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Telekom denkt über Drosselung für DSL-Tarife nach

Die Deutsche Telekom plant laut einem Blog-Bericht bereits im Mai die Einführung einer einheitlichen Drosselung von DSL-, VDSL- und Glasfaser-Tarifen auf jeweils 384 Kbit/s nach Erreichen eines bestimmten Datenvolumens. Ein klares Dementi gab es von der Telekom zu solchen Überlegungen nicht.

22.03.2013, 12:38 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Steht der DSL-Markt in Deutschland vor einer einschneidenden Wende? Die Deutsche Telekom plant angeblich bereits ab Mai die Einführung einheitlicher Drosselungen für DSL- und VDSL-Tarife. Auch Glasfaser wäre betroffen. Eine Telekom-Mitarbeiterin hatte sich per Mail anonym an den "Fanboys"-Blog gewandt und über entsprechende Pläne des Bonner Konzerns berichtet. Nach dem Vorbild der Mobilfunk-Tarife würden auch alle Festnetz-Internettarife nach Erreichen eines bestimmten monatlichen Datenvolumens gedrosselt. Falls die Telekom solche Pläne umsetzt, könnten andere Provider dem Beispiel folgen. Ein Rückfall in vergangene Zeiten?

75 GB für DSL-Tarife

Konkret sollen die Tarife mit den neuen Konditionen angeblich bereits ab 2. Mai gelten. Statt Highspeed könnten Telekom-(Neu)Kunden bei Einsetzen der Drosselung bis zum Monatsende jeweils nur noch mit 384 Kilobit pro Sekunde (Kbit/s) im Netz surfen. Bei den "Call & Surf Comfort"-Tarifen sowie Entertain mit DSL 16.000 soll die Bandbreite ab 75 Gigabyte (GB) beschränkt werden. VDSL-Tarife erlauben die Nutzung von 200 GB Highspeed-Volumen.

Die Glasfaser-Varianten Call & Surf 100 bzw. Entertain 100 sollen ab 300 GB ausgebremst werden. 400 GB schnelles Datenvolumen steht schließlich für die 200 Mbit/s schnellen Fiber-Tarife bereit. Der Trend geht zur intensiveren Nutzung von Video on Demand und von HD-Angeboten im Netz. Größere Datenmengen wären also schneller erreicht.

Drosselung als Lösung für wachsenden Datenverkehr?

Telekom-Sprecher Philipp Blank nahm im Telekom-Blog Stellung zu den angeblichen Plänen. Die Einführung einer einheitlichen Drosselung wurde nicht direkt dementiert. Die Telekommunikationspreise würden seit Jahren sinken, das Datenvolumen wachse aber rasant. Die Telekom stehe also vor einer großen Herausforderung.

"Eine Lösung wäre tatsächlich, das in den Tarifen enthaltene Datenvolumen zu begrenzen", so der Sprecher. "Für die meisten Kunden wäre das integrierte Volumen völlig ausreichend", erklärt Blank. Würde mehr schnelles Datenvolumen benötigt, könne das wie im Mobilfunk nachgebucht werden. Für Bestandskunden würde sich aber ohnehin nichts ändern. Die Telekom sieht in einem solchen Modell den Vorteil, "dass nur die Kunden mehr zahlen müssten, die tatsächlich mehr Volumen beanspruchen". Die intensive Nutzung müsste nicht mehr "quersubventioniert" werden. Dennoch stellt die Telekom klar: "Bisher gibt es keine neuen Tarife. Wenn sich daran etwas ändert, werden wir darüber informieren." Bereits im vergangenen Jahr hatte die Telekom eine Drosselung für die Glasfaser-Tarife eingeführt. Diese war aber laut Telekom nur "vorsorglich" in den AGB verankert worden.

Auf Anfrage unserer Redaktion wollte der Bonner Konzern keine weitere Stellungnahme abgeben und verwies lediglich auf den aktuellen Blog-Eintrag des Unternehmens. Damit bleibt unklar, ob die nun diskutierten Konditionen mit neuer Drosselung wirklich zeitnah im Mai umgesetzt werden. Über Twitter brachte sich am Freitag auch die Konkurrenz in Stellung: 1&1 gab bekannt, keine Geschwindigkeitsreduzierungen bei klassischen DSL-Tarifen einführen zu wollen. Im Surf & Phone Flat Special ist aber auch bei dem Provider aus dem Westerwald genau das der Fall. Nach einem Verbrauch von mehr als 100 GB im Monat, reduziert 1&1 die Bandbreite von 16 auf 1 Mbit/s. Dafür ist der Tarif im Vergleich mit der regulären 1&1 Doppel-Flat 16.000 aber auch günstiger.

Zum Thema DSL-Drosselung haben wir auf der onlinekosten.de-Startseite auch eine aktuelle Umfrage gestartet.

(Jörg Schamberg)

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