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Telekom bläst zum Angriff auf Kabel-Konkurrenz

Die Deutsche Telekom will laut "FTD" den Kabelnetzbetreibern verstärkt Kunden abjagen und Wohungsgesellschaften umwerben. Entertain soll über die Kabelnetzsteckdose auch ohne Internetanschluss empfangbar sein.

26.04.2011, 12:38 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Die Deutsche Telekom spürt zunehmend die Konkurrenz der Kabelnetzbetreiber, die erfolgreich Neukunden mit ihren Internet- und Telefonieprodukten gewinnen. Doch laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" (FTD) geht der Bonner Konzern nun offenbar zum Gegenangriff über. Ziel der Attacke sind die Wohnungsgesellschaften, die bislang als Bastion der Kabelnetzbetreiber gelten.

Langfristverträge mit Wohnungsgesellschaften

Die großen Kabelnetzbetreiber wie Kabel Deutschland, Unitymedia oder Kabel BW aber auch kleinere lokale Anbieter haben mit den Wohnungsgesellschaften häufig lukrative Rahmenverträge mit Laufzeiten von fünf bis sieben Jahren geschlossen. Mieter in Wohnungen dieser Gesellschaften sind zum TV-Empfang damit vertraglich an den entsprechenden Kabelnetzbetreiber gebunden. Über die Nebenkosten zahlen Kunden einen reduzierten monatlichen Preis von 8 bis 10 Euro für den Kabelanschluss. Das mögliche Kundenpotential ist groß, der Branchenverband der Wohnungsgesellschaften GdW verfügt über sechs Millionen Mietwohnungen, das entspricht rund 30 Prozent aller Mietwohnungen in Deutschland. Das reizt auch die Telekom, denn sie konnte bis Ende des vergangenen Jahres erst 1,2 Millionen Kunden für ihr TV-Produkt Entertain gewinnen. "Wir sehen die Wohnungswirtschaft als ein Wachstumssegment", sagt Thomas Berlemann, Telekom-Vertriebschef für Deutschland.

Entertain über die Kabeldose - TV-Empfang auch ohne Internet

Um den Kabelnetzbetreibern Kunden abzujagen, hat der ehemalige Monopolist sein Entertain-Paket speziell für Wohnungsgesellschaften angepasst. "Wir wollen erst einmal die TV-Grundversorgung sicherstellen", erläutert Berlemann. Der Entertain TV-Empfang soll über die Kabelnetzsteckdosen statt über die das Telekonkabel erfolgen. Zudem lässt sich Entertain auch ohne gleichzeitige Bestellung eines Internetzugangs buchen. Die Telekom zielt mit ihrer neuen Offensive auf Wohnungsgesellschaften, deren Verträge mit Kabelnetzbetreibern auslaufen. Auch bei Ausschreibungen von neuen Wohnanlagen will sich der Bonner Konzern künftig stärker engagieren. "Es ist für uns von strategischer Bedeutung, weil wir damit einen Schritt weiter in Richtung Fernsehen machen", betont Berlemann die neue Fokussierung auf die Wohnungsgesellschaften. Diesen kann das Buhlen der Telekom nur recht sein, da sie von einem größeren Wettbewerb profitieren. Zwei Wohnungsbaugesellschaften habe die Telekom bereits gewinnen können.

Unitymedia plant neuen Markenauftritt - Attacke gegen Telekom & Vodafone

Die Kabelnetzbetreiber ihrerseits sehen jedoch nicht tatenlos zu, wie die Telekom in ihrem klassischem Geschäftsbereich wildert. Der neue Unitymedia-Geschäftsführer Lutz Schüler erläuterte gegenüber der "FTD", dass sein Unternehmen eine Offensive gegen die großen Provider wie die Telekom und Vodafone starten wolle. Ziel sei mit in der ersten Reihe der Internetanbieter mitzuspielen. "Wenn Kunden an einen Internetanbieter denken, denken bisher nur zwei von zehn Leuten an Kabelanbieter", sieht Schüler noch erheblichen Nachholbedarf. Gerade mit Internetanschlüssen will Unitymedia noch wachsen. Erst 17 Prozent der rund 4,5 Millionen Unitymedia TV-Kunden haben auch einen Internetanschluss bei dem Kölner Unternehmen gebucht. Schüler setzt unter anderem auf mehr Präsenz vor Ort: "Wir benötigen mehr Läden." Außerdem soll Unitymedia einen neuen Markenauftritt erhalten und sich auch online stärker bemerkbar machen. Details zu der neuen Kampagne gab der Unitymedia-Chef aber bislang noch nicht bekannt.

Beim Wachstum helfen sollen darüber hinaus Mobilfunk-Angebote und ein neuer 3D-Kanal, wie Schüler gegenüber dem Branchendienst ProMedia sagte. Wann das Mobilfunk-Angebot starten soll ist bisher noch unklar, Schüler könnte aber auf kurzem Wege seine sehr guten Kontakte nach München zu Telefónica (o2) spielen lassen. Von dort wechselte der Manager zunächst nach Hamburg um die DSL-Marke Alice zu pushen, bevor er schließlich zum Jahreswechsel 2011 in Köln bei Unitymedia anheuerte. Der 3D-Kanal könnte dem Vernehmen nach schon im Mai an den Start gehen.

(Jörg Schamberg)

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