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Telefónica klagt gegen Telekom wegen DSL-Netz

Das spanische Telekommunikationsunternehmen Telefónica reicht bei der Bundesnetzagentur eine Missbrauchsklage gegen die Telekom ein. Beklagt wird die schleppende Schaltung von DSL-Anschlüssen für die Telekom-Konkurrenz.

13.12.2007, 16:01 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Die spanische Telefónica investiert massiv in den Ausbau eines eigenen DSL-Netzes in Deutschland. Das Netz von Telefónica deckt derzeit rund 60 Prozent der deutschen Haushalte ab. Doch die Expansion wird durch eine zögerliche Bereitstellung von DSL-Ressourcen seitens der Deutschen Telekom gebremst. Am morgigen Freitag, 14. Dezember, wird Telefónica bei der Bundesnetzagentur daher eine Missbrauchsklage gegen die Telekom einreichen.
Zu wenig Anschlüsse
Telefónica erhofft sich durch diesen Schritt eine schnellere Bereitstellung von Teilnehmeranschlussleitungen (TAL), die sogenannte "letzte Meile", durch die Telekom. Ohne TAL ist die Schaltung von DSL nicht möglich. Es werden jedoch laut Telefónica weniger TAL geliefert als benötigt. Das spanische Unternehmen empfindet diese Vorgehensweise der Telekom als einen Missbrauch ihrer starken Marktstellung.
Johannes Pruchnow, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Telefónica Deutschland, beklagt, dass das vorhandene Potenzial am Markt bei weitem nicht abgeschöpft werden könne. Von der Bundesnetzagentur wird ein schneller Standardvertrag gefordert, der genaue Regelungen für die Aufschaltung der TAL enthalten soll. Die hohe Nachfrage nach DSL-Anschlüssen müsse schnell befriedigt werden können. Doch nach Darstellung der Spanier werden voraussichtlich auch 2008 von der Telekom nicht genügend Anschlüsse zur Verfügung gestellt.
Breite Unterstützung für die Klage
Telefónica erhält breite Unterstützung bei dieser Klage, denn die großen DSL-Provider und Telekomkonkurrenten 1&1, Hansenet, freenet und o2 schalten ihre DSL-Angebote unter anderem über das Netz von Telefónica. Beschwerden der Endkunden über lange Wartezeiten bei einer DSL-Schaltung sorgen für Verärgerung auch bei den alternativen, großen DSL-Anbietern. Geplante Angebote können nicht immer zeitnah realisiert werden.
Auch bei 1&1 reicht's nicht
Aufmerksam hinhören musste man so auch bei der Stellungnahme von 1&1 Vorstand Robert Hoffmann zu der Klage. Der Vorstand Consumer-Produkte bei der 1&1 Internet AG gab an, dass die von der Telekom zugewiesenen DSL-Schaltungen bei weitem nicht ausreichten, um den Bestandskunden den Wechsel in die 1&1 Surf&Phone Komplettpakete zu ermöglichen. Bisher hatte 1&1 gegenüber den Bestandskunden immer mit einer Wechselmöglichkeit noch im vierten Quartal 2007 geworben. Eine Antwort von 1&1 auf eine Anfrage von onlinekosten.de zu diesem Thema steht noch aus.
Auch Arcor klagt
Schon Ende November hatte die Deutsche Presse Agentur (dpa) über eine eine ähnliche Klage von Vodafone-Tochter Arcor bei der Bundesnetzagentur berichtet. Statt innerhalb von vereinbarten fünf Tagen würde jeder vierte Schaltungsantrag meist erst nach 18 Tagen bearbeitet. Die Telekom hatte als Reaktion entgegnet, dass die Bereitstellungszahlen auf konstant hohem Niveau seien und die Kritik daher nicht nachvollziehbar sei. Es seien jedoch zusätzliche Mittel bereit gestellt worden, um regionale Nachfragespitzen auszugleichen.

(Jörg Schamberg)

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