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Telekom-Chef: Zeit für moderne Regulierung

Der Vorstandschef der Telekom, René Obermann, spricht in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" über den Vertrauensverlust in die Marktwirtschaft, eine moderne Marktregulierung und den Weg in die "Gigabyte-Gesellschaft".

26.04.2010, 19:31 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

René Obermann, seines Zeichens Vorstandschef der Deutschen Telekom, äußert sich in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) und dem Fernsehsender Phoenix zum laufenden Konzernumbau, dem Vertrauensverlust in die soziale Marktwirtschaft und eine moderne Regulierung des Marktes.

Geschäftspolitik mit Herz und Verstand

Laut Obermann ist die Zusammenführung der einzelnen Bereiche Festnetz, Mobilfunk und Internet eine Reaktion auf die Bedürfnisse des Marktes, der Technologien und Produkte aus einem Guss verlange. "Kunden haben kein Verständnis dafür, wenn sie wegen Mobilfunk- oder Festnetzfragen unterschiedliche Stellen anrufen müssen", so der 47-jährige Vorstandsvorsitzende. Im Vertrieb hätten beide Sparten schon eng zusammengearbeitet. Beim Strukturumbau des Konzerns müssten auch harte Einschnitte gemacht werden, wie bei der Modernisierung der Callcenter, der rund die Hälfte der 63 Servicecenter zum Opfer fielen.

Die Telekom sei kein Wohlfahrtsbetrieb, verfolge aber eine langfristige Geschäftspolitik "mit Herz und Verstand". So stelle das Ziel im Bereich des mittleren und oberen Managements bis in fünf Jahren einen 30-Prozent-Anteil von Frauen zu beschäftigen auch einen Ausdruck der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung des Konzerns dar. Die Politik habe das erfolgreich vorgemacht.

Internationale Konzerne modern regulieren

Mit Bedauern sieht Obermann einen massiven Vertrauensverlust in die soziale Marktwirtschaft durch die Wirtschaftskrise aber auch den "vielfachen Entgleisungen von Verantwortungsträgern". Es müsse ein klares Bekenntnis der Wirtschaft zu diesem System geben und auch entsprechend gehandelt werden.

Zur Marktwirtschaft zähle auch Wettbewerb, der modern reguliert werden sollte. Heute seien andere Probleme zu behandeln als bei der Privatisierung des Ex-Monopolisten. Durch das neue Kräftegleichgewicht zwischen einem Unternehmen wie der Telekom und einem "Informationsgiganten" aus den USA stellten sich auf europäischer Ebene ganz andere Fragen, erklärt Obermann. Bereiche, die keine Monopolstrukturen mehr haben, sollten endlich aus der Regulierung entlassen werden, "damit wir da auch mal frei marktwirtschaftlich handeln können."

Hohe Anforderungen durch Gigabyte-Gesellschaft

Es störe ihn zudem, dass national versucht werde, international agierende Konzerne zu reglementieren. Das Thema der Zukunft seien moderne Netze: "Wir wachsen in eine Gigabyte-Gesellschaft rein", so Obermann gegenüber der "SZ". "Das erfordert von der Branche Investitionen alleine in Deutschland in Größenordnungen von 40 bis 50 Milliarden Euro in den nächsten zehn Jahren." Solche Investitionen müssten durch eine moderne Regulierung planbar gemacht werden. Die Orientierung an fallenden Preisen im Binnenmarkt reiche da nicht aus.

Zu den Herausforderungen der Zukunft gehöre daher der Trend zur mobilen Nutzung von Internetanwendungen über das Mobilfunknetz. Während früher maximal ein paar Megabyte per Handy genutzt wurden, wird "in wenigen Jahren der durchschnittliche Kunde 10, 15 und mehr Gigabyte pro Monat" verbrauchen, was hohe Anforderungen an Schnelligkeit und Effizienz im Betrieb der Netze stelle.

(Michael Posdziech)

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