Radikalkur

Telefónica will Teile des Lateinamerika-Geschäfts loswerden

Die spanische Telefónica plant einen großen Umbau. Unter anderem sollen große Teile des Lateinamerika-Geschäfts abgespaltet werden. Um wieder profitabler zu werden, will man sich auf die Kernmärkte in Europa und Brasilien konzentrieren.

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Telefónica-Chef José María Álvarez-Pallete will den spanischen Konzern angesichts schwächerer Entwicklung in ehemaligen Wachstumsmärkten in den kommenden Jahren umkrempeln. Das soll mehr Wachstum bringen und die Spanier profitabler machen, wie der Mutterkonzern von Telefónica Deutschland (O2) am Mittwochabend in Madrid mitteilte. Álvarez-Pallete will vor allem beim seit Jahren schwächelnden Geschäft in Lateinamerika nicht weiter tatenlos zusehen - die umfangreichen Teilgesellschaften in Süd- und Mittelamerika sollen mit Ausnahme von Brasilien abgespalten werden.

Telefónica will sich auf Kernmärkte konzentrieren

Der Konzern will sich auf die Kernmärkte Spanien, Brasilien, Großbritannien und Deutschland konzentrieren, die für rund 80 Prozent des Umsatzes und des operativen Gewinns stehen. Die Abspaltung großer Teile in Lateinamerika könnte mitunter Geld in die Kassen spülen, dass dann wiederum für Zukäufe genutzt werden kann. Die Konzernzentrale soll zudem schlanker werden.

Mit den Maßnahmen will Telefónica bis 2022 mehr als zwei Milliarden an zusätzlichen Erlösen erzielen und die operative Marge beim Mittelzufluss um zwei Prozentpunkte erhöhen, hieß es weiter. Der Großteil des Wachstums soll laut dem Management aus eigener Kraft kommen.

Mit Fünf-Punkte-Plan auf neuem Kurs

Mit einem Fünf-Punkte-Plan wollen die Madrilenen sich wieder aufs richtige Gleis setzen. Der Aktienkurs sinkt seit Jahren, zuletzt war ein Papier weniger als 7 Euro wert - vor gut vier Jahren war es noch mehr als doppelt so viel. Seit Anfang 2015 hat Telefónica beim Aktienkurs mit minus 40 Prozent so schlecht abgeschnitten wie im europäischen Branchenindex sonst nur die britische BT Group - die mit einem Bilanzskandal sowie dem Brexit-Votum zu kämpfen hatte. Am Donnerstag fruchtete das Vorhaben bei den Anlegern noch nicht so recht, Telefónica-Aktien legten in Madrid nach dem Handelsstart um ein Prozent zu.

Neue Sparten für Infrastruktur und Geschäftskunden

Álvarez-Pallete will im Umbau auch eine Technologiesparte für Geschäftskunden formen. Damit will Telefónica unter anderem im Geschäft mit der Vernetzung von Maschinen, Cloud und Cybersecurity wachsen. Außerdem soll eine neue eigene Infrastruktursparte entstehen, die auch Dienstleistungen für andere Telekomfirmen anbietet. Darin soll auch die Funkturmtochter Telxius eingebracht werden. In der Infrastruktursparte kann sich das Unternehmen ebenfalls Partnerschaften und Verkäufe vorstellen.

Telefónica hadert seit Jahren mit der schwachen Konjunkturlage in Südamerika. In Venezuela grassiert seit längerem eine Wirtschaftskrise mit Hyperinflation und Währungsverfall. Und auch Argentinien gerät derweil wieder in den Strudel aus wirtschaftlichem Abschwung, Inflation, hohen Schulden und Währungsproblemen.

Lateinamerika ist keine Wachstumsmaschine mehr

Telefónica zählt weltweit 340 Millionen Kundenanschlüsse, davon im abzuspaltenden spanischsprachigen Teil von Mittel- und Südamerika rund 130 Millionen. Seit 30 Jahren ist Telefónica in den Ländern aktiv. "Bis vor ein paar Jahren waren unsere Geschäfte in Lateinamerika unsere Wachstumsmaschine", sagte Álvarez-Pallete. Die Bedeutung für Telefónica sei in den vergangenen Jahren jedoch wegen der besonderen Bedingungen in diesen Märkten gesunken.

Álvarez-Pallete ist seit 2016 im Amt und hat in den vergangenen Jahren vor allem Wert auf den Schuldenabbau bei den Spaniern gelegt. Bei den drei großen Ratingagenturen gelten Telefónica-Anleihen mittlerweile auch nicht mehr als sogenannter "Ramsch" - womit spekulative Investments bezeichnet werden.

Zuletzt hatte der Manager in Spanien einen weiteren Personalabbau eingeleitet, laut Mitteilung im September sollen 5000 Jobs gestrichen werden. Im dritten Quartal rutschte das Unternehmen daraufhin wegen der Milliardenkosten für den Stellenabbau in die roten Zahlen.

Ex-Monopolisten in anderen Ländern

Die ehemaligen europäischen Staatsmonopolisten aus der Telekombranche fahren bei ihren weltweiten Investitionen seit der Liberalisierung des europäischen Marktes unterschiedliche Erfolge ein. Die Telekom musste in den USA zunächst viel Lehrgeld zahlen, dann aber entwickelte sich das Geschäft in den vergangenen Jahren zum Wachstumstreiber, während in Osteuropa mancherorts noch länger der Wurm drinsteckte.

Beim französischen Platzhirsch Orange (ehemals France Telecom) sorgen derzeit vor allem die Geschäfte in Afrika und dem Nahen Osten für Schwung. Das war lange Zeit auch bei Telefónicas Lateinamerikageschäft der Fall, bis der wirtschaftliche Abschwung die Region erneut erfasste.

Melanie Zecher / Quelle: DPA

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