Johannes Pruchnow im Interview

Telekom hofft 2018 auf Breitband-Kooperation mit großem Partner

Johannes Pruchnow ist seit über einem Jahr bei der Telekom für Breitband-Kooperationen zuständig. Der Telekom-Manager hat nun Bilanz gezogen. Nach dem im Dezember 2017 angekündigten Joint Venture mit EWE könnte auch 2018 eine größere Kooperation anstehen.

Vertragsabschluss© FotolEdhar / Fotolia.com

Bonn – Die Deutsche Telekom (www.telekom.de Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können.
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) hatte Ende 2016 Johannes Pruchnow an Bord geholt und ihn mit dem neu geschaffenen Posten als Vorstandsbeauftragter für Breitband-Kooperationen betraut. Pruchnow, der zuvor unter anderem als Chef bei Versatel tätig war und unter anderem bei Telefónica Deutschland gearbeitet und sich in den Branchenverbänden VATM und BREKO engagiert hatte, zog jetzt nach über einem Jahr Bilanz im Gespräch mit dem Telekom-Pressesprecher Markus Jodl. Die Telekom hatte das Interview zu Wochenbeginn auf YouTube veröffentlicht. Pruchnow geht darin auf die Vorteile ein, die Kooperationen dem Breitbandausbau bringen können.

Telekom führt derzeit parallel rund 100 Gespräche mit möglichen Kooperationspartnern

Die Telekom habe rund 40 Prozent Marktanteil, sie alleine könne daher nicht für den flächendeckenden Ausbau mit 100 Prozent Netzabdeckung sorgen. Kooperationen hätten mittlerweile eine große Bedeutung für den Breitbandausbau. Der Festnetzmarkt in Deutschland sei ein "sehr buntes Feld" mit rund 400 Akteuren, darunter viele mittlere und kleinere Anbieter sowie Stadtwerke. Derzeit führe die Telekom Gespräche mit etwa 100 möglichen Kooperationspartnern.

Drei Arten von Kooperationen möglich

Die Telekom sei grundsätzlich für verschiedene Formen der Zusammenarbeit offen. Drei Arten gebe es dabei typischerweise. Zum gemeinsamen Ausrollen eines neuen Glasfasernetzes könnte ein Ausbau-Joint Venture, also ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem großen überregionalen Partner, vereinbart werden. Als zweite Möglichkeit gebe es das Faser-Mietmodell. Dabei wird etwa passive Infrastruktur wie Kabel oder Leerrohre angemietet. Eine solche Zusammenarbeit gebe es beispielsweise mit Versorgungsunternehmen oder Stadtwerken. Schließlich komme für Kooperationen das WholeBuy-Modell in Frage. Dieses könne in Gebieten zum Tragen kommen, wo die Telekom in absehbarer Zeit nicht selbst ausbauen wird. Der Bonner Konzern würde dann ein Vorleistungsprodukt wie etwa Bitstrom kaufen.

FTTH-Glasfasermarkt entsteht derzeit erst so richtig

Die Bereitschaft zu Kooperationen sei am deutschen Markt deutlich gestiegen. Dennoch erschwerten einige Gründe eine mögliche Zusammenarbeit. Der Telekommunikationsmarkt hierzulande sei stark reguliert. Zudem gebe es einen Infrastrukturwettbewerb, die Anbieter stehen zueinander im Wettbewerb. Vor allem aber: "Der Glasfasermarkt ist derzeit ja erst so richtig am Entstehen", so Pruchnow. "Alle die in Glasfaser investieren sind der Meinung, dass wir einen anderen Ordnungsrahmen, einen anderen Regulierungsrahmen brauchen als bisher in der alten Kupferwelt", erläutert der Telekom-Manager.

Kultureller Brückenschlag zwischen unterschiedlichen Partnern

Ein solcher Rahmen müsse für Investitionssicherheit sorgen. Denn die Investitionskosten für Glasfasernetze werden oft erst nach langer Zeit wieder erwirtschaftet. Ein solcher Regulierungsrahmen sei aber noch in der Diskussion. Das mache die Anbahnung von Kooperationen teilweise ein "bisschen anspruchsvoll". Aber auch intern gebe es bei der Telekom noch einiges zu tun, damit diese fit für Kooperationen ist. Pruchnow nennt beispielsweise technische und prozessuale Anpassungen. Es würden Partner aufeinandertreffen, die bislang vielleicht erst wenig miteinander gesprochen hätten. "Dieser kulturelle Brückenschlag muss geleistet werden", betont Pruchnow.

IT-Systeme oft nicht modular genug für eine Zusammenarbeit

Ein wichtiges Hemmnis bei der Zusammenarbeit sei zudem, dass die IT-Systeme der Telekom sowie bei den Wholebuy-anbietenden Unternehmen nicht modular genug seien. So müsse das Bitstrom-Signal von dem Anbieter entsprechend produziert werden, viele könnten das jedoch noch nicht. Mit Blick auf die Telekom erklärt Pruchnow: "Wir wechseln ja quasi unter unserem Produkt das Netzfahrgestell", statt dem eigenem Netz werde ein fremdes Netz genutzt und dafür würden modulare IT-Systeme benötigt. Aber in dem gerade erst entstehenden FTTH-Markt seien auch die Preisniveaus noch nicht etabliert. Es müssten immer bilaterale Verhandlungen geführt werden.

Joint Venture mit EWE zum Glasfaserausbau

Pruchnow kann beim Rückblick auf die vergangenen zwölf Monate dennoch auf einige Erfolge verweisen. Im Dezember 2017 sei etwa das Ausbau-Joint Venture mit EWE (www.ewe.de Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können.
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) in Niedersachsen vereinbart worden. In den nächsten Jahren sollen für 1,5 Millionen Haushalte FTTH-Anschlüsse geschaffen werden. Allerdings stehen die erforderlichen Genehmigungen von Bundeskartellamt und Bundesnetzagentur noch aus. Auch eine Reihe kleinerer Kooperationen etwa mit Altenau oder der Stadt Mainz konnten geschlossen werden.

Mit Kooperationen würden die beteiligten Unternehmen vor allem den Business Case für Investitionen in den Glasfaserausbau verbessern. Die Ausbaukosten würden geteilt, da die Netzanschlüsse nur einmal und nicht zweimal gebaut werden müssten. Zudem werde die Auslastung auf den neuen Netzen erhöht. Bei verbesserten Geschäftsszenarios würde auch mehr investiert, der Breitbandausbau komme also voran.

Pro Jahr kann nur bestimmte Menge an Glasfaseranschlüssen gebaut werden

Allerdings gebe es ein physisches Ausbaulimit, selbst wenn man sehr viel Geld für den Glasfaserausbau zur Verfügung stellen könnte. Pro Jahr könne nur eine bestimmte Menge an Anschlüssen gebaut werden. Limitierend würden sich hier die Kapazitäten der Bauindustrie, der Planungsbüros und der internen Planer auswirken. Im Rahmen von Kooperationen können man die jeweiligen Planungs-und Baukapazitäten aber immerhin kombinieren.

2018 Abschluss einer Kooperation mit ein, zwei größeren Partnern?

Für das Jahr 2018 will die Telekom insbesondere das Joint Venture mit EWE implementieren. Idealerweise könne der Netzausbau dann noch dieses Jahr beginnen. "Dann hoffen wir mit ein, zwei anderen großen Partnern auch noch zu einem Abschluss zu kommen, ohne dass ich jetzt den Namen schon nennen kann", stellt Pruchnow eine weitere größere Kooperation in Aussicht. Mit mehreren kleineren Partnern erhoffe er sich den Abschluss von Netzmietmodellen.

"Wir wollen möglichst viel kooperieren. Wir würden uns wünschen, dass uns noch mehr Netz angeboten wird in noch mehr Regionen und Gegenden Deutschlands". Die Zusammenarbeit beim Breitbandausbau sei eine schöne Win-Win-Situation für die Beteiligten. Pruchnow zeigt sich im Hinblick auf Kooperationen "sehr zuversichtlich für 2018".

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Jörg Schamberg

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