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"Telecom Trends": Breitband vor der Speed-Wende

Nach Ansicht von Experten auf der Euroforum-Jahrestagung "Telecom Trends" steht der deutsche Breitbandmarkt vor einer weiteren Wende: Während der DSL-Anschluss langsam zum Auslaufmodell wird, verzeichnen Kabelanbieter ein stetiges Wachstum. Auch die Themen Glasfaser und mobiles Internet gewinnen weiter an Bedeutung.

22.01.2010, 00:01 Uhr
DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Die Blütezeit des klassischen DSL-Anschlusses neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu. Während sich die Entwicklung stetig in Richtung zweistelliger Geschwindigkeitswerte bewegt, läuft die ADSL-Technik bereits heute am Limit. Gleichzeitig vermelden die Kabelanbieter immer neue Bandbreitenrekorde und die Glasfasertechnik kündigt sich als Zukunftslösung an – wenn auch der Ausbau noch viel Zeit in Anspruch nehmen wird. Im Mobilfunkbereich steht wiederum der neue Standard LTE kurz vor der Einführung. Die nächsten Monate und Jahre dürften demnach äußerst spannend werden. Wir geben einen Überblick über wichtige Entwicklungen in Breitband, Festnetz und Mobilfunk, die am Mittwoch auf der Euroforum-Jahrestagung "Telecom Trends" in Düsseldorf zur Sprache kamen.
Die fetten Jahre sind vorbei
Konsens herrschte unter den anwesenden Experten bei der Feststellung, dass der Verdrängungswettbewerb in der Branche weiter zunehmen werde – Stichwort: DSL-Konsolidierung. Gleichzeitig schrumpft der Gesamtmarkt immer weiter. Seit dem Jahr 2005 sind die Umsätze mit Telekommunikationsdiensten in Deutschland rückläufig – eine Entwicklung, die sich auch in der Beschäftigungsentwicklung des Wirtschaftszweiges niederschlägt. Insbesondere die Deutsche Telekom ist hier betroffen. Nach einer Analyse von Professor Torsten Gerpott, Leiter des Lehrstuhls für Telekommunikationswirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, hat der Konzern in den letzten fünf Jahren rund 53.000 Stellen abgebaut. Im gleichen Zeitraum bewegte sich der Umsatz mit Festnetzdiensten kontinuierlich nach unten – rund zehn Prozent Marktanteil musste die Telekom an die Konkurrenz abgeben.
Der Trend geht zum Komplettanschluss - bei steigenden Ansprüchen
Ein Grund für das Wachstum bei den alternativen Netzprovidern sind die offensiv vermarkteten Komplettanschlüsse mit Internetzugang, Telefonie und Flatrates. Call-by-Call und Preselection verlieren rasant an Bedeutung. Nach einer Schätzung von Experte Gerpott wurden 2009 bereits über 70 Prozent aller Sprachverbindungen bei den Telekom-Wettbewerbern über All-in-One-Anschlüsse geführt. Insgesamt liegt der Anteil der Telekom bei Festnetz-Telefonie jedoch immer noch bei circa 40 Prozent – Tendenz sinkend. Im DSL-Geschäft kann sich der Ex-Monopolist besser behaupten und seinen Marktanteil trotz bereits absehbarer Stagnation im Gesamtmarkt weiter ausbauen. Nach Berechnungen von Gerpott wurden 2009 über 52 Prozent der 22,1 Millionen DSL-Anschlüsse in Deutschland von der Telekom gestellt.
Dennoch steht der Breitbandmarkt vor neuen Umbrüchen, denen sich die Unternehmen stellen müssen. Hauptantrieb hier sind die steigenden Bandbreiten, die derzeit insbesondere durch die Kabelanbieter gepusht werden. Im ADSL-Bereich hingegen sind 16 Mbit/s das obere Ende der Fahnenstange. Auch das glasfaserbasierte VDSL kommt (noch) nicht über 50 Mbit/s hinaus. Demgegenüber steigen jedoch auch die Ansprüche bei den Endverbrauchern. Laut der Unternehmensberatung "Dialog Consult" und Gerpott haben diese in Deutschland innerhalb eines Jahres deutlich aufgerüstet. Verfügten noch 2008 lediglich 31 Prozent aller DSL-Kunden über eine Geschwindigkeit zwischen sechs und 50 Mbit/s, lag ihre Zahl im Vorjahr schon bei 51 Prozent. Während im Kabelbereich bereits 100 Mbit/s und mehr zur Verfügung stehen, gelangen die DSL-Anbieter dabei in absehbarer Zeit an ihr technisches Speedlimit. Der wachsende Marktanteil der Kabelgesellschaften gibt zudem die Richtung vor: Fast elf Prozent aller Breitbandzugänge in Deutschland liegen nach Angaben der Experten bereits im Kabelnetz. "Die Kabelanbieter haben in den letzten Jahren von jedem Euro Umsatz rund 40 bis 45 Cent wieder investiert", so Gerpott mit Blick auf die bisherige Entwicklung.
Eigenes Breitbandnetz von Vorteil
Die DSL-Anbieter suchen ihrerseits nach Alternativen um konkurrenzfähig zu bleiben. Die Glasfasertechnik gilt hier als Schlüssel. Während die Telekom mit VDSL bereits den Anfang gemacht hat, stehen die großen Wettbewerber mit eigenen Projekten für Highspeed-Zugänge noch am Anfang. Vodafone hält dies für einen Fehler und kündigte an, den weiteren Ausbau des eigenen Netzes zu forcieren - vor allem bei den glasfaserbasierten Zugangslösungen. Die These der Düsseldorfer: Das Geschäft für Reseller und reine Serviceprovider habe wenig Zukunft. Branchenbeobachter Gerpott teilte diese Einschätzung. "Ich sehe die Renaissance des Resale-Modells im klassischen Carrier-Markt nicht", sagte er.
Mobiles Internet pusht den Mobilfunkmarkt
Den Blick auf den Mobilfunkmarkt wagte Gerpott zusammen mit Frank A. Rothauge von Sal. Oppenheim. Beide sind fest davon überzeugt, dass das Nutzungsvolumen beim mobilen Internet in den kommenden Monaten stark zulegen wird: auch oder gerade weil insbesondere in den D-Netzen von T-Mobile und Vodafone hohe Datenübertragungsraten auf Basis von HSDPA realisiert werden.
Schon das Jahr 2009 habe gezeigt, dass die Umsätze mit "echtem" mobilen Datendiensten erstmals die durch mobiles Messaging erzielten Umsätze überholen konnten. Die Non-Voice-Umsätze lagen im vergangenen Jahr deutschlandweit bei geschätzten 5,5 Milliarden Euro und nur noch 49 Prozent davon entfielen auf SMS und MMS. Vor zwei Jahren waren es noch 61 Prozent. Dieser Trend wird weiter zunehmen, weil das Wachstum nicht nur durch günstigere Tarife, sondern auch durch die Verfügbarkeit neuer Smartphones, und Netbooks getrieben wird, ist Gerpott überzeugt. Waren 2009 nur 15 Prozent der verkauften Mobiltelefone Smartphones, sollen es 2012 zwischen 33 und 30 Prozent sein. Zunehmen wird in diesem Zusammenhang auch der Vertrieb mobiler Applikationen. Gerpott: "Die Mobilfunk-Netzbetreiber haben den Trend, Apps zu vermarkten, bisher verpennt."
E-Plus-Strategie unter Beschuss
Skeptisch zeigte sich Gerpott – ähnlich wie Analyst Rothauge - zur bisher von E-Plus gefahrenen Strategie für mobile Internetdienste. Der Düsseldorfer Netzbetreiber hatte sich zuletzt vorrangig auf seine Discount-Marken konzentriert und gebetsmühlenartig betont, den eigenen Kunden seien insbesondere Telefonie- und SMS-Dienste wichtig. Kurz vor Weihnachten kam es dann auch offiziell zu einem Umdenken als E-Plus eine Kooperation mit dem Netzwerkausrüster ZTE bekannt gab. Künftig sollen E-Plus-Kunden mit bis zu 21,6 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) über ihr Handy oder Notebook mit angeschlossenem UMTS-Stick im Internet surfen können. Doch Gerpott tritt auf die Euphoriebremse und rät, erst einmal abzuwarten. Eine weitflächige Umrüstung von EDGE auf HSDPA brauche Zeit. "Es ist durchaus denkbar, dass erst einmal Entwicklungsarbeit geleistet werden muss."

(Christian Wolf und Hayo Lücke)

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