurde. Wir haben daraufhin Ligatus-Anzeigen umgehend von unserer Website entfernt und damit auch das unerlaubte Tracking.

Telekom distanziert sich von Canvas Fingerprinting

Dabei sind neben den Nutzern die Hintergangenen in diesem Fall auch die Betreiber der Websites und ausnahmsweise auch die Werbetreibenden. Deshalb wohl erkannte auch die Telekom die Brisanz, zumal weil T-Online als Webseite mit Fingerprinting ganz oben auf der Liste der Universitäts-Forscher aufgeführt war. Die Affiliate-Marketing-Agentur Metaapes kontaktierte am Mittwoch im Auftrag der Telekom Nutzer des Telekom-Partner-Programms mit der Frage, ob auf Websites, auf denen Telekom-Werbung geschaltet wurde, auch Canvas Fingerprinting zum Einsatz komme.

Schließlich wird darauf hingewiesen, "dass jegliche Einbindungen dieser Art im Rahmen der Telekom Programme nicht verwendet werden dürfen". Telekom-Pressesprecherin Alexia Seiler konkretisiert dies gegenüber onlinekosten.de: "Wir hatten keine Kenntnis vom Einsatz der Technologie und waren selbst überrascht - das geht gar nicht. Wir haben die Zusammenarbeit mit Ligatus unterbunden und prüfen weitere Schritte."

Ligatus beteuert Unschuld

Metaapes wird die Rückmeldungen sammeln und an die Telekom weiterleiten. Bislang gibt es keine Erkenntnisse darüber, dass außer Ligatus andere Vermarkter betroffen sind. Metaapes selbst setzt nach eigenen Aussagen die Technik nicht ein und verpflichtet Partner wie Affili.net und Xanox darauf, kein Fingerprinting vorzunehmen.

Die Verantwortung dafür solle vielmehr allein bei Ligatus liegen. Dort heißt es, Canvas Fingerprinting sei "zu reinen Forschungszwecken" eingesetzt worden. "Hierzu haben wir bei einem Testlauf anonyme ID's ohne Rückschlussmöglichkeit auf konkrete User gesammelt. Es wurden keinerlei personenbezogene Daten erhoben. Auch wurden während der Testphase zu keinem Zeitpunkt Nutzerdaten für operative Zwecke gespeichert oder sind in die Optimierung bzw. Auslieferung von Werbung im Ligatus Netzwerk eingeflossen."

Ligatus erklärt in einer offiziellen Stellungnahme, dass der Testlauf inzwischen beendet sei, sagt aber nicht, wann dies geschehen sei und auf welche Veranlassung hin.

Der Vermarkter Ligatus weist auch darauf hin, dass die neue Tracking-Methode bereits von vielen Anbietern digitaler Dienstleistungen eingesetzt werde. Selbst habe man aber keine Pläne, diese Technik einzusetzen, da sie keinen Vorteil für die von ​dem Unternehmen eigenentwickelten Optimierungs-Algorithmen bringe​, ​die sich​ auf die generelle Erkennung von Mustern im Nutzungsverhalten ​stützen und nicht auf Cookies oder die Wiedererkennung konkreter User setzen.

Hintergrund-Informationen zum Einsatz auf deutschen Websites:
So funktioniert Nutzer-Tracking per Canvas Fingerprinting

Javascript ausschalten ist nicht die Lösung:
So verhindern Sie das Tracking per Fingerprinting

(Peter Giesecke)

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