Frequenzauktion

Telekom: Jobs in Gefahr durch Roaming-Pflicht?

Wenn die Pflicht zum lokalen Roaming eingeführt wird, könnten zahlreiche Arbeitsplätze in Gefahr sein. Davor warnt zumindest der Betriebsrat der Telekom. Auch der Netzausbau würde deutlich unattraktiver, vor allem auf dem Land.

Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Bonn - Lokale Roaming-Pflichten in Deutschland würden nach Ansicht des Betriebsrats der Deutschen Telekom Tausende Arbeitsplätze gefährden. "Käme so ein Roaming, würden unsere Investitionen entwertet und künftige Ausgaben in die Infrastruktur und somit auch ins Personal müssten abgesenkt werden", sagte Telekom-Betriebsratschef Josef Bednarski der Deutschen Presse-Agentur.

Fünfstellige Zahl an Arbeitsplätzen in Gefahr

Auf lange Sicht müsste also deutlich Personal eingespart werden - bei den drei Netzbetreibern Telekom, Telefónica und Vodafone, die in den Netzausbau investieren, wäre insgesamt eine fünfstellige Zahl an Arbeitsplätzen vom Rotstift bedroht, sagt er. Das lokale Roaming, also die Nutzung von Netzen durch Konkurrenten, ist ein Vorschlag der Bundestagsfraktionen von Union und SPD, damit Verbraucher in Funklöchern in Gebieten auf dem Land kostenlos mit anderen Netzen verbunden werden. Bednarski hält das für "Populismus" fernab der wirtschaftlichen Realität.

In diesem Frühjahr steht die Auktion von Frequenzen der neuen Mobilfunkgeneration 5G an, die Technologie mit ihrem schnellen Internet ist besonders für die Industrie wichtig. Die Bundesnetzagentur hat in ihren Vergaberegeln bisher auf Roamingpflichten verzichtet - sie setzt darauf, dass die unterschiedlichen Firmen der Branche miteinander verhandeln. Die Vizechefs der Bundestagsfraktionen fordern eine rasche Gesetzesänderung, um die lokale Roamingpflicht noch durchzusetzen.

Funkmasten auf dem Land: "Wer baut, verliert"

Betriebsrat Bednarski hatte zusammen mit seinen Pendants bei Telefónica und Vodafone einen Brief an die Politik geschrieben, um vor den negativen Folgen zu warnen. Käme die Roamingpflicht, würde der Bau von Funkmasten auf dem Land noch unattraktiver als bisher, argumentiert Bednarski.

Die Logik: Ein Netzbetreiber müsste seine Konkurrenten auf die Antennen lassen, er könnte gegenüber dem Kunden also nicht mehr als alleiniger Anbieter eines guten Netzes in einer Region punkten. "Die Devise wäre dann "Wer baut, verliert" - weil man die Konkurrenz, die nicht ausbaut, drauflassen müsste und keinen Wettbewerbsvorteil mehr hätte", sagte Bednarski. Dementsprechend zurückhaltend wären die Netzbetreiber - und der Ausbau auf dem Land würde zum Rohrkrepierer, warnt er.

Der Arbeitnehmervertreter sieht auch Arbeitsplätze in anderen Industriebereichen in Gefahr. "5G würde nicht so schnell und umfassend ausgebaut wie es unbedingt sein müsste, damit der Industriestandort Deutschland wettbewerbsfähig bleibt."

Wird United Internet zum vierten Netzbetreiber?

Telekom-Konkurrent United Internet mit seiner Marke 1&1 bewertet Roamingpflichten hingegen positiv - die Firma hat bisher kein eigenes Netz, sondern nutzt das Telefónica-Netz. Derzeit erwägt United Internet, mit der 5G-Auktion zum vierten Netzbetreiber in Deutschland zu werden.

Melanie Zecher / Quelle: DPA

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