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Telekom beantragt TAL-Erhöhung auf 12,37 Euro

Die Deutsche Telekom fordert von der Bundesnetzagentur eine investitionsfreundliche Regulierungspolitik und drängt auf stabile TAL-Entgelte. Die jetzt beantragte Erhöhung der TAL-Miete soll erstmals für einen Zeitraum von drei statt zwei Jahren gelten. Kritik kommt vom VATM.

22.01.2013, 11:29 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Der Countdown läuft: Das von der Bundesnetzagentur genehmigte Entgelt für die Überlassung der Teilnehmeranschlussleitung, der sogenannten "letzten Meile", gilt noch bis zum 30. Juni dieses Jahres. Derzeit zahlen Wettbewerber für die Miete der TAL, der Leitung zwischen der örtlichen Vermittlungsstelle (Hauptverteiler) und dem Anschluss beim Kunden, monatlich 10,08 Euro an die Deutsche Telekom. Am Dienstag hat der Bonner Konzern bei der zuständigen Bundesnetzagentur nun eine Erhöhung des monatlichen Entgelts auf 12,37 Euro beantragt.

Telekom drängt auf langfristig stabiles TAL-Entgelt

Der Genehmigungszeitraum soll zudem erstmals drei Jahre statt bislang zwei Jahre betragen. Eine Option soll zusätzlich eine Verlängerung um weitere drei Jahre bis zum 31.12.2019 ermöglichen. Der ehemalige Monopolist drängt auf langfristig stabile TAL-Entgelte und Investitionssicherheit. In den kommenden drei Jahren will die Telekom 30 Milliarden Euro in den Netzausbau investieren.

Telekom-Deutschland-Chef Niek Jan van Damme beruft sich auch auf Brüssel. "Wir nehmen EU-Kommissarin Neelie Kroes beim Wort und erwarten konkrete Anreize für unsere milliardenschweren Investitionsvorhaben", betont van Damme. Im vergangenen Sommer hatte Kroes sich für stabile TAL-Entgelte ausgesprochen. Berücksichtigt werden sollten künftig auch Faktoren wie die allgemeine Preissteigerung.

Telekom fordert investitionsfreundliche Regulierung

Die Telekom fordert von der Bonner Regulierungsbehörde zudem bei der TAL die Anerkennung von Kosten für Abfindungsprogramme und die Beschäftigungsgesellschaft Vivento. Eine solche Anrechnung ermöglicht das überarbeitete deutsche Telekommunikationsgesetz. "Die Bundesnetzagentur sollte jetzt die Chance für eine investitionsfreundliche Regulierungspolitik nutzen", erklärt van Damme. "Wer Breitbandnetze massiv ausbaut, braucht Sicherheit darüber, dass die Infrastruktur nicht weiter entwertet wird", macht der Telekom-Manager klar. Die Telekom sieht sich mit ihrer Position nicht alleine. Anbieter, die selbst in eigene Netze investieren wie die Kabelnetzbetreiber sowie die Mitglieder des BUGLAS-Verbandes, darunter die Stadtnetzbetreiber NetCologne und M-Net, hätten sich ebenfalls für stabile TAL-Entgelte ausgesprochen.

Die Bundesnetzagentur hat die TAL-Anträge der Telekom in den vergangenen Jahren nicht einfach durchgewunken, sondern hat das TAL-Entgelt seit 1999 schrittweise von damals 12,98 Euro auf heute 10,08 Euro gesenkt. Für die Telekom ist die TAL von großer Bedeutung, immerhin vermietet das Unternehmen derzeit rund 9,5 Millionen TAL an die Wettbewerber. Auch für die sogenannte KVz-TAL, den kürzeren Netzabschnitt zwischen Kabelverzweigern am Straßenrand und dem Anschluss in der Wohnung hat die Telekom ein höheres Entgelt von monatlich 8,80 Euro statt bislang 7,17 Euro beantragt. Ein Sprecher der Bundesnetzagentur bestätigte den Eingang des Antrags laut Nachrichtenagentur dpa und kündigte eine Entscheidung in etwa zehn Wochen an. Die Telekom hatte zuletzt 2011 erfolglos eine Erhöhung des TAL-Entgelts von damals 10,20 Euro auf 12,90 Euro beantragt.

VATM kritisiert hohe TAL-Entgelte als "Gift für den Breitbandausbau"

Die im VATM zusammengeschlossenen Wettbewerber kritisierten in einer ersten Reaktion die beantragte TAL-Erhöhung um fast 23 Prozent. Hohe Preise für die Miete der Teilnehmeranschlussleitung sind laut VATM Gift für den Breitbandausbau und würden den Bürgern doppelt schaden. "In Deutschland wird nach mehr als zehn Jahren auch ganz offenkundig, dass zu hohe Mietpreise den Breitbandausbau bis zum Kabelverzweiger massiv behindern", kritisiert VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner. "Der Netzausbau bis zu den grauen Verteilerkästen am Gehwegrand ist zumindest hierzulande von allergrößter strategischer Bedeutung für die nächsten Jahre. Hier entscheidet sich, ob wir in Deutschland eine flächendeckende Versorgung mit 50 Mbit/s und mehr bekommen oder nicht", betont Grützner.

"Die Telekom baut meist dort, wo die Kabelnetzbetreiber schon größte Konkurrenz machen. Und der Ausbau mit Glasfaser bis in alle Häuser – FTTH – in Deutschland wird eher 20 als zehn Jahre dauern", zeigt sich Grützner pessimistisch. "Daher müssen wir es schaffen, die Glasfaser wenigstens bis in alle Gemeinden zu bekommen", fordert der VATM-Geschäftsführer. "Statt 80 bis 100 Milliarden über Jahrzehnte in den FTTB/H-Ausbau zu stecken, müssen wir erst versuchen, den zehn Mal billigeren FTTC-Ausbau bis zum Kabelverzweiger zu schaffen, wenn wir die Ziele der Bundesregierung ernst nehmen", so Grützner weiter.

(Jörg Schamberg)

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