Auf gutem Weg zur Gigabit-Gesellschaft?

Telekom-Deutschlandchef kritisiert vergiftete Debatte um Breitbandausbau

Niek Jan van Damme, Deutschlandchef der Deutschen Telekom, wirft den Wettbewerbern vor, die bestehende Infrastruktur in Deutschland schlecht zu reden. Dabei verweist er auf die Erfolge der Telekom bei Festnetz und Mobilfunk. Zudem sei die Debatte um den Breitbandausbau vergiftet.

Jörg Schamberg, 02.05.2016, 12:48 Uhr
Deutsche Telekom Niek Jan van DammeTelekom-Deutschlandchef Niek Jan van Damme nimmt Stellung zum Breitbandausbau in Deutschland.© Deutsche Telekom AG

Bonn – Niek Jan van Damme, Deutschland-Chef der Deutschen Telekom (www.telekom.de/dsl Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können.
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), sieht die Diskussion um den richtigen Weg für den Breitbandausbau in Deutschland als vergiftet an. Die Wettbewerber und Branchenverbände würden "das Gespenst der Re-Monopolisierung" an die Wand malen und der Bundesregierung und den Aufsichtsbehörden Parteinahme zugunsten der Telekom unterstellen. Außerdem schade es Deutschland, wenn "eine der besten Infrastrukturen in Europa schlechtgeredet" werde. Van Damme fordert die Mitbewerber zur Zusammenarbeit auf: " Wir haben ein gemeinsames Ziel: Die Netze für die Gigabit-Gesellschaft zu bauen. Und wir sind auf gutem Weg dahin", so der Telekom-Deutschlandchef im Rahmen eines am Montag von dem Bonner Konzern veröffentlichten Beitrags in der Reihe "Management zur Sache".

Van Damme: 81 Prozent der Haushalte können Internet mit mindestens 30 Mbit/s nutzen

Van Damme wartet denn auch mit Erfolgszahlen für den Breitbandstandort Deutschland auf, der im internationalen Vergleich bei weitem nicht so schlecht dastehe wie von Kritikern behauptet. 81 Prozent der Haushalte könnten bei Bedarf Internetanschlüsse mit mehr als 30 Mbit/s nutzen. Im EU-Schnitt gelte das nur für 71 Prozent. Schweden könnte zwar höhere Durchschnittsgeschwindigkeiten aufweisen, liege aber in der Flächenversorgung hinter Deutschland zurück. "Es gelingt uns also besser, die digitale Spaltung von Stadt und Land zu überwinden und daran müssen wir Schritt für Schritt weiter arbeiten", so die Folgerung von van Damme.

Highspeed-Internet "ohne einen Cent Fördermittel"

Der Vectoring-Einsatz im Nahbereich sei der erste Schritt, um flächendeckend mindestens 50 Mbit/s bieten zu können. " Die Vectoring-Entscheidung der Bundesnetzagentur ist dafür eine gute Nachricht", betont van Damme. Der Telekom-Deutschlandchef gibt sich großzügig: "Die Wettbewerber können von ihrem Recht Gebrauch machen, einige dieser Bereiche exklusiv auszubauen. Die Telekom hat angeboten, den Rest zu machen". Durch das Engagement der Telekom könnten bis Ende 2018 sechs Millionen Haushalte einen schnellen Internetanschluss erhalten. Der Telekom-Manager rechnet vor, dass inklusive des regulären Ausbaus bis dahin 80 Prozent der Bevölkerung mit Bandbreiten zwischen 50 und 100 Mbit/s versorgt werden könnten. "Und das ohne einen Cent Fördermittel", betont van Damme.

Ländliche Gebiete würden von Vectoring-Ausbau profitieren

Laut Telekom-Berechnungen würden vom Vectoring-Ausbau in den Nahbereichen vor allem ländliche Gebiete profitieren, da mehr als 50 Prozent der Nahbereichshaushalte in Kleinstädten und ländlichen Gemeinden liegen würden. Die Wettbewerber könnten das Telekom-Netz weiterhin nutzen. "Wir bieten dafür sogar ein weiteres Vorleistungsprodukt, mit dem sie ihre Kunden versorgen können. Der Vorwurf der Re-Monopolisierung ist also Unsinn", erläutert van Damme. Die Wettbewerber zeigten sich bislang aber von einem neuen, virtuellen Vorleistungsprodukt nicht sonderlich begeistert. Sie befürchten, dass sie gegenüber der physischen, bisherigen Teilnehmeranschlussleitung schlechtergestellt würden.

Telekom betreibt Glasfasernetz von über 400.000 Kilometern Länge

Der Telekom-Manager wehrt sich in dem Beitrag auch gegen den Vorwurf, dass der Vectoring-Einsatz den Glasfaserausbau ausbremse. "Der Vectoring-Ausbau ist ein Glasfaserausbau. Bei Vectoring wird die Glasfaser bis zu den Kabelverzweigern, den grauen Kästen am Straßenrand, verlegt", betont der Telekom-Deutschlandchef. Und er stellt in Aussicht: "Sollte in Zukunft die Nachfrage nach Glasfaseranschlüssen bis in die Haushalte weiter ansteigen, tauschen wir die restliche Kupferstrecke ebenfalls aus. Das ist der zweite Schritt in die Gigabit-Gesellschaft." Wer bereits schon jetzt einen schnellen Glasfaseranschluss bis ins Haus nutzen möchte, könne das im Rahmen des Projektes "Mehr Breitband für mich" bereits bei der Telekom bestellen – der individuelle Ausbau erfolge dann auf Kosten des Kunden.

Auch LTE ist Breitband

Niek Jan van Damme verweist in dem Beitrag auf das bereits bestehende Glasfasernetz der Telekom, das in Deutschland auf eine Gesamtlänge von über 400.000 Kilometern komme. In den vergangenen fünf Jahren habe die Telekom über 120.000 Kilometer Glasfaser neu verlegt. "Das ist mehr als die Wettbewerber insgesamt an Glasfasernetz ausgebaut haben. Der größte international agierende Wettbewerber in Deutschland verfügt gerade einmal über rund 50.000 Kilometer Glasfaserkabel und setzt überwiegend auf Kupfer-Koaxial-Technologie", betont van Damme. Im Zeitraum von 2016 bis 2018 investiere die Telekom 12 Milliarden Euro in Breitband, darunter auch in das LTE-Netz. Bereits schon heute könnten 85 Prozent der Bevölkerung per LTE surfen, bis Ende 2018 soll die Verfügbarkeit auf 95 Prozent ausgebaut werden.

"Alles, was mehr Bandbreite schafft, ist gut für die Menschen und gut für Deutschland. Darauf sollten wir uns konzentrieren", so das Fazit von Telekom-Deutschlandchef van Damme.

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