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Telekom bestätigt Lockerung der DSL-Drosselung: "Werte nicht in Stein gemeißelt"

Die Telekom gab am Mittwoch auch offiziell die Anhebung der Drossel-Bandbreite auf 2 Mbit/s bekannt. Der Konzern habe auf die Hauptsorge der Kunden reagiert. Die Werte seien zudem dynamisch und könnten sich 2016 je nach Marktlage noch einmal ändern.

12.06.2013, 12:23 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Nun ist es offiziell: Die Deutsche Telekom hat am Mittwoch in einer Telefonkonferenz die Anhebung der Bandbreite für gedrosselte Flatrates auf 2 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) bestätigt. Ursprünglich hatte der Bonner Konzern die Surfgeschwindigkeit ab 2016 nach Verbrauch des Inklusivvolumen auf 384 Kilobit pro Sekunde (Kbit/s) absenken wollen. In den vergangenen Wochen hatte sich unter anderem daran jedoch heftige Kritik von Kunden, Politik und Wirtschaft entfacht.

"Haben die Hauptsorge der Kunden verstanden"

"In den letzten Wochen haben wir intensive Diskussionen mit unseren Kunden geführt", erklärte Telekom-Marketingchef Michael Hagspihl. Das Unternehmen habe auf das Feedback gehört und verstanden was die Hauptsorge der Kunden sei. "Die Mindestbandbreite wird verfünffacht", betonte er mit Hinweis auf die Anhebung der Drossel auf 2 Mbit/s. Das sei doppelt so viel wie der Mindestrichtwert der Breitbandstrategie der Bundesregierung.

"Mit 2 Mbit/s sind nahezu alle Usecases für den Kunden in entsprechender Qualität weiter durchführbar", erläuterte Hagspihl. Faktisch wird es aber Einschränkungen unter anderem für HD-Streams bedeuten. Die Inklusivvolumina seien aber großzügig bemessen. Angaben zum Upstream machte die Telekom zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Faktisch erfolge die Umsetzung ohnehin erst 2016. "Eine weitere Sorge, die wir oft gehört haben, ist, dass beispielsweise Familien mit den bisher definierten Volumina in Zukunft nicht auskommen werden", so der Telekom-Manager weiter. "Wir stehen im Wettbewerb und es ist doch klar, dass wir diesen Sorgen Rechnung tragen und für alle Zielgruppen attraktive Tarifpakete schnüren werden. Aber es ist zu früh, über Details der Tarife in drei Jahren zu sprechen."

Dynamische Werte, die "nicht in Stein gemeißelt" sind

Die nun verkündete Änderung gelte auch rückwirkend für alle seit dem 2. Mai neu abgeschlossenen DSL-Verträge. Zugleich machte Hagsphil deutlich, dass es sich um dynamische Werte handele, die "nicht in Stein gemeißelt" seien. "Wir stellen uns der Realität am Markt und werden genau anschauen, wie sich der Datenverkehr entwickeln wird. Auch die Inklusivvolumina könnten daher 2016 gegebenenfalls angepasst werden.

Weiter auf Seite 2: Telekom: Entertain ist kein Internet

An der Strategie der Telekom habe sich aber nichts geändert. "Wir werden unsere Tarife differenzieren, wir wollen auch zurückverdienen können". Dies sei angesichts von Festnetz-Investitionen von rund 6 Milliarden Euro in den kommenden Jahren auch notwendig.

Power-User müssen extra zahlen

Ziel sei es, insbesondere auch in den ländlichen Gebieten das "beste und schnellste Internet für alle Kunden zu ermöglichen". Wer das Internet besonders intensiv nutze, solle auch einen Kostenbeitrag leisten. "Das finden wir gerecht", fügte der Telekom-Manager hinzu. "Es geht uns darum, dass der durchschnittliche Haushalt in Zukunft weniger zahlen muss", so der Marketing-Chef. Konkrete Details zu den kommenden Preisen könne er zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht nennen.

Telekom: Entertain ist kein Internet

An den Plänen für die sogenannten "Managed Services" will die Telekom festhalten. Dienste von Partnern werden bevorzugt behandelt und die Drosselung nicht auf sie angewandt. Der Kritik an der Ausklammerung von Entertain aus der Drosselung hält Hagspihl entgegen: "Entertain ist lineares Fernsehen und kein Internet". Eine Entscheidung zur Behandlung des eigenen Videoportals Videoload sei noch nicht gefallen. "Wir wollen keine Anbieter diskriminieren".

"Wir alle hier werden eine Weiterentwicklung des Internets erleben, die möchten wir mitgestalten". Bei den Diensten werde sich viel tun. Die Diskussion um die Drossel-Pläne der vergangenen Wochen hätte bislang keinen Effekt auf die Kundenzahlen gehabt. Der Wettbewerb sei hart. "Mit dem Festnetzgeschäft sind wir aber nach wie vor zufrieden."

(Jörg Schamberg)

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