VATM fordert stärkere TAL-Senkung

Telekom: Absenkung der TAL-Entgelte ist Entscheidung gegen Breitbandausbau

Die Bundesnetzagentur will die TAL-Entgelte ab Juli 2016 leicht absenken. Die Telekom kritisiert den Vorschlag, der für den Aufbau der Gigabit-Netze nicht hilfreich sei. Der VATM sieht die TAL-Absenkung dagegen noch als zu niedrig an. Der BUGLAS kritisiert den Zickzack-Kurs des Regulierers.

Jörg Schamberg, 20.04.2016, 15:33 Uhr
Telekom-Zentrale© Deutsche Telekom AG

Bonn/Köln - Am Mittwoch hatte die Bundesnetzagentur einen Vorschlag zur moderaten Absenkung der TAL-Entgelte ab 1. Juli 2016 vorgelegt. Demnach soll das monatlich von den Wettbewerbern an die Telekom für die Nutzung der Teilnehmeranschlussleitung am Hauptverteiler zu zahlende Entgelt um 17 Cent auf 10,02 Euro abgesenkt werden. Das TAL-Entgelt am Kabelverzweiger könnte minimal um 2 Cent auf 6,77 Euro gesenkt werden. Der Bundesverband Breitbandkommunikation hatte die geplante Entgeltabsenkung in einer ersten Stellungnahme ausdrücklich begrüßt. Nun haben sich auch die Deutsche Telekom selbst und der Branchenverband VATM zu Wort gemeldet.

Telekom: Konzern investiert am meisten in Glasfaserausbau

"Die Absenkung der Entgelte ist eine Entscheidung gegen den Breitbandausbau. Statt Preise zu senken, wäre es notwendig gewesen, Anreize für Unternehmen so zu setzen, dass sich zusätzliche Investitionen in moderne Netze lohnen", so die Bewertung der Telekom. Nach Angaben des Bonner Konzerns sei die Telekom das Unternehmen, das am meisten in moderne Glasfasernetze in Deutschland investiere. Das von dem ehemaligen Monopolisten betriebene Glasfasernetz sei mit einer Länge von über 400.000 Kilometern einer des größten europäischen Glasfasernetze.

TAL-Absenkung nicht hilfreich für Aufbau der Gigabitnetze

"Allein in den vergangenen fünf Jahren hat die Telekom über 120.000 Kilometer Glasfaser neu verlegt. Das ist mehr als die Wettbewerber insgesamt an Glasfasernetz ausgebaut haben", so ein Telekomsprecher. Die Wettbewerber würden dagegen "lieber auf die Nutzung unseres Netzes und niedrige Vorleistungspreise" setzen. Das die Bundesnetzagentur durch die nun vorgeschlagene TAL-Absenkung unterstütze, sei für den Aufbau der Gigabitnetze "nicht hilfreich".

Nach Angaben des Glasfaserverbandes BREKO seien dagegen laut Zahlen von Sommer 2015 mehr als 80 Prozent des Glasfaserausbaus (FTTB / FTTH) in Deutschland durch die alternativen Netzbetreiber durchgeführt worden. Von den aktuell rund 2,65 Millionen FTTB-/FTTH-Anschlüssen würden mit 1,28 Millionen knapp die Hälfte aller direkten Glasfaseranschlüsse von Netzbetreibern des BREKO zur Verfügung gestellt, so der Verband.

VATM: TAL-Absenkung ist "deutlich zu niedrig ausgefallen"

Eine andere Sichtweise als die Telekom vertritt naturgemäß der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten e. V. (VATM), in dem Wettbewerber der Telekom organisiert sind. "Es ist positiv zu bewerten, dass die Bundesnetzagentur eine leichte Absenkung der Entgelte für die Teilnehmeranschlussleitung (TAL) beschlossen hat. Die minimale Reduzierung des Mietpreises für die Leitung vom Kabelverzweiger (KVz) bis zum Endkunden ist jedoch mit zwei Cent (-0,3%) deutlich zu niedrig ausgefallen", kommentiert VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner die Entscheidung der Bundesnetzagentur.

"Gerade der Kabelverzweiger wird für den weiteren Breitbandausbau eine zentrale Rolle spielen. Die Entgelte befinden sich immer noch auf überhöhtem Niveau. Für altes Kupferkabel zahlen wir unverändert die Kosten für den hypothetischen kompletten Neubau der angemieteten sogenannten letzten Meile bis zum Kunden“ so Grützner weiter.

VATM: Telekom hat erheblich weniger in das Netz investiert als durch Entgelte eingenommen

Laut VATM hätte die Telekom im Zeitraum von 1999 bis 2015 über die regulatorisch festgesetzten Entgelte rund 40 Milliarden Euro anhand von Abschreibungen verdient. Im gleichen Zeitraum habe der Bonner Konzern aber nur 18 Milliarden Euro in das Anschlussnetz investiert. Somit ergebe sich eine Lücke von mehr als 20 Milliarden Euro. Der VATM beruft sich bei diesen Zahlen auf die Studie "TAL-Preise - Investition und Wettbewerb in Deutschland" von Dr. Karl-Heinz Neumann und Professor Ingo Vogelsang.

"Den Vorleistungsnachfragern, also den Wettbewerbern, hingegen wurden eigene Finanzmittel durch die überhöhten Entgelte entzogen“, betont VATM-Geschäftsführer Grützner. Der VATM fordert einen stärkeren Anreiz für die Telekom, damit diese sich vom Kupfer löse und in Glasfasernetze inklusive Vorleistungsprodukte investiere. "Das Modell der Bundesnetzagentur ist nicht zukunftssicher und bereitet nicht den Weg in die Gigabit-Gesellschaft. Weitermachen wie bisher darf es nicht geben“, betont Grützner.

BUGLAS kritisiert Zickzack-Kurs des Regulierers

Eine Stellungnahme zum TAL-Entgelt-Vorschlag der Bundesnetzagentur veröffentlichte am Mittwoch auch der Bundesverband Glasfaseranschluss (BUGLAS), der den Konsultationsentwurf aber nur als teilweise positives Signal sieht. Der BUGLAS hatte sich auch beim Entgelt für die TAL am Kabelverzweiger (KVz) für eine stärkere Senkung ausgesprochen. "Hier schlägt der Regulierer nun aber eine Absenkung von nur 2 Cent vor, also eine Reduktion von 0,2 Prozent. Angesichts der Tatsache, dass bei der KVz-TAL seit der letzten Entgeltentscheidung im Jahr 2013 das durch die Vectoringentscheidung induzierte Windhundrennen stattgefunden hat, ist diese Mikro-Absenkung deutlich zu niedrig", betont BUGLAS-Geschäftsführer Wolfgang Heer.

"Ein stattdessen weiter aufgespreiztes Entgelt für die KVz-TAL könnte hingegen einen Investitionsimpuls für den weiteren KVz-Ausbau liefern. Stattdessen soll jetzt das Auslaufmodell Hauptverteiler-TAL vergleichsweise deutlich günstiger werden. Dieser Zickzack-Kurs des Regulierers ist für den BUGLAS nicht nachvollziehbar", so Heer weiter.

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