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Telekom-Chef poltert gegen Kabel-Privilegien

Telekom-Chef René Obermann ist nicht damit einverstanden, dass Kabelnetzbetreiber ihre monopolartige Stellung im TV-Geschäft missbrauchen, um Breitband-Anschlüsse zu vermarkten. Trotzdem soll das Glasfasernetz weiter wachsen. Derzeit wird der Ausbau in über 100 Städten ausgelotet.

12.05.2011, 16:21 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Telekom-Chef René Obermann hat auf der Hauptversammlung des Bonner Konzerns fairere Regelungen für Breitband-Anschlüsse in Deutschland gefordert. In der Lanxess Arena in Köln nahm er am Donnerstag nicht nur den Regulierer in die Pflicht, sondern übte auch Kritik an der monopolartigen Stellung der Kabelnetzbetreiber im TV-Geschäft.

Kritik an Kabelnetzbetreibern

Anbieter wie Kabel Deutschland, Unitymedia und Kabel BW seien in der Lage, ihre gute Ausgangslage mit Kabel-TV-Anschlüssen zu nutzen, um ihre Macht auf den Breitbandmarkt zu übertragen und dabei überhaupt nicht reguliert zu werden, sagte der Telekom-Manager. "Die Mieter kommen doch in weiten Teilen gar nicht aus bestehenden Verträgen mit Kabelanbietern heraus, da der Kabelanschluss in den Mietnebenkosten bereits enthalten ist. Wie wollen sie da den Anbieter wechseln und zu uns kommen? Wir brauchen hier endlich gleiche Regeln für alle", polterte Obermann mit Blick auf das eigene TV-Angebot Entertain.

Auch die Telekom wolle in moderne Glasfasernetze investieren, doch dafür sei eine "moderne Regulierung" notwendig. Eine Regulierung, "die sich auf das notwendige Maß beschränkt […] und darauf verzichtet, Preise nur immer weiter zu senken", sagte Obermann. Im laufenden Jahr sollen rund 160.000 Haushalte an das Glasfasernetz der Telekom angeschlossen werden. Für 2011 sehen die Planungen vor, rund 10 Prozent der Telekom-Anschlüsse für das Hochgeschwindigkeitsnetz vorzubereiten. "Wir prüfen derzeit den Ausbau in über 100 Städten", sagte Obermann.

Der Telekom-Boss hofft dabei auch auf die Unterstützung von Kommunen und Immobilieneigentümern. Die Planungen seien nur dann umsetzbar, "wenn uns Hauseigentümer und Wohnungswirtschaft die entsprechenden Arbeiten ermöglichen. Ohne ihre Zustimmung können wir unsere Kunden nicht erreichen, kommen wir nicht in die Häuser und Wohnungen." Auch von Fragen wie diesen hänge es ab, ob es der Telekom gelinge, im Jahr 2012 einige Hunderttausend Anschlüsse oder mehr ans Glasfasernetz anzuschließen.

LTE als Hoffnungsträger

Große Hoffnungen setzt der ehemalige Monopolist auch in sein LTE-Netz, das nach und nach an immer mehr Mobilfunk-Basisstationen aktiviert wird. "Derzeit schließen wir rund 1.000 Haushalte pro Woche an", sagte Obermann. Im Laufe des Jahres wird Köln als erste Großstadt von LTE-Angeboten profitieren können - und weitere Städte sollen folgen.

Geplant ist auch, die Roaming-Konditionen weiter zu verbessern, um das mobile Internet auch im Ausland salonfähig zu machen. "Wenn wir hier keine günstigen und einfachen Angebote machen können, verärgern wir unsere Kunden. Und verärgerte Kunden werden unsere Produkte nicht nutzen." Deshalb seien die Roamingpartner der Telekom gut beraten, ihre Vorleistungspreise weiter abzusenken, so Obermann, der für den Beginn der Hauptferienzeit neue Roaming-Tarife ankündigte, der in der gesamten EU gültig sein werden. Unter anderem soll es eine Internet-Flatrate für 15 Euro pro Woche geben.

(Hayo Lücke)

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