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Telekom: Der Lotse geht von Bord, das Schiff steuert gen Wachstum

Es sind herbe Verluste, die Telekom-Chef Obermann für 2012 präsentiert. Doch der Manager, der zum Jahresende den Konzern verlässt, ist nicht enttäuscht: Es gibt wieder Perspektiven. In den USA und auch in Deutschland ist der Negativtrend gestoppt.

01.03.2013, 07:31 Uhr (Quelle: DPA)
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

René Obermann wirkt übermüdet. Er schließt die Augen und die Falten in seinem Gesicht verraten: Der Mann hat einen harten Job. Doch dann ist er plötzlich hellwach: "Wir stemmen uns in Europa gegen einen brutalen Markttrend", sagt der Telekom-Chef. Obermann feiert in wenigen Tagen seinen 50. Geburtstag und gibt zum Ende des Jahres seinen Posten als Vorstandsvorsitzender ab. Es ist die letzte Bilanzpressekonferenz - die sechste - auf der Obermann die Zahlen des Bonner Unternehmens präsentiert. Und immer dann, wenn es um Fragen wie Regulierung und Staatseingriffe geht, kommt er in Schwung.

"In Handschellen im Boxring"

Dann schimpft Obermann darüber, dass sich die Regierungen mit den Erlösen aus Auktionen von knappen Frequenzen die Taschen voll stopfen, anstatt die Mittel im Markt zu lassen, wo sie für Investitionen in den Breitbandausbau dringend benötigt werden. Die Stimmung in der Branche sei deshalb gedämpft. Obermann: "Die Kollegen sind alle der Auffassung, dass sie in Handschellen im Boxring stehen."

Dass die Regulierungsbehörden immer wieder Geld aus dem Kreislauf nehmen, kann er nicht nachvollziehen. In Europa seien die Entgelte für die Weiterleitung von Mobilfunkgesprächen durch fremde Netze (Mobilfunkterminierung) im vergangenen Jahr in zwölf von 13 Ländern mindestens einmal gesenkt worden, in Griechenland und Rumänien sogar zweimal. Und das bedeutet: Dieses Geld muss an anderer Stelle eingespart werden. Obermann lässt sich hinreißen zu Formulierungen wie "Blödsinn" und fügt schnell hinzu: "Ich muss mich zügeln, das Thema bewegt mich emotional". Aber er glaubt, dass sich in der EU-Kommission ein Umschwung bei der Regulierungspolitik andeute. Das werde neue Chancen eröffnen.

30 Milliarden Euro bis 2015

Tatsache ist: Die Telekom muss kämpfen, um sich in den europäischen Märkten und in den USA zu behaupten. Und Obermann setzt die Leitplanken: Massive Erhöhungen der Investitionen, vor allem in schnelle Netze, auf nahezu 30 Milliarden Euro bis 2015 sollen dem Konzern Beine machen. Baustellen wie USA und Europa und zum Teil auch Deutschland hat Obermann in Angriff genommen, sind aber noch nicht abgearbeitet. In den USA hat die Telekom seit dem vergangenen Herbst endlich eine Lösung für die schwächelnde Tochterfirma T-Mobile gefunden, die nur die Nummer vier des Landes ist. Das Unternehmen geht mit dem kleineren Anbieter MetroPCS zusammen, die Telekom bleibt Hauptanteilseigner. Die Fusion beziehungsweise die Abschreibung auf Firmenwerte war auch der Grund für den Verlust von 5,3 Milliarden Euro.

Obermann sieht den Bonner Konzern trotzdem auf Kurs. Das vergangene Jahr sei für die Branche insgesamt ein knallhartes Jahr gewesen. Doch das Unternehmen habe seine Finanzziele erreicht und sogar seine Schulden um 3 Milliarden Euro abgebaut. In Deutschland punktet das Unternehmen unter anderem mit weiter sinkenden Anschlussverlusten und einem starken Wachstum bei mobilen Daten um fast 20 Prozent. Beim schnellen Internet sei die Telekom mit einem Anteil von 45 Prozent Marktführer. Doch seit Jahren wächst das Unternehmen nicht mehr, zumindest nicht mehr aus eigener Kraft heraus. Neben den Regulierungen ist es vor allem der harte Preiswettbewerb, der dem Unternehmen zusetzt. In Deutschland machen vor allem die Kabelnetzbetreiber im Breitbandgeschäft der Telekom das Leben schwer.

Wie wenig beliebt Telekommunikationswerte derzeit sind, zeigt auch dieser Donnerstag: Obwohl seit November vergangenen Jahres klar war, dass die Telekom durch milliardenschwere Abschreibung auf den Firmenwert in den USA in die Verlustzone rutschen werde, war die T-Aktie zum Handelsauftakt im DAX einer der schwächsten Werte. Börsianer meiden die Aktie. Und dass für 2013 und 2014 statt 0,70 Euro nur noch 0,50 Euro als Dividende ausgeschüttet werden, ruft nicht unbedingt neue Anleger auf den Plan.

(Christian Wolf)

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