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Telekom: Ein Schwabe setzt sich durch

Ein paar hundert Millionen Euro wird die Telekom nun sparen können - ein schönes Ergebnis für einen Schwaben. Auf seine Herkunft verwies Personalvorstand Thomas Sattelberger gleich mehrmals, als er die Tarifeinigung kommentierte.

21.06.2007, 16:01 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Ein paar hundert Millionen Euro wird die Telekom nun sparen können - ein schönes Ergebnis für einen Schwaben. Auf seine Herkunft verwies Personalvorstand Thomas Sattelberger am Mittwoch gleich mehrmals, als er die Tarifeinigung mit der Gewerkschaft Verdi kommentierte.
Verbesserter Service
Beharrlichkeit ist laut Sattelberger eine weitere Eigenschaft der Schwaben, und beharrlich setzte der 58-jährige Manager in einem achttägigen Verhandlungsmarathon die wichtigsten Ziele des Konzerns durch: Die Beschäftigten im Service sind länger für die Kunden da, und gleichzeitig senkt die Telekom die Kosten dafür.
Mit dem Ruf als harter Verhandler hatte Sattelberger seinen Job bei der Telekom Anfang Mai begonnen. Genau so jemanden brauchte Konzernchef René Obermann, der angesichts dramatisch einbrechender Kundenzahlen schon im Februar seinen Plan vorgestellt hatte, 50.000 Beschäftigte für weniger Geld länger arbeiten zu lassen. Zuständig fürs Personal war damals kommissarisch Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick - doch angesichts des Widerstandes der Gewerkschaft war klar, dass Obermann jemanden brauchte, der sich voll und ganz dem Streit widmen konnte. Er wurde beim Autozulieferer Continental in Hannover fündig und warb dort Sattelberger ab. Der Personalvorstand wurde, ein Bruch mit der Tradition, an den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat vorbei eingestellt.
Ein Bruch mit lieb gewonnenen Traditionen ist auch die Tarifeinigung, die Sattelberger mit seinem Gegenüber, Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder, aushandelte. Es gibt weniger Geld, die 34-Stunden-Woche ist Vergangenheit beim ehemaligen Staatskonzern, der Samstag wird Regelarbeitstag, und erstmals werden "leistungsbezogene Elemente" bei der Bezahlung eingeführt. Um zehn bis 20 Prozent können die Beschäftigten im Service künftig ihr Gehalt aufbessern, wenn sie sich durch gute Leistungen auszeichnen. Wer besonders kompetent und engagiert ist, kann schneller aufsteigen und bekommt auch mehr Geld. Diese "modernen personalpolitischen Instrumente" dürfte Sattelberger durchgesetzt haben. Er beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit dem Thema und hat darüber auch Bücher geschrieben.
Ganz wichtig sind ihm laut einem ehemaligen engen Mitarbeiter auch Lösungen, wie trotz Globalisierung möglichst viele Arbeitsplätze in Deutschland bestehen bleiben können. Fünfeinhalb Jahre Kündigungsschutz bekommen die 50.000 Service-Beschäftigten der Telekom nun, wenn sie die Tarifeinigung annehmen - "fast einmalig in Deutschland", wie Sattelberger betont. Auch Gewerkschafter Schröder wirbt um Zustimmung: Bei dem Kompromiss sei "der Schutz der Menschen" das Wichtigste gewesen, sagt er.
Telekom will neu durchstarten
Dass diese Zustimmung den Betroffenen nicht leicht fallen dürfte, ist Sattelberger klar. Mit seiner Wortwahl versucht er, auf sie zuzugehen: Als "leistungsstark und begabt" beschreibt er die Telekom-Beschäftigten, als "tüchtig und fähig". Mit solchen Mitarbeitern will der Konzern einen "Neustart" hinlegen und wachsen statt schrumpfen. Dreh- und Angelpunkt, da ist der Personalvorstand überzeugt, sind die Kundenbeziehungen. Und da stehen die 50.000 Beschäftigten in den Service-Gesellschaften ab dem 1. Juli an vorderster Front.

(Denise Bergfeld)

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