"Welt"-Interview

Telekom-Chef Höttges: "Die Deutsche Telekom investiert nur noch in Glas"

Telekom-Chef Höttges erwartet von der kommenden Bundesregierung einen neuen Telekommunikations-Deal. Der Bonner Konzern mache beim Glasfaserausbau "Riesenfortschritte" und sei zudem der größte Ausbauer im ländlichen Raum.

Timotheus Höttges© Deutsche Telekom AG

Berlin – Timotheus Höttges, Chef der Deutschen Telekom (www.telekom.de Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können. Sie können dieses Produkt natürlich auch woanders kaufen; der hier integrierte Werbelink ist ein Vorschlag und stellt weitere Informationen zur Verfügung. Partnerprogramme haben keinerlei Einfluss auf unsere redaktionelle Berichterstattung, Preise oder Platzierungen in Tarifrechnern.), sieht die Digitalisierung in Deutschland "voll angekommen". Zudem reklamiert er für sein Unternehmen "Riesenfortschritte" beim Thema Netzausbau. Zugleich drängte Höttges im Interview mit der "Welt" unter anderem auf eine andere Regulierung.

Telekom-Ziel: 100 Mbit/s für 80 Prozent der Bevölkerung

"Die Deutsche Telekom investiert nur noch in Glas. Wir haben letztes Jahr 30.000 Kilometer bauen wollen, wir haben 40.000 Kilometer gebaut. Alle drei Minuten haben wir einen der grauen Kästen mit Glasfasertechnologie entsprechend angeschlossen", betont der Telekom-Manager.

Die Telekom habe das Ziel 80 Prozent der Bevölkerung mit bis zu 100 Mbit/s schnellen Internetanschlüssen zu versorgen. Dies werde in Kürze erreicht. An die kommende, neue Bundesregierung appelliert der Telekom-Chef: "Wir brauchen einen neuen Telekommunikations-Deal."

Höttges fordert starke europäische Telekommunikationsunternehmen

Es müsse jetzt ein europäischer digitaler Markt geschaffen werden, damit man weltweit bestehen könne. Es seien große internationale Kommunikationsunternehmen in Europa erforderlich, dafür müssten die regulatorischen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Höttges hat sich in der Vergangenheit immer wieder für solche europäischen Champions stark gemacht. Zudem brauche ein solcher europäischer Markt "Funkspektrum, was überall funktioniert". Dies sei insbesondere für 5G und das Internet der Dinge erforderlich.

Höttges: Kupferader wird noch über Kaiser Wilhelm reguliert

Vor allem fordert Höttges aber eine andere Regulierung. "Wir regulieren die ehemals allen gehörende Kupferader immer noch über Kaiser Wilhelm, aber wir bauen jetzt neue Netze". Es könne doch nicht sein, dass ein privater Betreiber wie die Deutsche Telekom Glasfaserinfrastruktur bis zum Haus baue, "dass sofort unsere Wettbewerber die zu regulierten Vorleistungspreisen benutzen können", so Höttges. So entstehe kein Infrastrukturwettbewerb. "Wir können so nicht investieren, obwohl wir 5 Milliarden Euro heute schon investieren und mehr machen wollen". Höttges kritisiert, dass die Wettbewerber nicht mehr beim Glasfaserausbau zum Zuge kommen. Sie würden ohnehin denken: "Ich kriege doch immer die Infrastruktur der Deutschen Telekom".

Telekom-Chef: "Die Vodafones und Telefónicas gehen nur in die Städte"

Befragt zu noch unversorgten Gebieten in ländlichen Regionen erklärte Höttges: "Jedes Funkloch ärgert mich." Man konzentriere sich darauf Funklöcher zu versorgen. Wichtig sei jedoch, wie man das schnelle Internet in jeden Haushalt rein bekomme. "Die Glasfasertechnologie, die bis zum Haus führt, ist eine Möglichkeit, um das zu erreichen." Man müsse jetzt aber auch den ländlichen Raum erreichen.

"Es wird oftmals nur über die Städte geredet. Die Vodafones und Telefónicas gehen nur in die Städte.", so der Vorstandsvorsitzende der Telekom. "Die Deutsche Telekom ist der Ausbauer im ländlichen Raum", betont Höttges. "Hier bauen wir über 80 Prozent aller entsprechenden Haushalte in den nächsten Jahren mit Vectoring und Supervectoring bis 250 Mbit/s aus. Das ist das größte Investitionsprogramm, was die Deutsche Telekom je gestemmt hat. Wir investieren 5 Milliarden pro Jahr alleine am Standort Deutschland." Die Netzausbaustrategie der Telekom steht immer wieder in der Kritik der Wettbewerberverbände. Diese verweisen darauf, dass die alternativen Netzbetreiber den Großteil des Glasfaserausbaus bis in die Häuser stemmen. Die Telekom setze dagegen zunächst vorwiegend auf Vectoring.

Glasfaser für 80 Prozent aller Industriegebiete?

Nicht nur ein Großteil der deutschen Haushalte soll schnelles Internet erhalten: "Wir sind gerade in der Diskussion: Was wären die Rahmenbedingungen, wenn wir zusagen, dass die Deutsche Telekom 80 Prozent aller Industriegebiete mit Glasfaser versorgen würde, damit besonders die Digitalisierung bei den Gewerbebetrieben, bei den Unternehmen entsprechend heute schon mit schnellem und starken Internet stattfinden kann", erklärt Höttges.

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Jörg Schamberg

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