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"Tagesspiegel": Wowereit will Gratis-WLAN für Berlin

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) will die Mitte der Hauptstadt mit einem flächendeckenden WLAN-Netz versorgen. Um das Projekt wird bereits seit Jahren gerungen. Nun ergreift Wowereit erneut die Initiative.

15.07.2010, 16:02 Uhr
Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

"Arm, aber sexy" – so lautet der mittlerweile weit über die Stadtgrenzen hinaus bekanntgewordene Image-Slogan Berlins. Die hoch verschuldete deutsche Hauptstadt pflegt seit Jahren selbstbewusst ihren Ruf als wenig glamouröse und von hoher Arbeitslosigkeit geplagte, dafür aber attraktive, kreative und junge Metropole. Fast ebenso lange planen der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Wirtschaftssenator Harald Wolf (Die Linke) trotz knapper Kassen den dazu passenden Aufbau eines flächendeckenden WLAN-Netzes in der gesamten Innenstadt. Doch die größten Gegner des Gratis-Internes kommen aus den eigenen Reihen. Nun soll die Einführung erneut geprüft werden, sagte Wowereit der Zeitung "Der Tagesspiegel".

"Störung und Verschandelung"

Insbesondere Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) weigerte sich bislang beharrlich, die Mitte Berlins zu einem riesigen Hotspot auszubauen. Ihr Argument: Die notwendigen WiFi-Antennen verschandelten das Stadtbild und könnten elektronische Anlagen stören. Sie forderte daher in der Vergangenheit eine Einzelfallprüfung für jeden der 5.000 notwendigen Standorte - ein Vorbehalt, der das Projekt zu Jahresbeginn aus Zeit- und Kostengründen schnell zum Scheitern brachte. Anlässlich der Inbetriebnahme eines WLAN-Netzes in der Aachener Innenstadt durch den Kabelanbieter Unitymedia fühlte sich der Berliner Regierungschef nun aber zu einem weiteren Anlauf ermutigt.

Aufgebaut wurde die dortige Infrastruktur durch den US-Telekommunikationsriesen Motorola, der auch in Berlin-Reinickendorf ein eigenes Werk betreibt – das größte in Deutschland und damit ein wichtiger Arbeitgeber für die Region. Bei einem Besuch der Anlage zeigte sich Klaus Wowereit laut "Tagesspiegel" vom Konzept Motorolas demonstrativ überzeugt. Es gebe nun ein konkretes Beispiel dafür, wie das System in der Praxis funktioniere. Dies sei ein guter Zeitpunkt, eine Umsetzung für Berlin nochmals zu prüfen, so Wowereit. Offenbar hofft er mit seinem via Zeitung lancierten Statement nicht zuletzt auf Rückenwind aus der Bevölkerung, um die internen Widerstände zu überwinden. Auch für die eigenen Popularitätswerte können solche Aussagen von Vorteil sein. Die im kommenden Jahr stattfinden Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus rücken näher und Wowereit machte zuletzt nicht immer eine gute Figur.

Sender in Ampelkästen versteckt

Das vonseiten der Stadtentwicklungsverwaltung angebrachte Schönheitsargument wurde sogleich von Motorola-Vertriebschef Frank Oliver Pauer gekontert. In Aachen habe man einen Großteil der Sender in den ohnehin auf den Straßen stehenden Ampelschaltkästen versteckt. Auch auf die wirtschaftliche Bedeutung ging Pauer ein. So sei der bisherige Partner, die Stuttgarter Airdata AG, weiterhin an dem Projekt interessiert. Zwei weitere Firmen hätten ebenfalls bereits ihr Interesse angemeldet. Die laufenden Kosten des WLAN-Netzes könnten zudem über Werbung, Vermarktung und kostenpflichtige Zusatzangebote finanziert werden.

Sollte allerdings auch der jüngste Vorstoß wieder scheitern, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich die beteiligten Unternehmen endgültig zurückziehen. Schon jetzt machen diese ihrem Ärger über die Berliner Verwaltung Luft. "Nachdem wir Berlin drei Jahre die Türen einrannten, muss der Senat nun aber auf uns zukommen", so Airdata-Geschäftsführer Christian Irmler. Im Stadtentwicklungsressort tritt man dennoch weiterhin auf die Bremse. Pressesprecher Mathias Gille sagte dem "Tagesspiegel", angesichts der sich weiter entwickelnden Mobilfunktechnik sei vorerst zu klären, ob das kostenintensive Angebot überhaupt noch notwendig sei.

(Christian Wolf)

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