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Telekom-Chef macht Innovationen zur Chefsache

Die Deutsche Telekom verliert laut "Handelsblatt" ihren Technik-Vorstand Edward R. Kozel, der den Bonner Konzern zum Jahresende verlassen will. Telekom-Chef Obermann will den Bereich Technologie und Innovationen vorläufig selbst übernehmen.

18.11.2011, 12:24 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Der Telekommunikationsmarkt ist im Umbruch. Smartphones und Apps liegen im Trend, Internetanbieter wie Facebook, Google und Amazon dominieren zunehmend den Alltag der Internetnutzer. Die Deutsche Telekom, DSL-Marktführer und Mobilfunknetzbetreiber, erweist sich bei diesen schnellen Umwälzungen als recht schwerfällig. Die Zahl der klassischen Festnetzkunden schrumpft, zudem drücken sinkende Mobilfunkpreise die Umsätze. Auch der geplante Verkauf von T-Mobile USA droht am Widerstand des US-Justizministeriums zu scheitern. Ausgerechnet in diesen schwierigen Zeiten wird ein leitender Manager und Hoffnungsträger von Bord gehen. Das "Handelsblatt" hat aus Unternehmenskreisen erfahren, dass der Technologie- und Innovationsvorstand Edward Kozel die Telekom zum Ende des Jahres verlassen will.

Kozel scheitert an trägen Konzernstrukturen

Seinen bis 2015 laufenden Vertrag würde der 56-jährige Kalifornier damit vorzeitig beenden. Der Aufsichtsrat soll am 15. Dezember über die Personalie entscheiden, das Unternehmen selbst äußerte sich nicht dazu. Telekom-Chef René Obermann will den Bereich Technologie und Innovationen nach Angaben der Zeitung zur Chefsache machen und für eine Übergangszeit selbst Neuerungen wie Bezahlen per Handy beim Bonner Konzern vorantreiben.

Der US-Amerikaner Kozel hatte seinen Vorstandsposten bei der Telekom erst im Mai des vergangenen Jahres angetreten, zuvor war er unter anderem Technikchef beim US-Konzern Cisco. Die Telekom versprach sich frischen Wind im Großkonzern, der Erfindergeist des Silicon Valley sollte durch die Bonner Zentrale wehen. Der neue Technik-Vorstand regte an, dass die Telekom mehr auf externe Entwickler setzen soll, nicht alles müsse der Bonner Konzern selbst neu erfinden.

Kozel soll jedoch an den starren, trägen Strukturen innerhalb des Unternehmens gescheitert sein und jetzt resigniert aufgegeben haben. Interne Kritiker werfen ihm vor, in den rund anderthalb Jahren seiner Tätigkeit nur wenig Neues wie den Online-Kiosk Page-Places umgesetzt zu haben.

Obermann will mehr Gas bei Innovationen geben

Doch ist Obermann der richtige Mann, um die Telekom fit für die Zukunft zu machen? Der Telekom-Chef hatte auch T-Mobile USA zur Chefsache erklärt. Als Ergebnis wurde der Verkauf der US-Mobilfunktochter beschlossen. Zudem setzt Obermann auf immer neue Einsparungen im Konzern, eine langfristige Wachstumsstrategie und eine Vision vermissen Kritiker. Der Telekom-Chef macht sich selbst angreifbar, wenn die Innovationen nicht vorankommen.

Dabei weiß Obermann selbst, wie wichtig der Technologie-Bereich ist. "Innovationen und organisches Wachstum sind ein ganz wichtiges Thema für uns in den kommenden Jahren. Da müssen wir mehr Gas geben", hatte der Konzernchef erst in der vergangenen Woche bei der Vorstellung der Quartalszahlen betont. Am Vorstandsbereich Technologie und Innovation soll Obermann angeblich nicht nur für eine Übergangszeit interessiert sein. "Er hat Lust darauf und ist fasziniert von der Bewegung im Markt", zitiert das "Handelsblatt" einen Vertrauten des Telekom-Chefs.

(Jörg Schamberg)

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