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Tagebuch eines CeBIT-Reisenden: Sascha Hehn, Foto-Update

19.03.2003, 15:43 Uhr
CeBIT© CeBIT
Kennen Sie Sascha Hehn? Wir haben ihn auf der CeBIT entdeckt - zumindest seinen Typ, besser: seine Frisur. Und das an jedem zweiten Stand...
CeBIT - nach dem Wochenende: Der Zenit ist deutlich überschritten. Das merkt man. Vor allem an den Ausstellern. Die Manager übernächtigt, die Damen am Counter genervt. Jetzt wird doppelt Make-Up aufgetragen und das Lächeln nur noch behelfsweise ins Gesicht gemeißelt. Die Parties leeren sich schneller, das Publikum ist satt - kurz: der CeBIT-Ballon verliert an Luft; und das fast stündlich...
Nur die Stand-Moderatoren drehen jetzt richtig auf, wittern ihre große Stunde. Ob's an Koks, HalloWach oder der angeborenen Profilneurose liegt - während andere nur noch müde auf ihren Standhockern vegetieren, spielen die Hobby-Entertainer ganz groß niedersächsische Ruhrpott-Kirmes.
Die Moderatoren - es scheint fast, als hätte Sascha Hehn für sie im Scherenschnitt Modell gestanden. Fast alle die gleiche 80's Fransel-Frisur. Unterschiede kenntlich nur in der Plastikstrand-Verbranntheit ihrer Gesichtslandschaft. Traumschiff und Schwarzwaldklinik lassen grüßen. Es hat etwas vom Rummelplatz-Blumenverkäufer, wie viele der Jungs hier mit Behelfs-Zoten und Theaterstadel-Witzen noch ihre Waren unters bettelnde Volk bringen: "Mitmachen, mitgewinnen, hier is' was loss ey!" - und wieder legalisiert der Zweck die Mittel: Denn die Leute kommen noch immer.
Und mögen Musik nur, wo sie laut ist. Die CeBIT-Hehns drehen voll auf, jede Messeleitungs-Mahnung ignorierend. Die Pegel möglichst hoch, die Shows niveaumäßig möglichst niedrig - denn das bringt Publikum, das zieht. Bei S. bietet ein Moderator kabellose Tastaturen feil. Sein Preis: die BHs junger Mädchen. Auf die Bühne gehopst, den BH ausgezogen, dem Moderator überreicht und das Keyboard eingesackt. Johlende Menge, darin ihr grinsender Freund. Verlegenheit bei ihm? I wo - eher Freude übers neue Keyboard...
Auch die Messe-Parties haben ihre Halbwertszeit schon gelinde überschritten. Die Masse geht früher, der Laden ist fast zeitig leer - bis auf ein paar Hard-Alk-Manager, die in Schlips und Kragen zwischen den Stehtischen torkeln und verlassene Biergläser austrinken. Ebenso das Messe-Personal: Selbst der minderjährige Aufpass-Schmock im Presse-Centrum, der mit Milchzahngrinsen und Pumuckl-Frisur unseren 17jährigen Kollegen Deppermann nicht in den Pressebereich lassen wollte, hat inzwischen die ersten Stress-Pickel bekommen.
Allerorts Gesichts-Muränen, müde Augen und Fußkranke - die Hansaplast-Drogerien feiern Hochkonjunktur. Besonders traurig: die Asia-Town-Stände aus Fernost. Zu dutzenden haben sie ihre Kleinst-Buden in großen Blöcken unter einheitlich orangenem Logo zusammengeschlossen, anfangs das große Geschäft gewittert. Wie sie dreinschauen, scheint's alles andere als gut gelaufen zu sein. Nur vereinzelt kommt am Counter noch das so bekannte asiatische Lächeln zum Vorschein. Der Rest hockt in den Mini-Hinterräumen und läßt der Müdigkeit freien Lauf. Wehmütiges Zurückdenken an die AOL-Party vor ein paar Tagen: Da war die Stimmung noch auf dem Siedepunkt: Aus-dem-Ei-gepellt-Manager, gelöstes Geplapper und Raum für jede Menge Situationskomik. Zum Beispiel die Sache mit dem Telekom-Analyst-Schildchen: Irgendwo außerhalb auf dem Boden gefunden, wurde's sofort gut erkennbar an die Anzugstasche gepappt.
Ergebnis: einige böse Blicke von AOL-Buddys und tolle Ideen von umstehenden Journalisten nicht genannter Fachpresse: "Du, schau mal, wenn ich das "yst" von Analyst zuhalte, was dann auf Deinem Schildchen steht!" Haha, beim ersten Mal noch witzig, beim zwanzigsten eher weniger.
Richtige Coolness bewies einzig und allein ein bierseliger, dänischer AOL-Manager: "Du, so kann ich das jetzt nicht stehen lassen. Wir brauchen den Ausgleich..." - flugs sein eigenes AOL-Revers-Banner abgemacht und mir übers Telekom-Schild geheftet. Ausgleich erzielt - die Journaille war wieder überparteilich. Eine Posse wie diese - sie wäre heute unmöglich, ein Rausschmiss wohl an der Tagesordnung...
CeBIT - gegen Ende: Die Messe liegt in den letzen Zügen. Jetzt heißt es durchhalten, auch noch an den letzten Tagen. Und vorsichtiger werden, dass man sich nicht selbst für ein Rest-Keyboard noch seiner Oberbekleidung entledigt. Wäre peinlich. Nicht nur fürs Magazin...

(Alex Leinhos)

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